Frau aus Herdecke hilft Schaf bei der Geburt

Leistete Geburtshilfe bei einem Schaf:  Sarah Bliesner mit Söhnchen Lenox (2).
Leistete Geburtshilfe bei einem Schaf: Sarah Bliesner mit Söhnchen Lenox (2).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Beim Spaziergang entdeckte die Herdeckerin Sarah Bliesner ein Schaf, das bereits ein Lamm geboren hatte. Ein zweites steckte mit dem Kopf im Geburtskanal fest.

Herdecke.. Große Sorgen machen sich Anwohner aus Ende um eine Schafherde, die sich in letzter Zeit auf unterschiedlichen Wiesen in Ende aufgehalten hat. Sie sind der Meinung, dass der Schäfer sich nicht ausreichend um seine Tiere kümmere. „Vergangenen Sonntag wurde er von Nachbarn angerufen, weil ein Tier im Sterben lag“, berichtet Sarah Bliesner. Der Schäfer aber sei nicht gekommen, am nächsten Tag habe das Tier tot auf der Wiese gelegen.

Schäfer stellt der Herde frisches Wasser hin

Bei der Stadtverwaltung Herdecke ist der Vorwurf bekannt. Aber: „Im Januar war das Ordnungsamt vor Ort und hat sich umgeschaut. Der Schäfer kommt zwei Mal am Tag und beaufsichtigt die Tiere und stellt ihnen neues Wasser hin, weil sie kaltes Wasser wohl nicht trinken können“, erklärte Sarah Braun von der Pressestelle der Stadt.

Ein Brief von Sarah Bliesner liege dem Ordnungsamt ebenfalls vor; er sei an die zuständige Tierschutzstelle des Ennepe-Ruhr-Kreises weitergeleitet worden.

Wanderschafherde mit 800 Tieren

„Es handelt dabei sich um eine Wanderschafherde mit 800 Tieren“, klärt Ingo Niemann, Pressesprecher des Ennepe-Ruhr-Kreises, auf. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung sei eine Tierärztin vom Kreisveterinäramt vor Ort in Herdecke gewesen, habe aber nichts Negatives feststellen können.

Sarah Bliesner selbst entdeckte am Dienstag während eines Spazierganges mit ihrem Sohn Lenox (2) sowie einer befreundeten Mutter und deren Kindern, „dass ein Schaf arge Schwierigkeiten bei der Geburt des zweiten Lammes“ hatte. „Eins war schon da und auch trocken geleckt. Das zweite steckte mit dem Kopf – der Rest war schon draußen – im Geburtskanal fest, aber weder Schaf noch Lamm hätten sich selber in dieser Situation helfen können“, so die Bürgerin.

"Irres Gefühl, helfen zu können"

„Uns war klar, dass wir irgendetwas tun müssen. Also sind wir über den Elektrozaun gekrabbelt. Ich habe dann das Lamm heraus geholt, habe die Fruchtblase geöffnet und das Lamm trocken gerubbelt“, so Sarah Bliesner. Auf solch einen Zwischenfall sei sie nicht vorbereitet gewesen, hätte folglich weder Decke noch Handtuch dabei gehabt. „Aber Not macht bekanntlich erfinderisch, und so haben wir einfach kurzerhand die Einmalwickelunterlage von meinem Sohn genommen“, erzählt die junge Mutter, die übrigens weder Krankenschwester noch Hebamme ist. „Nein, ich habe so etwas auch noch nie gemacht. Aber wir wussten, dass wir helfen müssen, sonst wäre das Lamm wahrscheinlich gestorben. Und die Mutter wohl auch“, sagt Sarah Bliesner.

Froh sei sie gewesen, dass das Schaf das Lamm angenommen habe. „Das war definitiv ein ganz irres Gefühl, helfen zu können, da wir eigentlich davon ausgegangen sind, dass das Lamm bereits tot ist, weil der Kopf noch nicht rausgekommen war und es noch vollständig in der Fruchtblase gesteckt hat. Umso größer war die Freude, als die Atmung einsetze und das Lamm später von der Mutter und dem Zwilling begrüßt wurde.“

Pünktchen hat einen weißen Fleck

Die Herdeckerin schüttelt den Kopf, als könne sie immer noch nicht glauben, was sie getan hat: „Wann kann man als Stadtkind schon mal sagen, dass man ein Schaf gerettet hat?“ Dem Lämmchen haben Geburtshelferin Sarah Bliesner und ihre Freundin Simone Buchwald übrigens den Namen Pünktchen gegeben: „Weil es einen weißen Punkt am Hinterkopf hat und sonst ganz schwarz ist.“