Fotonachlass macht Geschichte lebendig

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Was wir bereits wissen
Irgendwann einmal muss Schluss sein. Am Sonntag öffnet Gerda Lamle zum letzten Mal die Ausstellung in der Königstraße in Alt-Wetter.

Wetter..  Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. So betrachtet, werden Besucher der Ausstellungsräume im Erdgeschoss der Königstraße 50 ziemlich vollgetextet. An zahlreichen Wänden hängen viele Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der guten, alten Zeit in Wetter. Die Sammlung hat Gerda Lamle aus dem Nachlass ihres 2008 verstorbenen Mannes Joachim zusammen gestellt. Am morgigen Sonntag können Gäste von 13 bis 18 Uhr zum letzten Mal im ehemaligen Foto-Atelier Lamle in Erinnerungen schwelgen.

„Es ist einfach an der Zeit, damit nun Schluss zu machen“, meint Gerda Lamle. In den letzten drei Jahren hat sie die Türen für Neugierige an jedem verkaufsoffenen Sonntag geöffnet. „Es gab ja den Wunsch, auch die Königstraße miteinzubinden. Und da wir hier damals leerstehende Räume hatten, wollte ich nicht nur draußen ein paar Bilder hinstellen, sondern eine richtige Ausstellung gestalten.“ Mit Filzbuchstaben auf einem Schild hat sie seither darauf hingewiesen. Die Gestaltung der drei Trakte hat sie je nach Jahreszeit verändert.

Noch genug zu sortieren

Ihrem Mann, da ist sich Gerda Lamle sicher, hätte die Ausstellung gefallen. „Er hat es verdient, dass aus seinen Bildern so etwas wie das hier entstanden ist, wobei mir das auch Spaß gemacht hat.“ Doch mit Mitte 80 sei nun der richtige Zeitpunkt, dies aufzugeben, auch wenn sie noch weiter machen könnte. „Ich habe aber noch genug zu sortieren, damit bin ich zu meinem Lebensende beschäftigt. Und außerdem gibt es die Chance, dass hier im Erdgeschoss ab Herbst etwas Neues beginnt.“

Manche Aufnahmen hätten auch für sie, die in ihrem Leben kaum fotografiert hat, einen besonderen Stellenwert. Beim Rundgang durch das Erdgeschoss fallen neben schönen Bildern vom See auch alte Stiche auf. Auf der Rückseite hängen Kalenderseiten über historische Persönlichkeiten wie Harkort, Vorsteher oder Freiherr vom Stein. Dazu gesellen sich Porträts früherer Lehrer, von Pfarrern oder aus Vereinen. Auch die Feuerwehr hat einen Platz bekommen, ausgestellt ist zudem ein mannshoher Schutzanzug für Einsätze. Etliche Fotos erinnern obendrein an das Turnfest auf dem Harkortberg oder zeigen, wie es früher in der Freiheit aussah. Und auch über den Besuch des Kaisers hier in der Ruhrstadt kann Gerda Lamle erzählen. Kurzum: „Die Geschichte Wetters soll hier lebendig werden.“

Nun übernimmt der Heimatverein Wetter einen Großteil der alten Fotos, die ihr Mann und ihr Schwiegervater in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hatten. Davon hatte 1998 auch das Stadtarchiv Wetter profitiert, das tausende Bilder nach der Geschäftsaufgabe 1995 erhalten hatte. „Es sind vorwiegend Negative sowie sehr viele Bilder von Menschen und Bürgern dieser Stadt, hinzu kommen einige Postkarten“, sagt Gerda Lamle.

Idee für Nachfolgenutzung steht

Die gebürtige Wetteranerin hat selbst wenig fotografiert. „Ich bin im Laufe der Jahre da so ‘reingewachsen. Mein Mann machte die Bilder, ich habe unzählige Fotoalben daraus gestaltet.“ Unzählige Kästen mit Dias aus gemeinsamen Urlaubstagen (etwa vom Hochwasser in Dresden 2002) gebe es noch. Doch die Zeit, da sie aus dem großen Nachlass ihres Mannes und Schwiegervaters eine Auswahl zum Einrahmen trifft, soll nun vorbei sein. Auf die Frage, was genau dann mit den Räumen passiere, antwortet Gerda Lamle in westfälischer Tonlage: „Ma’ kucken.“