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Folgen von KiBiz sind vor Ort spürbar

15.02.2010 | 15:48 Uhr

Das Thema ist brisant. 130 Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt aus dem gesamten EN-Kreis kamen zur Teilbelegschaftsversammlung zum auch anderthalb Jahre nach seiner Einführung umstrittenen KiBiz-Gesetz.

„Es macht uns sprachlos, dass ja doch offensichtlich alle wussten, was auf uns zukommt, und man lässt uns so reinrasseln.” Sigrid Schulte vom AWo-Familienzentrum Gevelsberg ist erschüttert, und der Applaus in der Aula des Von-Schemm-Hauses der AWo in Gevelsberg ist ihr sicher. Sigrid Schulte und ihre Kollegen fühlen sich hilflos.

Nichts, keine Postkartenaktion, nicht der Rat der Erziehungswissenschaftler und auch nicht die Demonstrationen vor dem Düsseldorfer Landtag hatten 2008 verhindern können, dass die schwarz-gelbe Mehrheit im Länderparlament das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) verabschiedete. Ein Gesetz, das der AWo-Geschäftsführer im EN-Kreis, Jochen Winter, schon bei seiner Entstehung als „Mumpitz" kritisierte.

Die Folgen müssen Eltern, Kinder und Erzieher vor Ort tragen. Und die negativen Folgen sind beträchtlich, wie bei der Versammlung deutlich wurde. Hinzu komme der Ruf nach mehr Sprachförderung für deutschsprachige Kinder und solche mit Eltern, die ihre Wurzeln im Ausland haben. Die Pädagogen balancieren auf dem schmalen Grat zwischen der Wirklichkeit in ihren Einrichtungen und dem Anspruch des Gesetzes auf dem Papier.

„Einer macht sich

immer in die Hose”

Ramona Coswig, Leiterin des AWo-Familienzentrums Schwelm, gab einen Einblick in die tägliche Arbeit und sparte nicht mit Kritik an KiBiz. Die Betreuung von unter Dreijährigen sei bei der jetzigen Gruppenstärke mit nur zwei Erzieherinnen nicht zu schaffen: „Einer macht sich immer unaufgefordert in die Hose, essen müssen und sollen auch alle, aber das alles steht nicht in dem Papier.” Auch Ulla Wacker, AWo-Bereichsleiterin Kinder und Familie, ließ kein gutes Haar am KiBiz. Vor allem die Kopfpauschale, die die frühere Gruppenpauschale abgelöst hat, habe alles „ordentlich durchgeschüttelt". Fehle ein Kind einen Tag, fehlen damit finanzielle Mittel. Jochen Winter bestätigt: „Ich habe noch nie eine Pauschale so spitz abrechnen müssen wie diese". Außerdem erreiche das neue Gesetz nicht das Ziel einer besseren Betreuungsquote. NRW läge noch immer hinter anderen Bundesländern zurück. Auf der Strecke blieben die Kinder, die Eltern und die Erzieher selbst.

Ein „echtes Kinderbildungsgesetz" fordert Landtagsabgeordneter Rainer Bovermann. 243 Millionen, so der Vorsitzende der Enquetekommission „Chancen für Kinder. Rahmenbedingungen und Steuerungsmöglichkeiten”, seien aus SPD-Sicht nötig: Erhöhung der Kopfpauschale, kostenloses letztes Kindergartenjahr, höhere Gehälter und verstärkte Qualifizierung der Erzieher sehe das SPD-Papier vor.

Ina Blumenthal

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Kommentare
17.02.2010
07:48
Folgen von KiBiz sind vor Ort spürbar
von Hans Wagner | #5

#4 hat natürlich den Lapsus erkannt. Hier sind offensichtlich alt/neu durcheinander gekommen. Viel wichtiger ist m.E. jedoch der Kern des Kommentars. Es wird deutlich, dass auch unsere Sozialverbände nur wirtschaftsorientierte Unternehmen sind, die nach Umsatz und Macht streben. Der Name Arbeiterwohlfahrt und die damit verbundenen Emotionen sind wohl heute weitestgehend unzutreffend.

http://www.awo-en.de/g-bericht/Geschaeftsbericht08.pdf

16.02.2010
13:47
Folgen von KiBiz sind vor Ort spürbar
von alt_neu | #4

sehr geehrte frau otremba,

lernen sie ersmal den unterschied zwischen alten und neuen bundesländern!!

16.02.2010
12:27
Folgen von KiBiz sind vor Ort spürbar
von Ray Hilden | #3

#2 wohl war...vor allem stellt sich aktuell kein Träger wirklich schlechter als vorher. Na ja...hoffe nur, dass jetzt nicht wieder diese Endlosdiskussion und Verunsicherung der Beteiligten beginnt. Herr Winter, im Sinne der Beteiligten...nicht schon wieder.

16.02.2010
08:47
Folgen von KiBiz sind vor Ort spürbar
von Nele Otremba | #2

#1 hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn Herrn Winter sonst nichts einfällt, fängt er mal wieder mit KiBiz an. Übrigens die Betreuungsquote lag in den alten Bundesländern immer höher als im Westen, da dort fast 50% der Eltern ihre Kinder in den Kindergarten geben. Ob dieses erstrebenswert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Abschließend sei bemerkt, dass jeder Dienstleister spitz abrechnen muss, da es sich um Steuergelder handelt, sollte dieses bei einem Unternehmen was bundesweit einen Umsatz von über 3,5 Mrd. € im Jahr erwirtschaftet, selbstverständlich sein.

15.02.2010
19:55
Folgen von KiBiz sind vor Ort spürbar
von Ray Hilden | #1

Hey...der Wahlkampf geht schon wieder los...natürlich mit Herrn Bovermann und seinem treuen Freund Winter!!! Das werden ja mal wieder lustige Wochen!!! Da können einem wirklich nur die Kinder, die Eltern, die Erzieherinnen und die AWo leid tun!!!

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