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Flugroute führt über Wetter und Herdecke

25.01.2016 | 06:00 Uhr
Flugroute führt über Wetter und Herdecke
Kraniche auf dem Weg in den Süden. Über 30 000 sind schon über Wetter und Herdecke geflogen.Foto: Ralf Hirschberger

Herdecke/Wetter.   Der Kranichzug in den Süden reißt nicht ab. Noch vor einer Woche flogen ganze Schwärme über das Ardeygebirge. Doch was passiert, wenn dort hohe Strommasten stehen?

Ziehen die Kraniche Richtung Süden, geht man davon aus, dass der Winter beginnt. Gezogen sind sie auch in diesem Jahr, schon Ende September waren die ersten typischen Schreie zu hören. Doch dann ließ der Winter lange auf sich warten. Mit dem aktuellen Kälteeinbruch haben sich nun aber noch einmal einige Schwärme Richtung Süden aufgemacht. „Über 30 000 Tiere sind in dieser Saison über Herdecke, Wetter und Hagen bereits gezählt worden“, sagt An­dreas Welzel, Mitglied des Bundes für Vogelschutz und Vogelkunde e.V. Herdecke und Hagen (BfV). Und das in einem ungewöhnlich langen Zeitraum. „Die letzten wurden am 19. Januar gesichtet.“ Damit ist etwa ein Viertel der südwestziehenden Population des Kranichs auf dieser Route Richtung Süden gezogen.

Fütterung für Touristen

Den Zusammenhang mit dem tatsächlichen Wintereinbruch und dem Kranichzug stellt der Vogelkundler inzwischen in Frage. Denn gleich zwei Faktoren beeinflussen die Reise der Tiere in den Süden. „Zum einen haben wir oft keinen richtigen Winter mehr“, so Welzel. Zum anderen sei an den Rastplätzen der Kraniche im Norden inzwischen eine touristisches Geschäft aus der Vogelbeobachtung geworden. „Teilweise wird dort zugefüttert, damit die Tiere bleiben“, so Welzel. Aber auch der zunehmende Maisanbau im Norden und Osten biete den Zugvögeln eine so gute Futtergrundlage, dass sie gerne ein wenig länger ihre Fettreserven auffüllen würden.

Mit der Kälte, die nun aus dem Osten Richtung Mecklenburg und Niedersachsen auch zu uns zog, machten sich die Vögel dann aber doch auf, um in wärmere Gefilde im Süden zu gelangen. Und ihre Route führt dabei in der Regel über das Ardeygebirge. „Sie haben einen Flugkorridor zwischen 100 und 200 Kilometern, der ungefähr von Duisburg bis Kassel reicht“, erklärt An­dreas Welzel. Und an den Hängen vor der Ruhr müssen die Vögel aufsteigen, um den Höhenzug zu überwinden. Das heißt, dass sie mit viel Kraft aus dem flachen Münsterland über den Gebirgszug müssen. „Um Kraft zu sparen, lassen sie sich von der Thermik in höhere Luftschichten tragen“, erklärt der Vogelexperte, warum sich die Schwärme oft so lange über den Stadtgebieten von Herdecke und Wetter aufhalten. „Auch über den Städten entsteht ein warmer Luftzug nach oben, das nutzen sie aus.“ Mit Sorge betrachtet der Vogelschützer, der als Jugendlicher über die Fotografie zur Vogelbeobachtung kam, die Bestrebungen, gerade auf den Höhenzügen Windräder zu installieren. „Zugkorridore sind von Windkraftanlagen frei zu halten“, so Welzel, der durchaus ein Befürworter der regenerativen Energiegewinnung ist. Und noch ein weiteres Hindernis könnte die Energiewende für die Vögel mit sich bringen: die Höchststrom-Freileitung, die der Netzbetreiber Amprion auf dem Herdecker Stadtgebiet und auch auf dem Höhenzug über der Stadt bauen will.

Leitungen an Autobahn bauen

Durch die Freileitungen gefährdet sind laut dem Naturschutzbund (Nabu) vor allem große Vögel wie Gänse, Störche, Trappen und Kraniche. „Die Tiere nehmen abrupt vor ihnen auftauchende Hindernisse nur eingeschränkt wahr, weichen beim Anflug den stromführenden dicken Kabeln nach oben aus und geraten dabei in das darüber gespannte, dünne Erdseil, das die Freileitung gegen Blitzschlag schützt“, heißt es beim Nabu, der fordert, dass Leitungen entlang von Autobahnen und Schienenwegen gebaut werden sollten, um Flugrouten und Vogelschutzgebiet zu schonen.

Susanne Schlenga

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2016-01-25 06:00
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