Flüchtlinge teilen ihr Können am Küchentisch

Christa Schwabe und Achmet bringen die Vorräte in den Jugendtreff „Kicka“ am Schmandbruch.
Christa Schwabe und Achmet bringen die Vorräte in den Jugendtreff „Kicka“ am Schmandbruch.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Im Jugendtreff Kicka am Schmandbruch in Wetter startete die Aktion „Kochen verbindet“ mit viel Begegnung und wenig Worten.

Wetter..  „Was können wir tun?“, fragt Udo und wartet auf Arbeit. Udo heißt mit Nachnamen Picksak, hat aber wie alle an diesem Abend nur seinen Vornamen aufs Hemd geklebt. Das macht das Miteinander am Kochtopf leichter. Adriane nimmt Mehl und deutet an, die Packung über dem Tisch auszustreuen. Udo versteht sofort, auch ohne Worte. Welche sollte Adriane auch wählen? Sie kommt aus Mazedonien. Die wenigen Wochen, die sie im Flüchtlingsheim am Ochsenkamp wohnt, haben nur für ein paar Brocken Deutsch gereicht.

Semsije bietet sich als Dolmetscherin an. Als vor vielen Jahren Jugoslawien in einem Bürgerkrieg zerfiel, kam sie nach Deutschland. Jetzt hat sie die Brücke gebaut zu Adriane, ihrem Mann Achmet und dem kleinen Sabet. Mit Backblechen und Tüten voller Zutaten ist die Familie zum „Kicka“ am Schmandbruch aufgebrochen. Mitarbeiter des Jugendzentrums und Besucher sind eingeladen, sich mit an den Herd zu stellen. „Kannst Du gut Salat waschen?“, fragt Margot Patrik, der gerade reingekommen ist. Wohl weniger, denn Margot erntet auf ihre Frage nur Gelächter. Patrik spielt lieber am Bildschirm.

Auch Christa baut Brücken. „Ich habe viele Kontakte zum Asylbewerberheim“, sagt die Wetteranerin. Seit vielen Jahren ist sie schon eine Art Patin, wie es jetzt mehr für Flüchtlinge in der Stadt geben soll. Im Kofferraum ihres Autos hat sie gefüllte Auberginen mitgebracht. Damit es nicht zu lange dauert. Für den Rest hat Udo sich schon an der Herd gestellt, um Hack anzubraten. Und an einem Tischchen sitzen Thomas und Helen vom Betreuerteam des „Kicka“ und streichen Paste in ausgehöhlte Paprikaschoten.

Aus dem Mehl sind längst kleine Bällchen geworden. Margot will sie zu hauchdünnen Fladen formen. Adriane macht es ihr noch einmal mal vor und lächelt Margot aufmunternd an. Bällchen für Bällchen wird so zu einer langen Rolle, die auf ein Blech gelegt wird. Wie fertiges Burek aussehen soll, zeigt ein Foto, das Christa zusammen mit dem Rezept aus dem Internet gezogen hat. Und während sich ein Backblech nach dem anderen füllt, stehen Thomas und Helen schon an der Spüle der kleinen Küche, die nahtlos ins Büro des Jugendtreffs übergeht.

Lokalredaktion bezahlt den Einkauf

Hier hat auch Tim am Computer-Monitor Spaß gehabt. Jetzt steht sein Vater draußen mit dem Auto und hupt. Tim muss ohne Burek ziehen. Auch Udo will nach Hause, wartet aber wenigstens so lange, bis der Backofen aufgezogen ist. Seit sechs Uhr ist er unterwegs, nach der Arbeit gleich ins „Kicka“ gekommen. Jetzt nimmt er als Lohn der Arbeit einen Teller mit Hackröllchen und Salat mit Heim. Und nicht nur das gebratene Hackfleisch ist sein Verdienst. Von Udo stammt die Idee, sich an Kochtopf und Küchentisch näher zu kommen. Am „Runden Tisch“ der Flüchtlingshilfe in Wetter hat er die Aktion „Kochen verbindet“ vorstellt. Im „Kicka“ war jetzt der Auftakt. Die Lokalredaktion war der erste Sponsor und hat den Einkaufszettel beglichen.

Zwei Stunden haben Gastgeber und Gastköche am Kochtopf die Köpfe zusammengesteckt, dann wird endlich aufgetischt. „Gut“, kann der zweijährige Sabet schon sagen, auf Deutsch. Kinder lernen schnell. Und wie heißt das in der Sprache der Köche? „Dobre“, wie auch Praktikant Nico zur allgemeinen Überraschung weiß. „Mein Opa kommt aus Kroatien“, sagt er, und langt bei den gewundenen Hackröllchen gleich noch mal zu.