Feuerwehr in Wetter passt sich den modernen Zeiten an

Das so genannte Boot-Camp für die Feuerwehr Wetter: Unter der Leitung von Fitnesstrainer Christoph Winkhaus aus Herdecke will auch Thomas Schuckert (2. von links) seine Kondition verbessern.
Das so genannte Boot-Camp für die Feuerwehr Wetter: Unter der Leitung von Fitnesstrainer Christoph Winkhaus aus Herdecke will auch Thomas Schuckert (2. von links) seine Kondition verbessern.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Konditions-Training heißt heute Boot-Camp: Auch über Kooperationen mit Firmen und Einrichtungen in der Stadt Wetter wirbt die Feuerwehr für sich.

Wetter..  Es sind Männer und Frauen, die im Büro, an der Drehbank oder auf dem Bau arbeiten. Sie alle lassen ihre Arbeit ruhen, wenn die Feuerwehr-Leitstelle in Schwelm Alarm gibt. Freiwillige Feuerwehrmänner und Frauen rücken aus, wenn es in Wetter brennt. Mit dabei ist auch der einzige hauptamtliche Feuerwehrmann, den die Stadt zu bieten hat. Thomas Schuckert hat es mit 51 Jahren noch einmal wissen wollen und sich auf den Posten des stellvertretenden Wehrführers und Leiter des Rettungsdienstes für Wetter und Herdecke beworben. Lange hat er von der Leitstelle aus die Einsätze koordiniert, jetzt packt er selbst wieder mit an.

„Das ist schon ein Unterschied, wenn man das Feuer spürt und riecht“, sagt der Herdecker. „In der Leitstelle versucht man natürlich auch, die Kollegen vor Ort nach Kräften zu unterstützen. Doch bleibt ein Brand oder ein Unglück von dort aus immer irgendwie fern.“ Das Organisationstalent, das er in der Schwelmer Zentrale brauchte, hilft dem Feuerwehrmann nun auch in Wetter. Denn in seiner Funktion als Wachleiter des Rettungsdienstes muss er die Dienstpläne für die beiden Wachen in Wetter und Herdecke erstellen und sich um die Einsatzfähigkeit der Fahrzeuge kümmern. „Koordiniert werden die Einsätze dann wieder aus Schwelm.“

Von dort kann auch das Signal zum Aufbruch für den Freiwilligen Feuerwehrmann Thomas Schuckert kommen. Denn der 51-Jährige ist nach wie vor Mitglied der Herdecker Wehr. „Wenn es nicht mit einem Einsatz in Wetter kollidiert, fahre ich auch in Herdecke mit“, sagt Schuckert. Und hat so den besten Einblick in die Belastung, die Betriebe auf sich nehmen, wenn sie Freiwillige Feuerwehrkräfte für die Zeit des Einsatzes freistellen. „Dennoch haben wir mit vielen Arbeitgebern gute Erfahrungen gemacht“, sagt Schuckert. In Wetter wurden beispielsweise Terex/Demag und Abus als Partner der Feuerwehr ausgezeichnet. Bei AHE, dem Abfallentsorger des Kreises, dürften die Kollegen im Notfall sogar mit dem Müllwagen zum Einsatz fahren.

Auch ältere Kräfte willkommen

Viel Engagement für eine Aufgabe, die im schlimmsten Fall lebenswichtig für die Bürger sein kann. Engagement, das aber immer wenig Menschen leisten wollen oder können. „Wir bemühen uns intensiv um Nachwuchs“, sagt Patrick Poblotzki, einer der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr in Wetter. Auch bei Menschen, die die 40 schon überschritten haben. „Doch man muss zum Feuerwehrmann berufen sein“, sieht Poblotzki breitgefächerte Werbeaktionen eher kritisch.

„Es nutzt nichts, auf dem Markt Flyer zu verteilen“, sagt auch Schuckert. Er will vielmehr mit der Arbeit der Wehr überzeugen. Und mit den Leistungen, die Stadt und die Wehr ihren Freiwilligen Kräften als kleinen Dank anbieten. „Wir kooperieren mit dem TuS Wengern, damit unsere Mitglieder kostenlos an Kursen teilnehmen können.“ Zumba für Wehrmänner, warum nicht? Auch die drei Fitness-Studios in Wetter machen den Blauröcken faire Angebote, in den beiden Bädern schwimmen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr kostenlos. „Wir müssen uns schließlich fit für den Einsatz halten“, so Schuckert. Zu guter Letzt wird auch in der Wache für die Fitness trainiert: Einmal in der Woche schwitzen die Freiwilligen freiwillig im so genannten Boot-Camp. Ein bisschen RTL-Feeling zwischen Uniformen und Löschfahrzeugen.

Gemeinsamer Sport, gemeinsam löschen und retten sowie gemeinsam feiern – all das macht Feuerwehr aus. „Auch wenn das gesellige Leben längst nicht mehr so ausgedehnt ist wie früher“, bedauert Patrick Poblotzki ein wenig, dass viele Kameraden nach der Übung oder dem Einsatz schnell ihre Sachen packen. „Die Gesellschaft verändert sich“, stellen auch die Wehrmänner fest und räumen gleich mit einem alten Vorurteil auf: Der Durst wird bei der Wehr inzwischen eher mit Cola und Wasser gelöscht. „Bier trinken gehört nicht mehr so dazu wie vielleicht früher einmal“, so Schuckert.

Unterstützung aus eigenen Reihen

Wichtig sei weiter die Kameradschaft. „Wer einmal bei uns gelandet ist, muss sich um notwendige Helfer keine Sorgen mehr machen“, so Poblotzki. Und da geht es nicht mehr nur darum, dass beim Umzug Kisten geschleppt oder einem Kameraden bei der Renovierung geholfen wird. „Früher waren oft Handwerker in der Wehr, heute sind wir bunt gemischt“, weiß Schuckert. Vom HNO-Arzt über den IT-Experten bis zur Verwaltungsangestellten – jeder kann mitmachen und im Notfall den Stift fallen lassen.