Fast acht Jahre Haft für Vergewaltiger
19.09.2008 | 17:35 Uhr 2008-09-19T17:35:55+0200Wetter/Hagen. Mit gesenktem Kopf nahm der Wetteraner Wilhelm-Heinz K. gestern im Hagener Landgericht das Urteil entgegen: Sieben Jahre und sechs Monate Haft wegen Vergewaltigung in besonders schwerem Fall und schwerer räuberischer Erpressung.
Damit folgte Richterin Hartmann-Garschagen der Forderung der Staatsanwaltschaft, blieb aber im unteren Rahmen des möglichen Strafmaßes. Zu Gunsten des Angeklagten wurden vor allem sein frühes Geständnis und der Umstand gewertet, dass Wilhelm-Heinz K. das Messer zur Drohung, nicht aber zur Körperverletzung einsetzte. Die Verteidigung hatte zuvor auf den schweren Lebensweg des Angeklagten hingewiesen. Wilhelm-Heinz K. wurde als uneheliches Kind geboren und von der Mutter früh zur Adoption freigegeben. Er verließ die Schule ohne Abschluss, gab sich aber dann Mühe, seinen Lebensunterhalt durch Arbeit selbst zu bestreiten. "Aber ich will nicht in Humanitätsduselei verfallen", so der Verteidiger. Schließlich habe der Mann ein junges Mädchen brutal vergewaltigt.
Das Opfer, eine Irin, hatte Verwandte in Herdecke besuchen wollen. Als die wegen einer Verkettung unglücklicher Umstände nicht am Bahnhof in Wetter standen, als das Mädchen eintraf, stieg sie nach kurzem Zögern in den Wagen von Wilhelm-Heinz K. Der fuhr nach einem Umweg über Bommern und Volmarstein schließlich auf einen Feldweg in Hagen-Vorhalle und vergewaltigte sein Opfer. Danach nahm er ihr 50 Euro ab und ließ sie in Herdecke laufen. Den Verwandten vertraute sich das Mädchen völlig aufgelöst in ihrer Muttersprache an: "He raped me", "Er hat mich vergewaltigt."
Es war zwar offenbar das erste Mal, dass Wilhelm-Heinz K. ein Mädchen vergewaltigte. Doch den Versuch, eine Frau in sein Auto zu zerren, hatte er schon im Jahr 2007 begangen. Das Opfer hatte sich damals mit Pfefferspray zur Wehr setzen und fliehen können. Wilhelm-Heinz K. hatte die Tat eine Bewährungsstrafe eingebracht. Was ihn nicht davon abhielt, sich in der Irin das nächste Opfer zu suchen. Eine düstere Prognose stellte dem Täter das psychologische Gutachten von Dr. Horst Sanner aus: Er befand den Angeklagten für "voll schuldfähig" und stellte in Aussicht, er könne durchaus zum Wiederholungstäter, wenn nicht sogar zum Serienvergewaltiger werden.
Der 32-jährige Angeklagte hat nun mehr als sieben Jahre Haft vor sich, in der er sich nach Empfehlung des Gutachters auch einer Sexualtherapie unterziehen wird. Sein Verbrechen hat die Urängste vieler Eltern geweckt. "Wie oft sagen Erwachsene, steige nicht in fremde Autos ein", so die Opferanwältin. Die Angeklagte ist, soweit sie sich erinnert, freiwillig in den Wagen gestiegen, weil sie dem Täter die Geschichte vom Taxifahrer abgekauft hatte. Eine Unvorsichtigkeit, deren Folgen sie ein Leben lang nicht loslassen werden.
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