Experte für Lidstrich und Lippenrot in Herdecke

Visagist Bernhard Klinglmair schminkt Redakteurin Elisabeth Semme.
Visagist Bernhard Klinglmair schminkt Redakteurin Elisabeth Semme.
Foto: Jürgen Theobald
Was wir bereits wissen
Normalerweise schminkt Visagist Bernd Klinglmair Promis. Friseurmeister Sacha Linnepe holte ihn nach Herdecke, wo er Seminare für „ganz normale“ Frauen gab.

Herdecke..  Ein bisschen Lidschatten und Wimperntusche, fertig ist das Alltagsgesicht. Denn für weiteres Anhübschen bleibt morgens keine Zeit. Trotzdem wäre es toll, für ein wenig mehr Schein als Sein mal die richtigen Tipps von einem Profi zu bekommen. Ein Selbstversuch.

Bevor ich mich jedoch in die Hände von Make-up-Artist Bernd Klinglmair begab, durfte ich ihm über die Schulter und den drei Freundinnen Petra Bartz, Angelika Steffens und Barbara Wille bei ihrer Verwandlung zuschauen. Sie hatten den Make-up-Workshop im Friseursalon von Sacha Linnepe gebucht. „Ich schminke mich immer ein bisschen jeden Tag“, erzählt Angelika Steffens. „Das soll auch in Zukunft nicht mehr, aber besser werden“, verrät die 59-Jährige, was sie sich von dem Workshop erhofft. Sie habe zum Beispiel noch nie darüber nachgedacht, dass man sich als Brillenträger anders schminken müsse. „Doch“, erwidert Seminar-Leiter und Make-up-Artist Bernd Klinglmair, „da kann man viel falsch machen. Das Rouge etwa darf man nicht zu eng an die Brille bringen, sonst hat man zu viel Farbe in dem Bereich.“

Anfangs gibt Klinglmair ein transparentes Make-up für einen leichten Farbausgleich auf Angelika Steffens Gesicht. „Sie sollen aber ihre Sommersprossen ruhig noch sehen, sonst würde es wie eine Maske wirken“, erklärt der Fachmann. Die Grundierung ist erst perfekt, wenn sich keine Linie zwischen Hals und Gesicht abzeichnet. Anschließend wird mit Puder fixiert, bevor die Augenbrauen korrigiert werden. Auch dafür gibt Klinglmair eine Faustregel vor: „Die Farbe der Augenbrauen sollte immer die der Haare sein. Die Brauen müssen auch nicht hundertprozentig gleich sein. Sie sollen keine Zwillinge sein, sondern Schwestern.“

Die Augen betont Klinglmair zunächst am oberen Wimpernrand mit einem Eyelinerstift: „Der sollte so weich sein, dass man damit ohne Druck eine sanfte Linie zeichnen kann.“ Die gesetzten Punkte verwischt er mit einem Pinsel zu einer Linie, bevor er Wimperntusche aufträgt. Die sollte ruhig zwei Mal aufgetragen werden – was besonders für kurzsichtige Brillenträger gilt, deren Augen durch die Gläser kleiner wirken. Dann wendet sich der Experte in Sachen Schönheit Angelika Steffens Lippen zu, um ihnen mehr Farbe und Kontur zu geben. Und verrät auch dazu einen Trick: „Damit die Farbe besser hält, tupfen Sie einfach einen Lippenkonturstift auf und verwischen die Farbe. Der Stift hat mehr Farbpigmente als ein Lippenstift und nicht so viel Fett. Das hält, und Sie haben hinterher keine Farbe an den Zähnen.“

Die Freundin macht Fotos

Bernd Klinglmair tritt einen Schritt zurück und gewährt Angelika Steffens einen Blick in den Spiegel. Sie strahlt. „Soll ich schnell ein Foto von dir machen?“ fragt Freundin Barbara und zückt ihr Handy.

Ich weiß nun schon, was auf mich zukommt und begebe mich vertrauensvoll in die Hände des Experten. Der verdient übrigens normalerweise sein Geld bei Film- und Fernsehproduktionen, unterrichtet an zwei Make-up-Schulen in London und Berlin.

Ob er auch schon mal Stars geschminkt habe, will ich wissen. Klinglmair lächelt und zählt auf: „Peter Fonda, Herbert Grönemeyer und Xavier Naidoo, die Musiker von Rammstein, Alicia Keys, Christine Kaufmann.“ Und ob er es tatsächlich schafft, Leute jünger zu schminken? „Ja“, antwortet der Make-up-Artist und gibt ein bisschen Rouge auf meine Stirn an den Rand meines Haaransatzes, „mit einer intensiven Pflege, den richtigen Produkten und dem richtigen Licht schaffe ich 15 Jahre. Schminken ist eine optische Täuschung, ein Spiel mit Licht und Schatten.“

15 Jahre. . . Ich stutze und schaue mittlerweile perfekt geschminkten Augen in den Spiegel. Naja, jünger als noch vor einer halben Stunde sehe ich nicht aus, aber besser.