Erste Auffangklasse an Privatschule

Hagen..  Die Hildegardis-Schule hat gestern eine Auffangklasse für Flüchtlings- und Einwandererkinder eingerichtet. Das wäre an sich höchstens eine Randnotiz wert, schließlich gibt es an verschiedenen Hagener Schulen inzwischen 32 Auffangklassen, in denen Schüler unterrichtet werden, die nicht nur nicht Deutsch sprechen, sondern oftmals nicht lesen, schreiben oder rechnen können. Bislang werden sie jedoch ausschließlich an staatlichen Lehranstalten gebildet, mit dem katholischen Hildegardis-Gymnasium, das vom Erzbistum Paderborn getragen und finanziert wird, ist erstmals eine Privatschule in die Unterrichtsversorgung der nach Hagen gezogenen Kinder eingestiegen. „So können wir einen kleinen Beitrag zur Integration der Kinder und Jugendlichen leisten“, sagte Schulseelsorger Christian Haase.

Schüler und Eltern wurden bereits über die neuen Mitschüler informiert. Haase baut darauf, dass sie über Patenschaften mithelfen, die ausländischen Kinder an der Eingliederung in die Gesellschaft zu beteiligen.

Deutsch als Fremdsprache

Haase schweben gemeinsames Kochen, Spieleabende, ein Ausflug ins Freilichtmuseum oder einfach nur ein Spaziergang am Hengsteysee vor, damit die Flüchtlinge auch außerhalb des Unterrichts am Leben in der Stadt teilhaben. Er habe gehört, dass die zugezogenen Familien meist in ihren Wohnungen blieben: „Vielleicht trauen sie sich häufiger nach draußen, wenn wir ihnen zeigen, was sie in Hagen alles unternehmen können.“

Als Lehrerin der Klasse hat das Gymnasium Laura Schreiber angestellt, die vor neun Jahren selbst ihr Abitur an der Hildegardisschule baute und im ehemaligen Telekom-Gebäude auf dem Höing nun Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. „Wir machen zunächst viel Wortschatzarbeit, die Kinder sollen sich trauen, miteinander Deutsch zu sprechen“, so die Pädagogin. Derzeit büffeln acht Schüler aus Syrien, Polen, Portugal und Bosnien in der Auffangklasse, bis zu den Sommerferien sollen es zwölf und schließlich maximal 20 Kinder sein.

Aus aller Herren Länder

Nationalität und Religionszugehörigkeit spielen keine Rolle, aufgenommen werden Kinder aus aller Herren Länder, Christen ebenso wie Moslems. Die Schule bzw. das Erzbistum betreten mit dieser Regelung Neuland, denn bislang müssen Hilde-Schüler, insofern sie nicht katholisch sind, zumindest einer anderen christlichen Konfession angehören. „Das ist in der Auffangklasse nicht Voraussetzung“, so Dompropst Joachim Göbel, Leiter der Schulabteilung im Generalvikariat.

Den Auffangklassenschülern steht es außerdem frei, ihre Schullaufbahn, wenn die Deutschkenntnisse für den Sprung in den Regelunterricht ausreichen, am Hildegardis-Gymnasium fortzusetzen. Damit steht erstmals in der Geschichte der traditionsreichen Schule nichtchristlichen Schülern der Weg zum Abitur offen.