Erst Handy erpresst, dann Schüler bedroht

Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit.
Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Zwei junge Männer haben Schülern aus Wetter die Handys gestohlen und sie bedroht. Vor Gericht gaben sie sich als Unschuldslämmer.

Wetter..  Drei Schüler aus Wetter wollten auf der Skaterbahn ein bisschen Spaß haben, als zwei junge Männer auf sie zukamen und ihnen ihre Handys klauten – oder „abzogen“, wie es in der Jugendsprache heißt . Aber nicht genug damit, dass sie die Jungen beraubten: Sie bedrohten sie im Anschluss auch noch. Vor dem Hagener Jugendschöffengericht gaben sich die 21- und 16-jährigen Räuber ahnungslos und leugneten die Tat.

Der Skatepark im Schöntal in Alt-Wetter war ein beliebter Treffpunkt für die drei Schüler aus Wetter und Wengern. Auch am 14. Juli vergangenen Jahres trafen sich die Freunde dort, um Skateboard zu fahren und sich zu unterhalten. Als sie gerade Pause machten, kamen zwei junge Männer auf sie zu. „Die fragten, ob wir ‘was’ hätten. Uns war klar, dass die Drogen haben wollten. Einer durchsuchte sogar die Tasche meines Freundes“, erinnerte sich einer der drei Jungen. Dann hätten die beiden nach der Uhrzeit gefragt, erzählte der zweite Schüler, ein 15-Jähriger aus Wengern. „Als mein Freund fragte, warum er das tun sollte, sagten sie: ‘Weil da drüben 50 Leute warten, die euch verprügeln werden.’ Dann haben sie meinen Freund aufgefordert, ihnen das Handy zu geben.“ Die beiden Täter hätten sich dann auch von den anderen beiden die Handys genommen und seien weggelaufen, erzählten die Jungen einhellig.

Als die drei Schüler ihren ersten Schock einigermaßen verdaut hatten, gingen sie zur Polizei und zeigten den Raub an. Aber die Sache hatte für die Jugendlichen ein übles Nachspiel. Die beiden Täter wussten nun von der Anzeige und begannen, das Trio zu bedrohen. Die Handyräuber tauchten von nun an regelmäßig an den Schulen der drei auf und wollten sie zwingen, die Anzeige zurückzunehmen. „Wir hatten richtig Muffensausen, dass wieder was passiert. Wir haben unsere Väter angerufen. Die mussten uns abholen“, sagte einer im Zeugenstand.

Vor Gericht präsentierten sich der 21- und der 16-Jährige als Unschuldslämmer. „Ich habe gar nichts damit zu tun. Ich weiß nicht, wo ich überhaupt war an dem Tag“, versuchte sich der ältere Angeklagte, ein bereits mehrfach und einschlägig vorbestrafter Wetteraner, herauszureden. Sein Komplize meinte patzig: „Ich habe noch keine Anzeige gehabt. Wieso soll ich jetzt damit anfangen? Ich habe nichts mit der Sache zu tun.“

Glaubhafte Zeugen

Auch die Verteidiger der beiden jungen Männer hatten „erhebliche Zweifel“ an den Aussagen der drei Schüler. Die hätten sich doch untereinander abgesprochen. Sie plädierten auf Freispruch. Das Gericht sah das anders. Es glaubte den drei Schülern, die die Angeklagten auch im Gerichtssaal als die Täter identifizierten. „Es sind glaubhafte Zeugen. Da gab es keine abgesprochenen Aussagen, um die beiden Angeklagten zu belasten“, sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Der 16-Jährige bekam 80 Sozialstunden aufgebrummt, die er in einer Wetteraner Sozialeinrichtung abzuleisten hat. „Der junge Mann soll ein bisschen was Gutes für die Menschheit tun. Deshalb haben wir uns gegen einen Arrest entschieden“, so die Richterin.

Sein bereits umfangreich vorbestrafter Mittäter hatte seine Bewährung endgültig verspielt. Sein Urteil lautete zweieinhalb Jahre Jugendstrafe.