„Eine unpolitische Kirche gibt es nicht“

Foto: Christoph Hüls
Was wir bereits wissen
Am Mittwoch gibt es das erste politische Nachtgebet in der Christuskirche in Grundschöttel . Ein Gespräch mit Pfarrer Hansen

Wetter/Herdecke..  In Ende gab es am Sonntag einen bewegenden Gottesdienst zum Thema Flüchtlinge, Mittwochabend (4. Februar) soll um 19.30 Uhr im Gemeindehaus der Christuskirche die Tradition „politischer Nachtgebete“ wieder aufgenommen werden. Lothar Bücken, Saskia Koll und Thorsten Christian Hansen wollen künftig einmal im Monat dazu einladen. Pfarrer Hansen sagt im Interview etwas zum Warum.

Wie politisch darf Kirche sein?

Thorsten Christian Hansen: Eine unpolitische Kirche gibt es nicht! Wo die Kirche schweigt, duldet sie unhaltbare Zustände oder sogar offenes Unrecht. Sie stützt also den Status Quo. In sozialer Hinsicht lässt sie damit die „Armen, Witwen und Waisen“ allein. Das steht aber im Gegensatz zu ihrem biblischen Auftrag.

Im Bezug auf die weitere gesellschaftliche und politische Perspektive gilt dasselbe: Die Kirche muss um so lauter sprechen, umso mehr die Freiheit, der soziale Friede und die Menschenwürde bedroht sind. Das Versagen aller Kirchen im sogenannten „Dritten Reich“ in dieser Beziehung ist offenkundig.

Warum wird diese Tradition gerade jetzt wieder aufgenommen?

Schon als ich Mitte 2013 als Pfarrer in den Bezirk Grundschöttel–Oberwengern kam, hatte ich den Wunsch, auch diesen Aspekt in meiner Gemeindearbeit aufleben zu lassen. Mit den persönlichen Beziehungen zu Lothar Bücken, den ich aus dem Berufsbildungswerk kenne und zu unserer Gemeindepädagogin Saskia Koll habe ich zwei Menschen gefunden, denen dieser Aspekt kirchlichen Engagements genauso wichtig ist. Ich finde es schön, dass wir – ganz nebenbei - auch drei Altersgruppen repräsentieren. Und ich bin fest davon überzeugt, dass noch mehr Menschen jeden Alters Lust haben, zu uns zu stoßen!

Worum geht es konkret?

Natürlich sind all die Nachrichten rund um die Ukraine und Osteuropa, um den Islamischen Staat und den Islamismus, aber auch um unser Asylrecht, Pegida und unsere „offene Gesellschaft“ ein starker Motor gewesen, jetzt „ernst“ mit unserem Anliegen zu machen: Vielleicht sind wir nicht die Einzigen, die den Eindruck haben, dass unsere Erde seit geraumer Zeit an einem sehr tiefen Abgrund entlangschlittert.

Was soll das Beten bringen?

Als Pfarrer bin ich verführt, hier nun weit auszuholen. Ich möchte heute lieber Andere für mich antworten lassen. Dietrich Bonhoeffer schreibt in seinem „Bekenntnis“: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. (…) Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Faktum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Reicht Beten allein?

Dass auf die aufrichtigen Gebete dann aber auch verantwortliche Taten folgen müssen, sei noch einmal ausdrücklich betont: Um das Beten und das Tun geht es uns. Beides kann nie voneinander getrennt werden! Darum geht es uns auch morgen Abend mit unserem „politischen Nachtgebet“.