Eine ganze Wohnung voller Krimskrams

Wetter..  Der Beistelltisch aus dunklem Holz ist keine Antiquität. Trotzdem feilscht sein Käufer um jeden Cent. Für fünf Euro verlässt er schließlich das Wohnzimmer von Familie Krechting in der Bergstraße. Nicht nur das Wohnzimmer, auch Küche und Bad stehen zum Verkauf. Häppchenweise. Karin Krechting hat am gestrigen Sonntag die Wohnung ihrer Eltern in dieses Trödelparadies verwandelt.

Tochter Sarah verhandelt knallhart mit. Sie ist auch auf die Idee mit dem Wohnzimmer-Flohmarkt gekommen. Im Internet hat sie sich dann kurz schlau gemacht. „Ein-, zweimal im Jahr darf man wohl so einen privaten Trödelmarkt machen“, sagt sie. Geregelt ist das in der Gewerbeordnung.

Ein privater Trödelmarkt spricht sich schnell ‘rum. Schon eine halbe Stunde, bevor sich die Tür von innen öffnet, stehen die Schnäppchenjäger vor der Wohnungstür. Den ganzen Tag über wandern sie durch Flur, Küche und Wohnzimmer.

Es gibt viel zu sehen. Kuchenteller mit Zwiebelmuster stehen neben dem Seifenspender aus Kunststoff und der Wanduhr aus Echtholz. In vierzig Jahren sammelt sich eben viel an. So lange haben Karin Krechtings Eltern in dieser Wohnung gelebt. Dann ist ihr Vater gestorben, die Mutter wohnt jetzt in einer Seniorenresidenz. Auch wenn ihr der Abschied schwer gefallen ist, nachgetrauert hat sie ihrem alten Zeug nur kurz. „Meine Mutter meinte zu uns, bevor wir alles auf den Müll werfen, sollen wir es doch lieber verkaufen.“

Sarah Krechting fand beim Entrümpeln sogar noch alte Plüschtiere aus der Kinderzeit. „Aber ein Schatz hat sich leider nicht auf dem Dachboden versteckt. Sonst wären wir jetzt längst in der Karibik“, sagt sie und lacht. Für einen Luxusurlaub reichen die Trödel-Einnahmen wohl so oder so nicht. Es sind eher Münzen und keine großen Scheine, die hier den Besitzer wechseln. Ein Euro für eine Kuchenplatte aus Glas, zwei Euro für eine Ente aus Keramik.

Keksdosen für Schminksachen

Die Preise haben die Krechtings vorher nur grob abgesprochen. Ein paar junge Männer aus Marokko sind hier auf der Suche nach nützlichen Kleinigkeiten für den Haushalt. Sie kaufen zwei alte Plätzchendosen also Geschenke für ihre Frauen. Eine der Dosen soll demnächst Aufbewahrungsort für Lippenstifte und Make-up sein. Selbst die Haltegriffe in der Dusche werden für ein paar Euro abmontiert. „Heute Morgen hat sogar einer den Elektroherd in der Küche ausgebaut“, sagt Karin Krechting.

Aber sie ist dankbar um jede Kleinigkeit, die die Wohnung verlässt. „Alles was übrig bleibt, das kommt am 5. März auf den Sperrmüll.“