Eine Chance zur Entschuldigung

Ein komisches Gefühl hatte ich schon Tage vorher. Als das verabredete Telefonat mit einer Bekannten begann, wusste ich sofort: Das geht nach hinten los. Und das ging es auch. Es gab Streit. Harte Worte. Missverständnisse. Ich hasse so was. Nachts konnte ich nicht schlafen, tags mich schlecht ablenken. Gute 18 Stunden später wusste ich: Ich will mich versöhnen. Das will ich. Diese Sache durfte doch unsere Beziehung nicht auf Dauer einschränken und lähmen!


Versöhnung würde heißen, dass ich eigene Fehler in der ganzen Sache erkennen und aussprechen müsste. Außerdem heißt es für mich, einen Satz aus dem wohl bekanntesten Gebet der Welt wirklich von Herzen sagen zu wollen. Dieses Gebet ist das „Vater Unser“ und der Satz heißt: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Manchmal betet man ja diesen Satz – im Gottesdienst oder auf einer Beerdigung – und es hat rein gar nichts mit dem eigenen Leben zu tun. Jetzt hatte er sehr viel mit meinem Leben zu tun.


Was passierte durch dieses Gebet? Nicht dass wir alles, was war, vergessen hätten. Aber wir konnten uns Beide entschuldigen für die Art des Gesprächs, mit der wir einander verletzt hatten. Das ist schon sehr viel. Außerdem habe ich dadurch endlich gelernt, dass ich heikle Themen nicht mehr per Mail angehe, sondern mutiger zum Gespräch werde. Und letztlich habe ich mal wieder erkannt: Gott hilft mir im Leben, selbst bei solchen unangenehmen Dingen wie Streitigkeiten.