Eine Brücke zum Arbeitsmarkt

Ricardo Lehmann sucht einen Küchenjob außerhalb des Frauenheims.
Ricardo Lehmann sucht einen Küchenjob außerhalb des Frauenheims.
Foto: WR

Wetter.. Das Frauenheim in Wengern gibt weit über hundert Männern und Frauen Arbeit. Arbeit in einem geschützten Raum. Jetzt hat sich das Frauenheim zum Ziel gesetzt, den ein oder anderen Beschäftigten vom zweiten Arbeitsmarkt auf den regulären Arbeitsmarkt zu bringen. In den letzten Jahren ist das nicht einmal gelungen.

Werkstätten sind ein geschützter Bereich

Kontakte nach außerhalb gibt es viele, berichtet Thomas Schiebille, Leiter des Werkstattbereichs des Frauenheims. Nur feste Einstellungen wollen sich daraus nicht ergeben, bisher jedenfalls nicht. Im Rahmen der zweijährigen Berufsbildungsmaßnahmen machen die Beschäftigten des Frauenheims zwar Praktika in der Landwirtschaft, im Gartenbau, in der Montage oder in Wäschereien. Und manchmal wird aus einem Praktikumsplatz heraus auch ein Außenarbeitsplatz des Frauenheims – nur zu einem echten Wechsel des Arbeitgebers will es nicht kommen.

„Viele wollen gar nicht woanders arbeiten“, weiß Thomas Schiebille. Die Menschen, die im Frauenheim wohnen und arbeiten, haben meist geistige Behinderungen oder seelische Beeinträchtigungen. In den Ausbildungsgängen des Frauenheims „haben sie Zeit, sich zu entwickeln, ohne Druck, in einem geschützten Bereich“, sagt Schiebille. Der Großteil wohnt stationär, nur 36 Beschäftigte des Frauenheims haben sich zum Leben in den außerhalb liegenden Wohnbereichen getraut. Nur unter ihnen sind Arbeitskräfte zu finden, die auch im ersten Arbeitsmarkt bestehen wollen.

Wichtiger Rückzugsort

Ricardo Lehmann ist ein solcher Hoffnungsträger. Am liebsten würde er eine Ausbildung in der Küche machen. Aber auch eine Anstellung als Küchengehilfe wäre dem 22-Jährigen recht. Er kommt von einer Förderschule. Die Theorie sei nicht seine Sache, „praktisch ist er gut“, weiß Thomas Schiebille. Während Ricardo Lehmann Quark und Ananas aus großen Eimern zu einem Dessert für den Mittagstisch zusammenrührt, erinnert er sich gerne an sein Praktikum in der Küche eines Heims in Bochum. Spülen, Müll raus bringen, Gemüse putzen – nichts, was er nicht gerne gemacht hätte.

Praktikumsplatz und Außenarbeitsplatz könnten die Stufen auf dem Weg zu einem festen, wenn auch anfangs vom Arbeitsamt geförderten Arbeitsverhältnis außerhalb des Frauenheims sein. Wenn dann ein Außenarbeitsplatz verwaist, weil die Beschäftigte eine persönliche Krise durch macht, zeigt das nur, wie wichtig das Frauenheim als Rückzugsort ist.