Ein Riesen-Ofen geht von Wetter aus auf die Reise

Die Mitarbeiter von  KGO aus Volmarstein beim Verladen des nach Angaben des Herstellers größten horizontalen, evakuierbaren Nitrierofen.
Die Mitarbeiter von KGO aus Volmarstein beim Verladen des nach Angaben des Herstellers größten horizontalen, evakuierbaren Nitrierofen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Firma KGO findet sich mit ihren Produkten nicht oft in den Schlagzeilen. Doch nun kann der Maschinenbauer mit einem Superlativ glänzen. KGO baute einen Riesen-Ofen für einen Metallverarbeiter.

Volmarstein..  Es ist der größte evakuierbare, horizontale Nitrierofen, der je gebaut wurde, sagt Nedeljko Vucemilovic, Geschäftsführer der KGO GmbH in Volmarstein. Der was? Naja, es sieht schon aus wie ein Ofen. Und heiß wird es im Innern auch. Bis zu 820 Grad. Das ist für Brötchen zuviel. Doch die sollen in der mehrere Meter hohen und breiten Anlage auch gar nicht gebacken werden. Ein Nitrierofen dient der Oberflächenhärtung von Metallen. Ein kompliziertes Verfahren, das der Maschinenbauer schwerlich mit einfachen Worten erklären kann. Nur soviel: „In die Oberfläche des Metalls wird atomarer Stickstoff eindiffundiert.“

Was auch immer im Innern des Ofens passiert, es passiert nicht in Wetter. Denn die Anlage hat KGO für einen Kunden im oberbergischen Wiehl gebaut. Gemeinsam mit dem Edelstahlhersteller Kind&Co. hat der Maschinenbauer den Ofen entwickelt. Konstrukteure, Stahlbauer, Schweißer, Elektriker und Elektroniker sind in dem Volmarsteiner Betrieb beschäftigt – die meisten von ihnen sind an diesem Abend da, weil „ihr Baby“ von einer Spezialfirma aus der Halle gewuchtet wird, um dann auf einem Spezialtransporter die Reise Richtung Wiehl anzutreten.

Während der Autokran an der einen Seite und der Deckenkran an der anderen Seite des Riesen-Ofens ziehen, steht Nedeljko Vucemilovic ganz gelassen dabei. Die Stahlfüße ratschen über den Boden, nach oben ist kaum noch Platz. Millimeterarbeit an einem teuren Werkstück. Doch der Chef vertraut seiner Mannschaft. Und die Männer arbeiten zügig Hand in Hand. Demontieren die Unterkonstruktion des Ofens, damit er überhaupt auf den Lkw passt. „Sonst gibt es Probleme mit den Brücken“, sagt der KGO-Chef.

55 Prozent Exportanteil

Werkzeugbauer, Autozulieferer, Firmen aus der Luftfahrtindustrie – sie gehören zu den Kunden des Maschinenbauers. „55 Prozent Exportquote“, sagt Vucemilovic stolz. Seine Anlagen gehen in die USA, nach China und nach Mexiko. Und natürlich nach Europa. „In Deutschland haben wir einen Marktanteil von 25 Prozent“, schätzt der Firmeninhaber. 1998 hat er den Betrieb mit gerade einmal sechs Mitarbeitern übernommen. Inzwischen sind es gut 50, die am Altenhofer Weg arbeiten. Und Pläne für eine Erweiterung gibt es auch. Das geht hoffentlich am Standort. Denn Nedeljko Vucemilovic ist ein Mensch, der auf Beständigkeit setzt. Auch wenn die Bedingungen für seine Branche schwierig sind. Vor allem bei der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs. „Wir spüren den demografischen Wandel“, sagt Vucemilovic. Und man spüre, dass die Qualifikationen der jungen Leute nachlassen. Und dabei gehe es nicht nur um das, was in der Schule gelernt wird. Auch aus dem Elternhaus werde jungen Menschen heute oft zu wenig mitgegeben. Vier Azubis arbeiten derzeit in seinem Betrieb. Drei neue kommen nach dem Sommer dazu. Damit auch in Zukunft noch viele „Babys“ die Halle am Altenhofer Weg verlassen können.