Drei Herdecker kämpfen für Erhalt des alten Koepchenwerks

Peter Altmaier, Peter Arnold und Regina Schrader (von links) setzen sich aus persönlicher Betroffenheit für den Erhalt der Altanlage am Koepchenwerk in Herdecke ein.
Peter Altmaier, Peter Arnold und Regina Schrader (von links) setzen sich aus persönlicher Betroffenheit für den Erhalt der Altanlage am Koepchenwerk in Herdecke ein.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Gegen den Abriss der Altanlage: Regina Schrader (Großnichte des Erbauers) sowie Peter Altmaier und Peter Arnold kämpfen für das Koepchenwerk.

Herdecke..  Schockiert haben drei Herdecker vor einiger Zeit die Nachricht aufgenommen, dass RWE die Altanlage am Koepchenwerk abreißen will. Während sich Regina Schrader als Vertreterin der Familie für einen Erhalt einsetzt, betonen auch Peter Altmaier und Peter Arnold aufgrund persönlicher Verbundenheit die Bedeutung dieses Industriedenkmals nicht nur für Herdecke, sondern darüber hinaus.

Die Sicht der Familie

Seit der Veröffentlichung des Abriss-Antrages hat sich Regina Schrader fast täglich mit dem Pumpspeicherwerk beschäftigt. Ihr Großvater war ein Bruder des Erbauers Arthur Koepchen, dessen Großnichte hat nun auch mit weiteren Familienmitgliedern gesprochen und Betroffenheit festgestellt. So gibt sie etwa die Aussage von Ann-Monika Pleitgen weiter: „Ich bin die Enkelin von Arthur Koepchen und finde, dass man das Andenken an diesen Pionier der Energiewirtschaft unbedingt bewahren sollte. Außerdem handelt es sich um ein bedeutendes Industriedenkmal, dessen Zerstörung unbedingt verhindert werden muss.“

Regina Schrader wiederum hat zuletzt zweimal das RWE-Archiv in Essen besucht. Dort hat sie viel über ihren Großonkel entdeckt, der sich damals nach Reisen in die USA als Ingenieur einen Namen gemacht und sich auch gegen Widerstände beim Bau der Herdecker Anlage durchgesetzt habe. „Arthur Koepchen hat über die Wasserverwertung Modelle für eine europäische Stromversorgung entworfen“, meint dessen Nachfahrin. „RWE weist überall darauf hin, wie wichtig dieser beliebte und bodenständige Mann war, das passt nicht zu dem gestellten Abriss-Antrag.“

Schrader recherchierte auch bei der Stadt Herdecke und fand zum Eintrag in die Denkmalliste heraus, dass dieser vom 11. Juni 1986 nicht sehr präzise formuliert worden war. „Aus heutiger Sicht würde man es wesentlich konkreter fassen“, bestätigt Sprecher Dennis Osberg diesen Eindruck. Dabei gebe es keinen Dissens mit RWE, dass das Schieberhaus am Oberbecken mit dem Schriftzug RWE, die oberirdischen Druckrohrleitungen am Hang und das Krafthaus am Hengsteysee-Ufer unter Denkmalschutz stehen. Nur die Sichtweise, ob das demontiert werden kann, ist unterschiedlich.

Schrader wiederum habe etwa aus einem Gutachten den Eindruck gewonnen, dass der Konzern die drei Bestandteile vor dem beantragten Abriss bewusst verkommen ließ. Sie wiederum fragt sich auch, ob der Abriss zweier Stollentürme im Zusammenhang mit der Sanierung des Speicherbeckens vor einigen Jahren rechtens war oder ob dies gegen Denkmalvorgaben verstieß.

Wie auch immer: „Leider sind bei RWE knallharte Leute am Werk, die profitorientiert denken und scheinbar nicht an der Geschichte interessiert sind“, sagt die Herdeckerin, die im Kampf um den Erhalt der Altanlage auch die Professor Dr. Koepchen-Studienstiftung miteinbeziehen möchte.

Das meint ein Ex-Angestellter

Peter Altmaier, der nach seiner Geburt 21 Jahre lang im RWE-Betriebsleiterhaus am Kleff wohnte, arbeitete zudem früher mehrfach als Werksstudent im Koepchenwerk mit und war schon als Kind oft auf der Anlage, da sein Vater Robert bis zur Pensionierung dort als Elektroschlosser arbeitete sowie zwischenzeitlich Betriebsrat war. Peter Altmaier hat sich nun mit der Argumentation des Konzerns beschäftigt, wonach wegen der schwierigen Lage kein Museumsbetrieb möglich sei. Der Herdecker hat fünf Zuwege ausfindig gemacht, darunter drei oben vom Berg aus (Speicherbecken, Richtfunkturm, Waldfriedhof). Es gelte, durch den Erhalt auch die Arbeitsleistung der Mitarbeiter (früher mal in dreistelliger Anzahl) zu würdigen. „Es müsste einen Zusammenschluss mehrerer Geldgeber vom LWL über den RVR bis hin zur Europäischen Union geben, so könnten dann auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden.“

Das sagt der Heimatkundler

Auch Peter Arnold kennt über die Erzählungen seines Vaters und Bruders, die beide ihr Leben lang als Schlosser bzw. Maschinist im Werk am Hengsteysee arbeiteten, das Innenleben der Pumpspeicheranlage. „Arthur Koepchen war ein Industrie-Pionier“, sagt der Heimatkundler, der auch die Folgen eines Abrisses im Auge hat: „Dann müsste ja der Fuß- und Radweg am Ufer monatelang, wenn nicht gar über Jahre gesperrt werden. Und beim Abbau der Rohre könnten Umweltbelange eine Rolle spielen.“