Der Tod ist ein Teil des Lebens

Knochenfunde am Friedhof Wengern..  Die Lektüre dieses Artikels mit dem schaurig-schönen Foto darüber hat mich zu einem Leserbrief inspiriert.


Zunächst einmal: Der Tod gehört unleugbar zum Leben. Auf einem Friedhof werden tote Menschen bestattet, deren Grabstätte für 30 Jahre unangetastet bleibt. Von meiner Tätigkeit bei einem Bestattungsunternehmen vor langer Zeit weiß ich, von welch hervorragender Qualität Särge sind, vor allem hochpreisige. Mir war früher schon schleierhaft, wie ein solcher Sarg, ausgeschlagen mit Stoff – mitsamt dem darin liegenden Menschen in Sterbekleidung auf einem Sterbekissen unter einer Sterbedecke – innerhalb von 30 Jahren zu Erde werden sollte. Und nun wundert man sich, dass man nach 30 Jahren „Leichenteile“ findet, wenn Gräber ausgehoben werden.


Es sei angemerkt, dass es sich um die sterblichen Überreste von einst geliebten Angehörigen handelt – nicht mehr und nicht weniger. Der Schädel auf dem Foto ist nur ein „halber Schädel“, weil sich vermutlich der Unterkiefer im Laufe der Jahre durch den natürlichen Prozess bereits abgelöst hat. Er gehörte einem Menschen, der eine Geschichte hatte, der geliebt wurde und Angehörige hatte, die ihn beerdigt haben. Es sind keine Zombies, die den Gräbern entsteigen und Menschen erschrecken wollen.


Ich habe meine Eltern und Großeltern jeweils nach ihrem Tod gesehen. Sie sahen sehr friedlich aus. Der Tod hat für mich nichts Widerwärtiges an sich, daher danke ich meinen Eltern und Großeltern, dass sie mich erzogen haben und mir ein nicht zu grausiges Bild vom Tod vermittelt haben. Ich finde Hundehaufen am Wegesrand viel widerwärtiger – lichten Sie einen solchen doch mal überdimensional ab: Sie werden genug davon finden! Auch wenn ich den Tod als Teil des Lebens sehe, darf er mich dennoch gerne noch einige Jahrzehnte ignorieren.
Rebecca Hertzsch, Wetter