Der Standort Cuno-Kraftwerk in Herdecke wird aufgewertet

Noch qualmt es beizeiten am Cuno-Kraftwerk. Doch in Zukunft wird die moderne Anlage nicht mehr benötigt.
Noch qualmt es beizeiten am Cuno-Kraftwerk. Doch in Zukunft wird die moderne Anlage nicht mehr benötigt.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Die technische Lösung zur sicheren Energieversorgung in der Region läuft über die Umspannanlage am Herdecker Cuno-Kraftwerk. Viel bleibt aber ungeklärt.

Herdecke..  Das Cuno-Kraftwerk in Herdecke spielt als Standort für eine technische Lösung bei der regionalen Energieversorgung künftig eine wichtige Rolle, über den Fortbestand der Anlage selbst herrscht weiter Unklarheit. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Mitteilung von Bundesnetzagentur, Amprion, AVU, Westnetz und Enervie hervor.

Demnach herrscht bei der zusätzlichen Stromeinspeisung ins Netz Einigkeit: In der Umspannanlage auf dem Werksgelände am Ruhrufer sollen künftig die 110-Kilovolt-Systeme von der AVU Netz GmbH an weitere Leitungen angekoppelt werden. Zweiter Teil der Lösung: Am 380-Kilovolt-Anschlusspunkt in Dortmund-Kruckel erhöht der übergeordnete Netzbetreiber Amprion, der die Energieversorgung für Westdeutschland sicherstellen soll, die Anschlusskapazitäten.

Keine neuen Strommasten

„Dank dieser neuen netztechnischen Anbindung wird der Zwangseinsatz von Kraftwerken der Enervie-Gruppe zur Sicherstellung der Stromversorgung in der Region Südwestfalen ab Ende 2015 hinfällig.“ Heißt: Am Cuno-Kraftwerk laufen künftig die Leitungen von Enervie und AVU (aus Wetter kommend) zusammen. „Es gibt bereits eine gemeinsame Trasse oberhalb der Ruhr“, so Enervie-Sprecher Andreas Köster. Das Gebäude zwischen Parkplatz und Cuno-Forum auf dem Werksgelände werde nun technisch aufgerüstet, neue Strommasten werden nicht gebaut. Das erfordert bis Anfang 2016 Investitionen, die im Gesamtzusammenhang als „gering“ eingestuft, dennoch in Millionenhöhe ausfallen werden.

Irritationen, warum diese Lösung nun erst präsentiert werden konnte, kann der Enervie-Sprecher nicht gänzlich ausräumen. Köster verweist auf „umfangreiche technische Berechnungen und Simulationen der beteiligten Netzbetreiber“, dazu habe auch der politische Druck aus Berlin durch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel Wirkung gezeigt.

Weiter ungeklärt bleibt die Zukunft der modernen Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) auf dem Gelände zwischen Herdecke und Wetter. Angedacht war, dies als Reservekraftwerk zu betreiben. Davon habe man aber Abstand genommen, sagte Köster unserer Zeitung.

Statkraft zweifelt an Perspektiven

Dazu passt ein Bericht des Handelsblatts zu neuen Überlegungen bei Statkraft. Der norwegische Energiekonzern ist mit 50 Prozent am Cuno-Kraftwerk beteiligt, die andere Hälfte gehört dem Betreiber Mark-E, einer Enervie-Tochter. Wie berichtet, lässt sich auch das moderne Statkraft-Gaskraftwerk in Hürth bei Köln nicht gewinnbringend vermarkten. Nun erwägt der Konzern, dieses zu demontieren und anderswo in der Welt wieder aufzubauen. „Das ist eine Option, die wir prüfen“, wird eine Sprecherin zitiert. Ebenso käme in Betracht, die Anlage „einzumotten“ – oder aber noch eine Weile durchzuhalten. Inwieweit diese Gedanken auf das Cuno-Kraftwerk übertragen werden können, wollen Enervie und Statkraft in der nächsten Zeit verhandeln.

Laut Statkraft lohne sich der Betrieb moderner Gaskraftwerke kaum mehr, weil ihre Brennstoffkosten relativ hoch liegen und viele der Anlagen auch noch nicht abgeschrieben sind. Man sehe im Moment in Deutschland „keine Rolle für effiziente und klimafreundliche Gaskraftwerke“, heißt es.