Der greise Fritz ziert nun eine Wand im Archiv

Dietrich Thier (links) hat das Harkort-Portrait  von Georg Much entgegen genommen. Nur der Rahmen muss noch ein wenig aufgearbeitet werden.
Dietrich Thier (links) hat das Harkort-Portrait von Georg Much entgegen genommen. Nur der Rahmen muss noch ein wenig aufgearbeitet werden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Wetteraner Georg Much fand vor langer Zeit ein Portrait des Industriepioniers Friedrich Harkort auf dem Müll - und schenkte es nun dem Stadtarchiv.

Wetter..  In einem Müllcontainer hat Georg Much das gerahmte Portrait des großen Industriepioniers Friedrich Harkort einst gefunden. „Das ist aber schon sehr, sehr lange her“, sagt der Wetteraner. Was man zumindest dem dunklen Holzrahmen auch ansieht. Dennoch habe er es einfach nicht übers Herz gebracht, das Bild wegzuwerfen. Und das ist gut so; denn nun ziert es eine Wand im Kreisarchiv an der Theodor-Heuss-Straße.

Uli Schmidt, ein guter Bekannter, habe ihm versprochen, nach einer neuen Verwendung für das Bild Ausschau zu halten. Das tat der Ex-Landtagspräsident, indem er die Lokalredaktion ins Boot holte, die wiederum den Kontakt zu Stadtarchivar Dr. Dietrich Thier herstellte. Denn schließlich sollte erst einmal ein Fachmann ein Auge auf den alten Friedrich werfen. Thier fuhr bereitwillig mit zur Bredtstraße, um das Bild in Augenschein zu nehmen. Er betrachtete das Portrait, nickte wissend und sagte: „Das ist ein Druck, der früher in allen Schulen hing. Unserer im Archiv ist wesentlich schlechter.“ Diesen Hinweis griff Georg Much sofort auf und reichte Dietrich Thier das Bild mit den Worten: „Ich möchte es dorthin abgeben, wo es hingehört.“

Das Original war kleiner

Dort hängt es nun, gut sichtbar für jeden Besucher des Stadt- und Kreisarchivs, das Freundschaftsbild Friedrich Harkorts, das mit dem Motto „Das Leben gilt nichts ohne die Treue“ versehen ist. 1925 wurde es von einem Künstler namens H. Waltenberg nachgezeichnet. „Das Original von 1875 war kleiner; es stammt von einem unbekannten Künstler. Nach 1925 wurde das Portrait in jedem Klassenzimmer aufgehängt. Ich kenne es noch aus der Friedrich-Harkort-Schule, da hing es 1968 noch an der Wand. Das ist ungefähr auch die Zeit, als das Harkorthaus in Wetter zur Jugendherberge umgebaut wurde. Zur Erinnerung an Friedrich Harkort“, so Dietrich Thier. Er weiß auch, dass der Spruch am unteren Rand der Zeichnung „Das Leben gilt nichts ohne die Treue“ aus dem Gedicht „Wetter Meine Stube“ von Friedrich Harkort stammt.

Nach einer Quelle aus dem Stadtarchiv Wetter reflektiert Harkort in diesem Gedicht über sein Leben, spricht Höhepunkte, aber auch Kehrseiten an. Er beschreibt darin auch seinen Wohnsitz in der wetterschen Freiheit.

Nach der Beschreibung seines Zimmers ist diese Stube in seinem zweiten Wohnhaus gelegen, dem späteren Harkorthaus in der Burgstraße 17. Es gehörte seiner Tochter Auguste Funke. Mit dem Motto „Das Leben gilt nichts ohne die Treue“ habe Friedrich Harkort auf seine Gefühlslage nach dem Tod seiner Frau 1835 verwiesen. Mit dem Treueschwur habe Friedrich Harkort den Schicksalsschlag verdrängt und verarbeitet.