Der Fels muss hinters Sicherungsnetz

Bei den Arbeiten am Radweg von Ruhr zu Ruhr im Bereich der Höltkenstraße wird der Fels gesichert.
Bei den Arbeiten am Radweg von Ruhr zu Ruhr im Bereich der Höltkenstraße wird der Fels gesichert.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Für den Radweg von Ruhr zur Ruhr werden in Wetter derzeit umfangreiche Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Allerdings nur so viel, wie unbedingt nötig. Denn auch die Natur soll zu ihrem Recht kommen.

Wetter..  Bis hier die ersten Räder rollen, werden noch Monate ins Land gehen. Was dann aber nicht mehr rollt, sind Steine. Die werden am Radweg von Ruhr zur Ruhr zurzeit hinter Netzen gesichert. Dort, wo der Fels steil hinaufragt und sich das Gestein als kritisch erwiesen hat, setzt Straßen-NRW auf Sicherheit. Neben Netzen, die über das Gestein gelegt werden, damit lose Steine nicht herabkullern, wird im Bereich der Höltkenstraße auch eine 85 Meter lange Fangschürze installiert, die größere Brocken auffangen kann.

Tiefe Löcher im Fels

Bevor sich das Drahtgeflecht wie ein Haarnetz schützend über den Fels legen kann, muss ein einsamer Arbeiter von einer Bühne aus Löcher ins Gestein bohren. „Zwei bis drei Meter tief“, erklärt Leonard Gashi vom Büro Ahlenberg-Ingenieure. Der Bauingenieur ist für die Bauüberwachung zuständig und in ständigem Kontakt mit Polier Matthias Tausch, dessen Männer Tag für Tag in den Fels klettern. „Doppelt gesichert natürlich“, betont der Mitarbeiter der Firma Feldhaus Bergbau. Ingenieurin Girona Olcay, die für Straßen-NRW das Radweg-Projekt verantwortet, sieht derweil noch ein paar Stellen, an denen das Netz lose über dem Stein hängt. „Da können noch ein paar Nägel hinein“, sagt sie. Schließlich soll das Drahtgeflecht eng anliegen, damit sich nicht in ausgebeulten Taschen Gestein und Gestrüpp sammeln können.

Und nicht nur die Ingenieure wachen über die Bauarbeiten am Radweg auf der alten Bahntrasse. Auch Thomas Kordges ist immer wieder auf der Baustelle unterwegs. Der Diplom-Ökologe begleitet die Baumaßnahme kontinuierlich, um die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten. Schließlich wird hier ein fast 40 Jahre altes Biotop – die letzte Bahn fuhr nach Auskunft von Girona Olcay Anfang der 1980er Jahre – wieder für den Menschen nutzbar gemacht. „Früher hätte man geplant, gebaut und sich hinterher überlegt, wie man einen ökologischen Ausgleich schafft“, sagt Kordges. Heute sind die Ökologen schon in die Planungen einbezogen und ringen mit den Ingenieuren oft um die Umsetzung der Baumaßnahme. „Vor allen an den tiefen Einschnitten wollten wir nicht alles mit Netzen verbauen lassen“, sagt Kordges. Sicherheit gehe vor, aber man müsse auch die Belange der Natur bedenken.

Wie sehr die Frage der Sicherheit die Mitarbeiter von Straßen-NRW umtreibt, zeigt eine aktuelle Baumaßnahme in Meschede. Dort war ein Radfahrer von einem Baum erschlagen worden. Der Radweg ist nun gesperrt, Bäume werden auf Standsicherheit überprüft, der Hang auf seine Rutschfestigkeit. „Das machen wir hier in Wetter vorab“, begründet Olcay die aufwändigen Arbeiten.

Jede Menge Plastik

Aufwändig ist aber nicht nur die Sicherung des Hangs, schon bei den Vorarbeiten hatten die Mitarbeiter der Bergbau-Firma ihre liebe Not: 40 Tonnen Müll haben sie allein auf diesem kurzen Abschnitt rechts und links der Höltkenstraßen-Brücke aufgesammelt. Die Gartenabfälle, die über den Zaun entsorgt wurden, gehören da noch zu den harmlosen Hinterlassenschaften. „Wir haben auch jede Menge Plastik und Schrott herausgeholt“, so Olcay. Eine teure Angelegenheit, denn der Müll ließ sich kaum noch vom Erdreich trennen. „Als gemischter Abfall kostet das in der Entsorgung viel Geld.“ Da ist es gut, wenn auch mal etwas liegen bleiben kann. Wie die großen Baumwurzeln, die auf bestimmten Teilstücken als Rückzugsort für Kleintiere dienen sollen. „Das spart auch noch die ökologische Ausgleichsmaßnahme“, sagt Thomas Kordges.