Der Abschied von den Kindern fällt schwer

Abschied von Erzieherin Angelika König (65) in der Ev. Kita „Die kleinen Strolche“ in Esborn.
Abschied von Erzieherin Angelika König (65) in der Ev. Kita „Die kleinen Strolche“ in Esborn.
Foto: WP
Sie hat erst spät ihren Beruf und damit eine Berufung gefunden. Angelika König hat ihre Arbeit im Kindergarten Esborn geliebt. Dennoch freut sie sich auf den Ruhestand. Jetzt wurde Abschied gefeiert.

Esborn..  „Weine nicht, weil es vorüber ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ Mit diesen und vielen weiteren bewegenden Worten verabschiedete Silvia Loers, Leiterin des evangelischen Kindergartens Esborn, ihre langjährige Kollegin und Stellvertreterin Angelika König jetzt in den Ruhestand. „Du warst immer eine gute Ansprechpartnerin und Ratgeberin für die Eltern, durch deine Erfahrung und deine eigenen Kinder. Und bei einigen Kindern mussten wir uns Tricks überlegen, um sie von dir loszubekommen, sonst wärst Du zwischendurch nicht mal zur Toilette gekommen“, würdigte Silvia Loers die 65-Jährige.

Mit Herzblut bei den Kindern

Mit Tränen der Rührung in den Augen lauschte Angelika König den lieben Worten und bedankte sich bei ihren Kolleginnen, die eine ganze Woche lang Überraschungen für ihren Abschied vorbereitet hatten. Die gebürtige Wengeranerin absolvierte mit 14 Jahren eine Ausbildung zur Damenschneiderin und bekam anschließend früh ihre drei Kinder. „1979 habe ich dann wieder angefangen zu arbeiten, zunächst als Raumpflegerin im Kindergarten Unterm Regenbogen in Wengern“, erinnert sich die Erzieherin. Als die Putzstellen reduziert wurden, fragte das Kindergartenkollegium, ob sie nicht als Helferin in der Gruppe arbeiten wolle.

Angelika König wollte, denn in das Zusammensein und in die Arbeit mit Kindern habe sie stets ihr Herzblut gegeben. Im Alter von 40 Jahren entschied sich die Wengeranerin, noch einmal die Schulbank zu drücken: Sie absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete im Kindergarten Unterm Regenbogen bis zum Jahr 2007. „Dann wurde ein Gruppe dort geschlossen, und ich bin gemeinsam mit den Mitarbeitern der Gruppe hierher nach Esborn umgezogen“, erzählt die 65-Jährige.

Acht Jahre lang hat sie dort die „Kleinen Strolche“ betreut, mit ihnen gespielt, gesungen und gelernt, sie versorgt und erzogen, gepflegt, gefüttert und sie vor allem auch bemuttert. „Es ist schwer in Worte zu fassen“, antwortet Angelika König auf die Frage, was die Kleinen ihr in ihrem Berufsleben bedeutet haben, „auf jeden Fall waren die Kinder für mich immer an erster Stelle.“ Besonders bei den Ein- bis Dreijährigen habe sie stets darauf geachtet, dass sie viel Zuwendung und auch ihre Ruhepausen bekommen: „Bei denen habe ich mich immer als Mutterersatz gesehen.“

Die veränderten Anforderungen an ihren Beruf sieht die Erzieherin zumindest in Bezug auf die Dokumentationspflicht eher kritisch: „Der ganze Schriftkram braucht Zeit, die den Kindern verloren geht. Dafür sollte man besser eine Sekretärin haben; denn es ist auch keine Lösung, alles bis zum Nachmittag liegen zu lassen, weil viele Kinder inzwischen bis vier Uhr bei uns bleiben.“

Die Nordsee wartet

Ein Vierteljahrhundert hat Angelika König mit Kindern gearbeitet. Dass das nun vorbei ist, macht sie „auf jeden Fall traurig“. Trotzdem freut sie sich auch auf die Zukunft mit viel Freizeit, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann verbringen wird: „Wir machen jetzt erst mal Urlaub an der Nordsee, wo wir einen Wohnwagen stehen haben. Und außerdem wollen wir auch noch ganz viel sehen.“

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