Den Segen gibt es auch bei Regen und Sturm

Ida, Hannah, Stina und Till sind seit vier Jahren Sternsinger in der Gemeinde St. Philippus und Jakobus.
Ida, Hannah, Stina und Till sind seit vier Jahren Sternsinger in der Gemeinde St. Philippus und Jakobus.
Foto: Valentin Dornis
Was wir bereits wissen
Das schlechte Wetter ist keine Ausrede: Die Sternsinger der Gemeinde St. Philippus und Jakobus sind auch am Sturm-Wochenende unterwegs. Denn die Kinder haben ein Ziel: Sie sammeln für andere Kinder, denen es nicht so gut geht wie ihnen. Falls es doch zu nass werden sollte, haben sie eben Notfall-Regencapes dabei.

Herdecke..  Es ist ganz schön laut im Gemeindehaus von St. Philippus und Jakobus. Kinder laufen herum, unterhalten sich, üben ihre Lieder. Einige nutzen die Zeit, um noch ein bisschen was zu essen – denn vor den Jungen und Mädchen liegt ein langer Tag: Den ganzen Sonntag über sind sie als Sternsinger unterwegs, um den Segen in die Herdecker Häuser zu tragen.

Mit dabei sind auch Hannah, Stina, Ida und Till. Sie sind mittlerweile „alte Hasen“: Seit vier Jahren sind sie als Gruppe gemeinsam unterwegs. Entsprechend gut sind die Elfjährigen vorbereitet, schließlich kennen sie mittlerweile alle Sternsinger-Tricks: Die Liedtexte sind zur Sicherheit hinten auf den Stern geklebt, in den Taschen haben sie Notfall-Regencapes. Die brauchen sie auch, denn dieser Sonntag ist nass und kalt.

Draußen vor der Tür erzählen sich zwei Väter Heldengeschichten, wie sie sich als junge Sternsinger damals durch meterhohen Schnee kämpfen mussten. Was die Kinder drinnen berichten, klingt etwas unspektakulärer: „Für mich gehört es einfach dazu, als Sternsinger unterwegs zu sein. Wir machen das seit vier Jahren, sonst würde irgendwie was fehlen“, sagt Hannah. Und Stina ergänzt: „Schlechtes Wetter ist keine Ausrede, da muss man sich halt gut anziehen.“

Sammeln für arme Kinder

In dicken Jacken, mit Winterschuhen an den Füßen und dicken Schals um den Hals stehen die Sternsinger noch immer im Gemeindehaus. „Wann geht es endlich los?“, fragt Till. Er muss sich noch ein bisschen gedulden. Die Sternsinger-Verantwortliche Hiltrud Nevoigt muss noch klären, ob alle Gruppen ausgestattet sind. Kreide, Aufkleber, Liedtexte: So sieht das Standard-Paket aus. Und natürlich gehört auch die Spendenbox dazu.

Denn die Sternsinger geben nicht nur den Segen weiter, sondern sammeln Geld für andere Kinder, denen es nicht so gut geht wie ihnen. „Es ist schön, damit auch noch etwas Sinnvolles zu machen“, sagt Hannah. Als ihre Gruppe die Liste mit Adressen bekommt, stellt sie schnell fest: „Unsere Stammkunden sind alle dabei.“ Mittlerweile kennen sie die Route, sie ist fast jedes Jahr gleich. Und die Leute kennen sie auch schon, erzählt Hannah. „Man weiß so ungefähr, wo es Besonderheiten gibt.“

Durch die Stadt laufen und bei fremden Menschen klingeln: Was dem ein oder anderen komisch vorkommen mag, ist für die Sternsinger normal. Weil sich die meisten Menschen, die sie besuchen, vorher in die Listen der Gemeinde eingetragen haben, sind sie überall willkommen. Wenn sie den Schriftzug „20*C+M+B+15“ über den Hauseingängen anbringen, geben sie symbolisch den Segen aus der Kirche weiter – für viele Gläubige ein wichtiges Ritual zum Jahresbeginn. „Manchmal sind die Leute so gerührt, dass sie sogar ein bisschen weinen“, sagt Stina.

Als schließlich alle Sternsinger-Gruppen mit Material versorgt sind, geht es ganz schnell. Plötzlich ist der Raum im Gemeindehaus fast leer, die Kinder und ihre erwachsenen Begleiter machen sich auf den Weg zu ihren ersten Adressen. Stina, Ida, Hannah und Till werden mit dem Auto zum Herrentisch gefahren. Sie laufen an diesem Sonntag schließlich noch genug: 25 Häuser stehen auf ihrer Liste, bis zum späten Nachmittag werden sie unterwegs sein.

Dabei sammeln sie nicht nur Geld, sondern auch jede Menge Süßigkeiten: Schon an der ersten Tür gibt es Schokolade, woanders auch Kuchen und Kakao. Die gesammelten Knabbereien werden hinterher unter allen Sternsingern der Gemeinde aufgeteilt. Für die Kinder sind sie auch so etwas wie eine Belohnung für ihren Einsatz.

„So haben am Ende wirklich alle was davon“, stellt Till fest.