Deckeneinsturz kommt vor Gericht

Wehringhausen..  Seine sonore Stimme ist bereits zu hören, dann erst öffnet sich die Tür. Ein eleganter Herr in schwarzem Smoking, mit Einstecktuch aus Seide, tritt ein. Er verbeugt sich vornehm: Horst Edel (77), ehemaliger Opernsänger und Schauspieler, bringt Noblesse in den Saal. Es ist der Gerichtssaal – in dem er gleich angeklagt ist.

Der umstrittene Immobilienbesitzer muss sich wegen „vorsätzlicher Baugefährdung“ vor dem Amtsgericht verantworten. Es geht um sein Mehrfamilien-Haus an der Eugen-Richter-Straße 98 in Wehringhausen. Dort stürzte am 25. Juli 2013 eine Innendecke ein. Dass dabei keiner der 28 Hausbewohner zu Schaden kam, war reines Glück.

Darsteller in beliebter TV-Serie

„Karl Horst Paul“, gibt Angeklagter Edel gleich drei Vornamen zu Protokoll. In Düsseldorf geboren, jetzt wohnhaft nahe Saarbrücken, aber auf französischer Grenzseite. Der Bühnen-Ruheständler ist nun aktiver Geschäftsführer einer Firma in Baden-Baden. Seinen Immobilienbesitz, Wohnhäuser in Hagen, Dortmund sowie ein Hotel in Ürzig an der Mosel, hatte er zu der Zeit erworben, als er noch rege im Scheinwerferlicht stand.

In den 1970er-Jahren waren das Erotik-Komödien fürs Kino wie „Heb’ hoch das Hemd, wenn’s Höschen klemmt“, später die beliebte ARD-Fernsehserie „Moselbrück“. „Wenn ich Geld verdient hatte, wurde es in Hauskäufe investiert. Ich dachte, ich hätte dadurch fürs Alter ausgesorgt“, erklärte Edel einst unserer Zeitung.

Anklageschrift 98 Ds 81/14 wird verlesen: Im Jahr 2006 war nach einem Brand im Haus Eugen-Richter-Straße 98 eine größere Menge Löschwasser in die Stützbalken gelaufen. Deshalb sei Hauseigentümer Horst Edel amtlich aufgegeben worden, den Zustand der Zwischendecke überprüfen zu lassen.

„Dieser beauftragte seinen Hausmeister, den Fußboden in der ersten Etage aufzustemmen und nach Schimmel und Baumängeln zu suchen.“ Der „Mann für alles“ habe am 24. Juli 2013 einen maroden Holzbalken gelöst, dabei habe sich die Decke im darunter liegenden Geschoss stellenweise abgesenkt, was die Bewohner bemerkten und ihm mitteilten. Tags darauf stürzte die bearbeitete Decke herunter.

Weil er trotz der drohenden Gefahr einfach weiter gearbeitet hatte, ist der Hausmeister (43) bereits rechtskräftig verurteilt worden: Er muss 1050 Euro Geldstrafe zahlen.

„Die Anklageschrift wirft auch dem Hauseigentümer vor, dass er hätte bemerken können und müssen, das durch diese Vorgehensweise Menschen verletzt werden konnten“, erklärt Oliver Hoffmann, Direktor des Hagener Amtsgerichts. Das Vergehen „vorsätzliche Baugefährdung“ käme nur sehr selten vor Gericht. Hoffmann: „In meinem 18-jährigen Berufsleben habe ich das noch nie gehabt.“

Angeblich 150 000 Euro Schaden

„Ich bin völlig unschuldig“, glaubt Angeklagter Horst Edel. Sein Haus („solider Jugendstil“), sollte damals durch das Bauordnungsamt überprüft werden. Die Behörde wollte kontrollieren, ob die Holzbalken durchgefault waren. Deshalb hätte er seinen Hausmeister angewiesen, das Dämmmaterial unter den Fliesen zu entfernen und die Balken freizulegen. Edel: „Möglicherweise hat der etwas zu viel weggemacht.“

Edel beteuert: „Ich habe dem Mitarbeiter ausdrücklich befohlen, zur Absicherung eine Spanplatte aufzulegen. Doch der war zu faul, hat das nicht gemacht. Ich habe dafür jetzt 150 000 Euro Schaden.“

Der Prozess wird abgebrochen, er soll voraussichtlich erst im April von vorne beginnen. Die Richterin will noch weitere Zeugen laden.

Horst Edel macht sich erst mal auf den Weg zurück: Fast 500 Kilometer sind es bis nach Hause.