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Umgestaltung

Debatte über die Fußgängerzone in Herdecke voll entbrannt

14.03.2016 | 17:24 Uhr
Debatte über die Fußgängerzone in Herdecke voll entbrannt
Überlegt wird, die beiden Figuren der Künstlerin Christel Lechner vom unteren an der oberen Eingang der Fußgängerzone in Herdecke zu versetzen.Foto: Martin Büdenbender

Herdecke.   Die Parteien äußerten sich vor dem Ausschuss am Dienstag zu den Umgestaltungs-Plänen der Fußgängerzone in Herdecke. Es gab Lob und Kritik.

Keine Ruhe in der Innenstadt: Kaum ist der Kampsträter Platz eingeweiht, gehen die Blicke in die Herdecker Fußgängerzone. Im vergangenen Jahr präsentierten das Essener Planungsbüro dtp und die Stadtverwaltung die Umgestaltungspläne. Für 160 000 Euro sollen im dritten Quartal 2016 Bauarbeiten beginnen, insgesamt stehen über mehrere Jahre 217 000 Euro bereit. Nachdem die Hochbeete bereits entfernt und Bäume umgesetzt wurden, sollen im Oktober neue Gehölze mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimetern eingepflanzt werden.

Wie die Parteien sich zu den Plänen positionieren, steht in der Sitzung am Dienstag, 15. März (17 Uhr, Ratssaal), des Ausschusses für Bauen, Planen und Verkehr auf der Tagesordnung. Die Fraktionen nahmen im Vorfeld Stellung zu den vorgestellten Plänen, was wiederum auch das Büro dtp und die Stadtverwaltung bezüglich der Umsetzbarkeit kommentierten. Hier ein thematischer Überblick:

Obere Fußgängerzone

Die SPD hält an ihrem Vorschlag, am Eingang zur Sally-Grünewald-Straße ein seniorengerechtes Parkangebot zu schaffen, fest. Planungsbüro, Verwaltung, CDU und FDP sind (u.a. aus Kostengründen) gegen Kurzzeitparkplätze bis zum Viehmarktbrunnen, diese Passage solle autofrei bleiben. Die Christdemokraten schlagen vor, die ersten Parkbuchten vor der Fußgängerzone in der Sally-Grünewald-Straße und die alte Bushaltestelle an der Brinkstraße für Kurzparker auszuschildern.

Zudem ist die CDU-Fraktion dagegen, die Lechner-Figuren vom unteren an den oberen Eingang umzusetzen. Das Planungsbüro und die Verwaltung befürworten dies, da durch die Umgestaltung des Kamp­sträter Platzes und der angrenzenden Hauptstraße sich eine „neue Eingangssituation ergeben“ hat. Die Marktfrau und der fotografierende Mann der Wittener Künstlerin Christel Lechner bräuchte man daher nicht mehr „als Signal für den Durchgangsverkehr“. Die Christdemokraten hingegen wollen am bisherigen Standort festhalten, da das Duo die Aufmerksamkeit gerade auch von Ortsunkundigen in die Fußgängerzone hinein lenke.

Übergang Bahnhofstraße

Die SPD sieht den Abschnitt zwischen Haus Pfingsten und Viehmarktbrunnen als das fußläufige Eingangstor im Norden. Hier gebe es „hohe Funktions- und Gestaltungsdefizite“, beispielsweise den gemeinsamen Fuß- und Fahrweg. Eine neue Gestaltung dieses Bereichs würde erhebliche Mehrkosten nach sich ziehen und gehöre auch nicht zum Planungsraum, entgegnet das Büro dtp. Auch die Verwaltung sieht angesichts der „starken und vielseitigen Frequentierung keinen Handlungsspielraum. Eine Umgestaltung würde sehr teuer, und der Nutzen ist fraglich.“

Stelenbrunnen Stiftskirche

Rund um die Skulptur sieht die SPD eine Engstelle, die sowohl für Fußgänger – der unebene Boden ist eine Sturzquelle – als auch für den Lieferverkehr problematisch sei. Eine Verlegung hin zu den Treppen wäre zwar kostspielig, könnte die Situation aber verbessern und würde an dieser Stelle mehr Platz als Spielort bedeuten. Anstelle der aufgestellten und schiefen Poller könnten Bruchsteine als Abgrenzung dienen, dies sollte dann aber auch an anderen Flächen der Fußgängerzone auftauchen. Das Planungsbüro lehnt ein Versetzen des Brunnens aus finanziellen Grünen ab. Die Verwaltung will prüfen, ob die Pflasterrinne zwecks erhöhter Trittsicherheit umgestaltet und wie das Vorbeifahren sicherer gemacht werden kann. Sie lehnt den SPD-Vorschlag, hier Radständer zu konzentrieren, ab. Dadurch würde die Nutzung für die Gastronomie und bei Veranstaltungen zu stark eingeschränkt.

Möblierung

Die SPD beklagt, dass ein „schlüssiges Designkonzept“ in der Altstadt bzw. dem Wohnzimmer Herdeckes fehle. Verschiedene Abfallbehälter belegen dies demnach. Dazu gebe es schief aufgestellte und unbequeme Sitzbänke. Diese sollten künftig in seniorengerechter Sitzhöhe sowie allesamt mit Rücken- und Armlehnen ausgestattet sein. Die Verwaltung entgegnet, dass 60 Prozent der vorhandenen Bänke eine Lehne haben. Alle damit auszustatten, sei „praktisch, gestalterisch und aus Kostengründen“ nicht machbar.

Bäume

Die Grünen fordern, dass sich die Anzahl der Bäume nicht verringert und die großen Mehlbeeren am Eingang der unteren Fußgängerzone erhalten bleiben. Auch nach 30 Jahren müsse es dort für die Feuerwehrzufahrt andere Lösungen geben. Die CDU versteht hingegen die Bedenken der Wehr. Das Planungsbüro und die Verwaltung sagten zu, darüber noch einmal zu beraten. Laut Vorentwurf soll es nach zuvor 20 bald 23 Bäume geben.

Auf der Facebook-Seite „Du bist Herdecker wenn“ beklagen viele, dass die obere und mittlere Fußgängerzone ohne Bäume so kahl daherkomme und es derzeit dort „schlimm“ aussehe. Etwas ketzerisch heißt es, dass dann ja auch Autos wieder durchfahren könnten. Vermutet wird, dass die neuen Bäume im Herbst kommen, da diese Sorte erst dann eingepflanzt werden kann. Erfreut ist kaum jemand, dass es nun einen ganzen Sommer ohne Bäume und Bänke gebe.

Ein Nutzer meint hingegen: „Den einen Sommer ohne Grün in der Fußgängerzone schaffen wir auch.“ Zudem heißt es, dass man dem Neuen nicht so skeptisch gegenüber stehen soll, zumal die Fußgängerzone seit Jahren „leer“ daherkomme.

Weitere Verbesserungen

Die SPD regt an, bei der Umgestaltung auch die Situation an Markttagen in den Blick zu nehmen. Sie will, dass durch veränderte Standaufstellungen speziell die „zweite Reihe“ mehr in den Vordergrund rückt. Die Pläne sollten hinsichtlich Freiflächen für Außengastronomie und Erreichbarkeit mit Handel und Gastronomie abgestimmt werden, was die Verwaltung prüfen will.

Die SPD plädiert für barrierefreie Eingänge vor Häusern. Einige Eigentümer oder Mieter, so die Verwaltung, hätten daran gearbeitet, das Thema bleibe im Blickfeld.

Lob gab es für das vorgestellte Beleuchtungskonzept. Beratungsbedarf melden die Parteien bezüglich der Spielgeräte (etwa am Stelenbrunnen) in der Fußgängerzone an, die SPD könne einen kompletten Verzicht nicht akzeptieren.

Steffen Gerber

Kommentare
16.03.2016
01:02
Debatte über die Fußgängerzone in Herdecke voll entbrannt
von HerrDecker | #1

Oh bitte nicht die Lechner- Figuren entfernen. Sie vermitteln immer den Eindruck, es wäre tatsächlich jemand in der Fußgängerzone.

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2016-03-14 17:24
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