Das Potenzial der eigenen Belegschaft nutzen

Damian Runtschka kannte nach acht Jahren im Betrieb schon die Praxis - nun aber lernt er auch den theoretischen Hintergrund wie die Oberflächenzeichnungen
Damian Runtschka kannte nach acht Jahren im Betrieb schon die Praxis - nun aber lernt er auch den theoretischen Hintergrund wie die Oberflächenzeichnungen
Foto: Hanna Voß
Was wir bereits wissen
Der Herdecker Damian Runtschka lässt sich bei der Dreherei Voeste zu einer Fachkraft weiterbilden. Das nützt ihm - und seinem Arbeitgeber.

Wetter..  Die Sonne steht hoch über dem Gelände der Dreherei Voeste in der Wasserstraße. Damian Runtschka rinnt der Schweiß von der Stirn, er schwitzt unter einem schwarzen T-Shirt und einer dunklen Latzhose, seiner Arbeitskleidung. „Wie läuft es so, Herr Runtschka?“, fragt Sabine Jendro von der Arbeitsagentur im Ennepe-Ruhr-Kreis. Runtschka lächelt verlegen, wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht und sagt: „Ganz gut. Mit den mathematischen Aufgaben klappt es auch immer besser.“ Stolz schwingt in seiner Stimme mit.

Der 40-jährige Runtschka macht bei dem Programm WeGebAU der Arbeitsagentur mit, der Weiterbildung von Geringqualifizierten und älteren Mitarbeitern in Unternehmen. Ziel ist es, diese Mitarbeiter, die aufgrund einer fehlenden Ausbildung nur als Hilfskräfte eingesetzt sind, zu Fachkräften weiterzubilden. Für die Unternehmen gibt es zwei Möglichkeiten: Neue Mitarbeiter speziell für diese Weiterqualifikation einstellen oder bereits langjährige Kollegen zu dem Programm anmelden.

Damian Runtschka boten sich zu Beginn des Jahres zwei Alternativen: in Kurzarbeit gehen oder entlassen werden. „Herr Runtschka und ich kennen uns schon lange, und wir wollten uns nicht von ihm trennen“, sagt Rainer Voeste, Geschäftsführer der Dreherei. Aber er war eben kein Facharbeiter. Drei Jahre lang absolvierte der Herdecker als junger Mann eine Ausbildung in der Automobilbranche, dann brach er ab, weil im Leben eben oft zu vieles zur falschen Zeit zusammen kommt.

Doch Rainer Voeste wollte die acht Jahre Berufserfahrung seines Drehers nicht missen und auch nicht, dass dieser bei jeder Gelegenheit zuverlässig eingesprungen war. Mit viel gutem Zureden hat sich Runtschka schließlich dafür entschieden, noch einmal mit einer richtigen Ausbildung zu beginnen. „Ich hatte Respekt vor den Aufgaben, zum Beispiel dem Satz des Pythagoras und so. Aber ich bereue es nicht und würde es jedem weiterempfehlen“, sagt er rund vier Monate nach Beginn seiner Ausbildung.

Wenn er dann fertig ist, kann er die hochkomplexen CNC-Maschinen bedienen, wird auf dem Arbeitsmarkt begehrter sein und mehr Gehalt verlangen können.

„Viele trauen sich so einen Schritt nicht zu und lassen es deshalb bleiben“, sagt Yvonne Besler, Teamleiterin vom Arbeitgeberservice. WeGebAU funktioniert tatsächlich nur mit einem gewissen Selbstvertrauen, einem engagierten Mitarbeiter, der bereit ist, noch einmal etwas zu lernen, und einem nicht minder engagierten Arbeitgeber. Die findet man natürlich besonders oft in kleineren Familienunternehmen wie der Dreherei Voeste. „Das ist ein ständiges Geben und Nehmen“, sagt Marcus Weichert, Geschäftsführer der Arbeitsagentur in Hagen. „Vor allem geht es darum, das Potenzial der eigenen Belegschaft zu erkennen. Dieses Bewusstsein ist noch nicht bei jedem Arbeitgeber da“.

Die Agentur für Arbeit verfüge also noch über Kapazitäten bei ihrem WeGebAU-Programm und hofft, dass sich Firmen bei ihr melden. Besonders kleine Unternehmen bräuchten die, die breit aufgestellt sind. Eben solche wie Damian Runtschka.