"Das erste Jahr war sehr schwer"
07.05.2008 | 14:40 Uhr 2008-05-07T14:40:00+0200Wetter. Agadir, Paris, Sevilla ... und jetzt Volmarstein. Stationen eines Lebens, das die 32-jährige Marokkanerin Malika El Hamdi, in das "ruhige, gemütliche" Dorf an der Ruhr geführt hat. "Wir sind begeistert von der Natur und fühlen uns wohl."
Von Heike Adelberger 23 Jahre war Malika alt, als sie Marokko verließ. "Einfach so, ohne Grund", lacht sie. In Paris gab es Arbeit. Warum also nicht auswandern? Viele Familienmitglieder hätten bereits in Frankreich gelebt. Malika, die in Agadir nach dem Abitur in einem Hotel gearbeitet hatte, verdiente sich ihren Unterhalt in Paris als Tagesmutter.
Ihren Mann hatte sie bereits in Marokko kennen gelernt. Er lebte in Sevilla. Eines Tages beschlossen die beiden zu heiraten - in Paris. Um dann gemeinsam nach Sevilla zu ziehen, wo die älteste Tochter Imane geboren wurde. "Sevilla ist laut, voller Menschen. Und es gibt dort Gewalt und Aggression", erzählt Malika. Viele Freunde hätte sie in Spanien gefunden. Ein leichtes, da sie neben Französisch und Arabisch perfekt Spanisch spricht.
Ja, die Sprache. Das sei ihr Handicap in Deutschland. Während die fünf Jahre alte Imane innerhalb von zwei Monaten Deutsch gelernt hätte, tue sie sich schwer. Sehr froh ist Malika deshalb über den Sprachkurs, der von der Sparkasse Wetter angeboten wird. "Ich möchte Imane doch bei den Hausaufgaben helfen können." Auch eine neue Freundin habe sie im Kurs gewonnen, mit der sie indes Spanisch redet.
Sevilla verlassen hat die marokkanische Familie nicht zuletzt aufgrund eines Cousins, den es nach Wengern verschlagen hatte. "Wir haben ihn besucht und fanden es hier sehr schön. Hier gibt es keine Gewalt, keine Kriminalität, keine Aggressionen. Das ist gut für die Kinder."
Kosmetikerin als Berufswunsch
"Das erste Jahr war sehr schwer", erinnert sich Malika an einsame Stunden. "Ich konnte kein Wort Deutsch, hatte keine Freunde." Auch die spanische Sonne vermisste die junge Frau sehr. Im zweiten Jahr an der Ruhr fühlte sie sich schon wohler. Durch Tochter Imane, die in den Kindergarten geht, lernte sie andere Mütter kennen. Und dann kam die zweite Tochter Kenza, jetzt 17 Monate alt. "Die Ärztin sprach Spanisch. Das war toll!"
Während Malika mit ihrem Mann Arabisch spricht, redet sie mit den Kindern Spanisch. Heimweh nach Marokko? "Nein, meine Eltern sind tot. Dennoch telefoniere ich oft mit Brüdern, Tanten und Onkeln." Das Wichtigste seien Familie, Gesundheit, Geld. Und: "Für mich ist es egal, wo ich lebe. Jetzt sind wir hier. Was später ist, weiß ich nicht." Bis heute hat die Muslimin ihren marokkanischen Pass. Integriert ist Malika vor allem dank Tochter Imane.
Die turnt im Verein, macht Ballett, geht in den Kindergarten. Und isst gerne Spaghetti. "Ich koche international, mal Couscous, mal Calamares, mal Zucchini mit Knoblauch und Butter." Ihr Wunsch: "Ich wäre gerne Kosmetikerin und träume von einer Ausbildung, sobald Kenza in den Kindergarten geht."
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