Bürgerbusfahrer trainieren kritische Situationen

Bürgerbusfahrer schulen
Bürgerbusfahrer schulen
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die ehrenamtlichen Fahrer lernen während einer Schulung in Selm eine sichere und wirtschaftliche Fahrweise. Sie sollen aber auch Gesprächspartner für ihre Gäste sein.

Herdecke..  Das größte Kapital, das ein Bürgerbusverein – und damit auch der in Herdecke – hat, sind seine ehrenamtlichen Fahrer. Es hört sich einfach an: Fahren kann doch fast jeder. Aber einen 3,5-Tonner in Herdeckes Außenbezirken unfallfrei über Dahlienweg und Bergweg zu fahren oder in der Parkanlage Nacken des GVS inmitten einer Großbaustelle zu wenden, ist schon eine anderµe Nummer. Und dabei muss auch noch der Fahrplan eingehalten werden, wobei zwei Minuten zu früh (wenn die Fahrgäste noch nicht an der Haltestelle sind) schlimmer sind als fünf Minuten zu spät.

Unternehmer im Kleinformat

Dabei ist der introvertierte Fahrer nicht gefragt, denn es gilt auch beim Ein- und Aussteigen zu helfen, Rollatoren in der richtigen Reihenfolge zu verstauen und Gesprächspartner für Fahrgäste zu sein, die nicht ständig Menschen um sich haben. Nebenbei soll man auch eine Kasse führen und entscheiden, wann man bei den stets schwankenden Preisen am sinnvollsten tankt, damit der Verein Geld spart. Der Bürgerbusfahrer ist sozusagen ein Unternehmer im Kleinformat.

Ach ja: Ein wenig Technik ist auch noch gefragt – beim Birnenwechsel etwa, beim Nachfüllen von Betriebsmitteln oder der Frage, warum irgendetwas am Bus nun gerade wieder nicht funktioniert. Und das alles als Ehrenamt.

Damit sämtliche Aufgaben mit höchster Sicherheit für die Fahrgäste erledigt werden und die Fahrer spüren, wie wichtig sie für den Verein sind, hat sich der Vereinsvorstand zur jährlichen Weihnachtsfeier etwas Besonderes ausgedacht: Alle Fahrer haben einen Gutschein für ein eintägiges Sicherheitstraining des Herstellers (die Marke mit dem Stern) bekommen. Kürzlich war es dann soweit: In zwei Gruppen – es können ja nie alle gleichzeitig weg sein, wenn der Bus eingesetzt bleiben soll – fuhren die Ehrenamtlichen zum Forschungs- und Technologiezentrum in Selm, wo gemeinsam mit anderen Teilnehmern ein spezielles Fahrertraining für Sprinter-Fahrzeuge absolviert werden konnte.

Es galt zu erproben, wie sich das Fahrzeug in kritischen Situationen verhält, was dann zu tun ist, und wie heftig man für eine Vollbremsung auf das Bremspedal treten muss und was dann passiert. Wichtig war auch zu erfahren, wie die verschiedenen Assistenzsysteme des Fahrzeugs funktionieren und helfen.

Sogar eine Lektion in wirtschaftlicher Fahrweise wurde nach entsprechender Einweisung absolviert.Nach einem langen, erlebnisreichen Tag mit vielen neuen Erkenntnissen ging es dann wieder nach Hause und zurück in den Bürgerbus. Der fährt inzwischen jährlich rund 60 000 Kilometer auf Herdeckes Straßen und befördert dabei etwa 10 000 Fahrgäste. Insgesamt zählt der Bürgerbus über 26 000 Fahrgäste; mehr Menschen, als Herdecke Einwohner hat.

Jeden Tag unterwegs

Der Bürgerbus ist jeden Tag unterwegs, auch am Wochenende. Und wenn eines der vielen Stadtfeste ist, dann fährt er in drei Schichten auch abends fast bis Mitternacht.

Das machen die ehrenamtlichen Fahrer alles gern und freuen sich dabei über die vielen dankbaren Rückmeldungen der Fahrgäste. Positiv aufgenommen haben sie auch die neu gewonnene Fahrsicherheit aus dem Training und damit verbunden die Anerkennung des Vereins.