Brüder im musikalischen Geiste

Herdecke..  Die Reihe „Best of NRW“ lockte wieder viele in den Werner-Richard-Saal. Beim Auftritt des Fratres Trios präsentierten sich nun Hayrapet Arakelyan am Saxophon, Fédor Roudine an der Violine und Rudolfs Vanks am Klavier als hochtalentierte Brüder eines (musikalischen) Geistes. Der weiche warme Klang des Blasinstruments setzte aparte Akzente in der Trio-Literatur.

Die Suite „Le voyageur sans bagage“ op. 157b von Milhaud zeichnete ohne das Hintergrundwissen des Theaterstücks „Der Reisende ohne Gepäck“ von Anouilh, bei dem es quasi um die Rückkehr eines unter Amnesie leidenden Soldaten in seine Vergangenheit geht, einen Draufgänger, der über Stock und Stein springt oder stolpert. Träumerisch zarte Strukturen in einem Frage- und Antwortspiel mit Geige und Saxophon, ein Gesang des Bläsers mit kurzen Einwürfen des Streichers, schwärmerische Parallelbänder und energische Kraftballung bis zur ruhigen Schlusspassage ließen der Fantasie der Gäste freien Lauf.

Auch in Rachmaninoffs „Trio élégiaque“ (Nr. 1 g-Moll) faszinierte die perfekte Tonverschmelzung in Unisono-Passagen, das kongruente rhythmische Zusammenspiel auch in komplizierten Überlagerungen, die Virtuosität des Pianisten bei tobenden Akkorden, rauschendem Laufwerk und filigranem Hintergrundgewebe zur Unterstützung der melodieführenden Instrumente. Hier kam das große Bariton-Saxophon zum Einsatz, samtweich in der Tiefe gründelnd, schmelzig zart bis brutal hart – je nach Vorschrift – in höheren Lagen. Marc Eychenne bevorzugte in „Cantilène et Danse von 1961“ das Alt-Saxophon. Geigenvibrato und schwingende Tongebung des Blasinstruments ergänzten sich prächtig. Das Klavier steigerte ein schlichtes Klopfmotiv zur rhythmisch-motorischen Raserei.

Auszug aus dem Nussknacker

In einem Auszug aus Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“ op. ließ das Trio imaginäre Puppen in zierlichen eleganten Melodie-Bewegungen tanzen. Jean-Luc Defontaine hatte seine „Couleurs d’un Rêve“ („Farben eines Traums“) mit einer Palette von pastellzarten Tönen über kräftige Tupfer bis zu energischen Pinselstrichen ausgestattet: schwebender Wechselgesang zwischen Geige und Saxophon zu Streicheleinheiten auf dem Klavier, großer Fortissimo-Aufruhr und sanftes Abgleiten zum gehauchten Schluss.

Das Trio für Altsaxophon, Klavier und Violine von Russell Peterson ging der Pianist rhythmisch-motorisch zu durchdringend hohen Geigentönen und einer virtuosen Bläserpartie an. In sein Presto-Laufwerk stimmten die Partner ein: rasendes Auf und Ab in vollkommener Übereinstimmung. Das begeisterte Publikum wurde mit zwei Gershwin-Zugaben im flotten Jazzstil belohnt.

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