Boomer schaut beim Referat immer freundlich

Lehrerin Sabrina Kurbjuhn hat Schulhund Boomer mit ins Jugendzentrum gebracht. Hier absolvieren die Kinder ein Sozialtraining. Und der Hund ist mittendrin.
Lehrerin Sabrina Kurbjuhn hat Schulhund Boomer mit ins Jugendzentrum gebracht. Hier absolvieren die Kinder ein Sozialtraining. Und der Hund ist mittendrin.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Lehrerin Sabrina Kurbjuhn von der Sekundarschule Wetter und ihre Dogge absolvieren gemeinsam eine Schulhund-Ausbildung.

Wetter..  An seinen Namensvetter aus dem Fernsehen erinnert Boomer nun wirklich nicht. Denn der zweijährige Cane-Corso-Rüde ist kein zotteliger Streuner, sondern ein imposanter Kerl, der stattliche 56 Kilogramm auf die Waage bringt. Und anders als der TV-Hund, der in der Serie herrenlos durch die Gegend zieht, wird die italienische Dogge auf eine ernstzunehmende Aufgabe vorbereitet: Boomer soll Schulhund an der Sekundarschule werden. Deswegen verbringen Vierbeiner und Schüler schon jetzt regelmäßig Zeit miteinander. So auch beim Sozialtraining im Jugendzentrum an der Kaiserstraße.

Sozialtraining mit Hund

Während Sabrina Kurbjuhn, Lehrerin für Mathe und Physik und Frauchen von Boomer, sich Zeit für ein kurzes Gespräch nimmt, streift Boomer durch den Saal. Lässt sich von den Mädels streicheln oder schaut neugierig nach, was die Jungs im Flur so treiben. Nur einmal zuckt er zusammen, als die Tür so heftig zuschlägt, dass die Scheiben wackeln. „Bitte achtet darauf, dass die Tür nicht schlägt“, bittet Sabrina Kurbjuhn die Schüler. Und erzählt: „Eigentlich hatten mein Mann und ich ihn nicht mit dem Hintergedanken gekauft, aus ihm einen Schulhund zu machen.“ Trotzdem habe sie ihn von Anfang an ins Schulgebäude und zu Konferenzen mitgenommen, so dass das Kollegium ihn und er wiederum den Schulbetrieb kennenlernen konnte.

Vor einem Jahr nahm sie Boomer erstmals mit zum Sozialtraining. „Dieses Training für die fünften, sechsten und siebten Klassen findet einmal im Jahr an zwei bis drei Tagen statt. Dann stehen Kooperationsspiele zur Teamstärkung, gemeinsame Gespräche, gemeinsames Einkaufen und Kochen auf dem Programm.“ Damals kannte Boomer bereits viele Schüler von Alltagsbegegnungen, „aber an diesen Tagen hat er sie richtig kennengelernt. Er durfte ausgiebig schnüffeln und einfach dabei sein.“ Noch enger sei der Kontakt geworden, als Mann und Hund eine Klassenfahrt begleiteten: „Da hat sich gezeigt, dass Boomer die Kinder liebt und sich riesig freut, wenn er sie sieht.“ Sabrina Kurbjuhn wertete das als Chance und meldete sich und ihren Vierbeiner zur Ausbildung bei einer Iserlohner Hundeschule.

Mit Boomer ist es leiser

Die Schülerinnen und Schüler bilden einen Stuhlkreis, damit auch sie erzählen können, was ihnen so alles zu Boomer einfällt.

„Manchmal ist es lustig, wenn er einen ansabbert“, lacht Björn. Ein bisschen schwierig sei der Umgang mit Boomer am Anfang gewesen, „weil wir da noch keine Regeln hatten“, meint Steve. „Und weil Boomer so groß ist“, wirft Dimitri ein, „da hat man Respekt. Aber er ist ja sehr lieb.“

Inzwischen gebe es in der Klasse schon eine Hundeecke mit Decke und Wassernapf, erzählen die Kinder. Denn nach den Ferien wird Boomer regelmäßig beim Unterricht dabei sein. Wochenweise übernehmen dann jeweils zwei Schüler den Hundedienst. „Wenn Boomer dabei ist, sind wir ein bisschen leiser; denn er kann viel besser hören als wir“, weiß Justin. Und Marcel ist überzeugt: „Mit Hund kann man besser lernen.“

Sabrina Kurbjuhn hört aufmerksam zu und nickt: „Der Hund bringt Ruhe in die Klasse. Er geht auf jeden freundlich zu, auch auf die stilleren Kinder. Für die Schwachen kann er eine Hilfe sein, wenn sie ihm beispielsweise ihr Referat vortragen, denn er guckt niemals kritisch.“ Zwei Mal habe Boomer sie inzwischen auch schon zum Unterricht begleitet. „Allein seine pure Anwesenheit bringt Harmonie in die Klasse. Manchmal gähnt er einfach und alle schmunzeln.“