Bewährung nach Internet-Bestellung unter falschem Namen

Seit vielen Jahren gerät ein 56-Jähriger aus Wetter immer wieder in Konflikte mit dem Rechtsstaat.
Seit vielen Jahren gerät ein 56-Jähriger aus Wetter immer wieder in Konflikte mit dem Rechtsstaat.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Vier Monate Haft auf Bewährung und letzte Warnung von Richter Beckmann: Ein 56-jähriger Wetteraner hatte im Internet unter falschem Namen Ware bestellt.

Wetter..  Ungebetener „Besuch“ in seinem Aquarium brachte einen 56-jährigen Wetteraner erneut auf Abwege. Unter falschem Namen bestellte er das Gegenmittel und bezahlte es nicht. Gestern musste sich der Mann mit bewegter Vergangenheit vor dem hiesigen Amtsgericht verantworten.

Nahezu drei Jahrzehnte kennen sich der Wetteraner und Richter Heinz-Dieter Beckmann schon – und das mit gutem Grund. Seit 1985 hält der 56-Jährige die Justiz auf Trab, wurde regelmäßig wegen Betrugs verurteilt. Die Ahnung, dass er auch in Zukunft immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten könnte und um ihm in dem Fall einen möglichst souveränen Auftritt vor Gericht zu sichern, brachte ihn irgendwann sogar auf die Idee, juristische Fachliteratur zu ordern, die er natürlich auch nicht bezahlte.

Im aktuellen Fall hatte seine Tat einen nicht minder skurrilen Hintergrund: In seinem Aquarium entdeckte er im Spätsommer 2013 Schneckenbefall. Im Bestreben, das Wohlergehen seiner Fische zu gewährleisten, bestellte er deshalb online bei einem Fachhändler das entsprechende Gegenmittel für 110 Euro. Und da ihm völlig klar war, dass er die gewünschte Lieferung unter seinem richtigen Namen nach Ableisten der Eidesstattlichen Versicherung nie erhalten würde, legte er bei seinen Daten „etwas“ Hand an. Schon in dem Moment hätte er ahnen können, dass er erneut auffliegen würde. Davon ganz abgesehen, zeigten sich die Schnecken von seinen Maßnahmen gänzlich unbeeindruckt und blieben einfach, wo sie waren. Da brachte ihm die Beschwerde bei dem geprellten Händler auch nichts.

Angemessen schuldbewusst saß der Wetteraner gestern auf der Anklagebank. Das Wiedersehen mit Richter Beckmann war ihm sichtlich peinlich. Wie schon so oft in der Vergangenheit versuchte er wenigstens nicht, die Dinge zu beschönigen. „Ich muss zugeben, dass ich da Mist gebaut habe“, räumte er gleich ein. Nun bemühe er sich jedoch, den Schaden gutzumachen. 150 Euro der Summe, die sich dank Mahn- und Inkassokosten mittlerweile auf knapp 250 Euro belaufe, habe er bereits gezahlt. Der Rest folge. Überhaupt: „Mir tut es leid – immer noch.“

Das Gericht verurteilte ihn zu vier Monaten Haft auf Bewährung und verpflichtete ihn, den Schaden bis auf den letzten Cent gutzumachen. Der Wetteraner, so Richter Heinz-Dieter Beckmann in der Urteilsbegründung, sei an sich kein schlechter Kerl, sondern jemand, der beim Sitzen vor dem Computer zu Sachen verführt werde, die er beispielsweise in einem Geschäft sonst nicht machen würde. Es sei immer „ein Klick zu viel“. Beckmanns Warnung fiel deutlich aus: „Damit muss jetzt Schluss sein.“