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Behindertensport

Beim Sport kriegt man Biss

15.02.2012 | 20:00 Uhr
Beim Sport kriegt man Biss
Sport und Spaß in der Turnhalle des Berufsbildungswerkes.

Wetter. Schritt, Schritt, Stopp. Schritt, Schritt, Stopp. „Ihr dürft Euch nichts gefallen lassen“, sagt der Trainer und streckt die geöffnete Hand nach vorne. Ein klares Zeichen der Abwehr im menschlichen Miteinander. Ein Dutzend Jugendliche lernen gerade die ersten Schritte in der Selbstverteidigung.

Eine Handvoll Jungs und zwei Mädchen stehen in einer Reihe und machen Lockerungsübungen mit den Beinen. Dann zeigt ihnen Yavuz Otay wieder, wie man Menschen auf Abstand hält. Mit Gebärden geht das, notfalls aber auch mit einer Ausweichbewegung. Die üben jetzt auch die fünf Jungs, die auf der anderen Seite des Raum in ihren Rollstühlen sitzen. Ellenbogen hoch, auf Abwehr gehen.

Die Botschaft ist klar. „Ich bin kein Opfer. Ich kann mich wehren“, so steht es auch auf dem kleinen Plakat. Im Freizeitbereich des Berufsbildungswerkes wirbt es für den Selbstverteidigungskurs. Trainer Yavuz Otay ist nicht zum ersten Mal in Volmarstein. Sehr zur Freude seines Sohnes. Ugur Otay ist 19 und im zweiten Jahr in der Oberstufe der Handelsschule am BBW. Wenn Papa einen Kurs gibt, kommt er öfter aus Köln.

Yavuz Otay bringt seine 150 Kilo ziemlich kompakt auf die Waage. Leichtfüßig tänzelt er über den Boden und macht vor, wie man Biss bekommt. „Kämpfen! Sich nicht aufgeben!“ Das gilt für alle. Und für Menschen mit Behinderungen erst recht. „Der Glaube an sich selbst kann Berge versetzen“, hat Otay schon oft erlebt.

„Fußballgeht immer“

Als Vater eines Jugendlichen weiß er aber auch, dass sein Training in Konkurrenz steht zu Play-Station und PC. Volker Dresel, Freizeitpädagoge im Haus, ist zufrieden mit der Teilnehmerzahl. „Für viele Bewohner ist das schon ein mutiger Schritt, raus zu kommen aus den Zimmern“.

Sport am Berufsbildungswerk gibt es im Freizeitbereich, im Rahmen der Schule, seit 1974 aber auch in der Behindertensportgemeinschaft (BSG) Wetter-Volmarstein. Die Übergänge sind fließend, die Hallen an den Werktagen nachmittags meist belegt, weiß Michael Geitner. Er ist Erzieher im Internat und Vorsitzender der BSG. Die Zeiten haben sich seit der Vereinsgründung geändert. „Wettkämpfe sind immer weniger gefragt“, sagt Geitner, aber es gibt sie noch.

Kugelstoßen, Speerwurf oder Diskus - das sind Sportarten für einen trainierten Oberkörper, selbst wenn sich die Beine nicht mehr aus eigener Kraft bewegen lassen. Im Wasser treten dann Sportler gegeneinander an, die ihre Arme nicht mehr bewegen und trotzdem flott schwimmen können. In jeder Sportart wird in verschiedenen Schadensklassen gekämpft. Das heißt tatsächlich so. Die Einteilung nach Schadensklassen sorgt für einigermaßen gleiche Chancen am Start.

In der großen Halle im BBW wird gerade Völkerball gespielt. Nur ein Mitspieler sitzt im Rollstuhl. Zum Abschluss des sportlichen Nachmittags wird noch mal ein bisschen aufgedreht. Ein Ball fliegt durch die Halle. „Fußball geht immer“, weiß Benjamin Laes, Erzieher im Oscar-Funcke-Kinderheim. Plötzlich sind alle Sportrollstühle besetzt. Eine wilder Jagd beginnt. Dann kehrt Ruhe ein. Bis zum Schulsport am nächsten Morgen.

Klaus Görzel

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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-wetter-und-herdecke/beim-sport-kriegt-man-biss-id6354771.html
2012-02-15 20:00
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