Bei Heidi Krawczyk dreht sich alles um Ton

Was wir bereits wissen
Wie aus Klumpen Krüge werden, das kann man in der Werkstatt der Töpferin Heidi Krawczyk an der Gustav-Vorsteher-Straße 5 in Wetter bestaunen.

Wetter..  Wo früher einmal Augen untersucht wurden, entstehen heute Tassen und Teller, Vasen und Schalen, Pokale und Krüge aus Ton. Vor drei Jahren ist Heidi Krawczyk von Witten nach Wetter in die Gustav-Vorsteher-Straße 5 gezogen und hat in der ehemaligen Augenarztpraxis Lienert ihre Werkstatt eingerichtet. Aber nur selten findet jemand den Weg in die Töpferei mitten in Alt-Wetter. „Schade“, findet Heidi Krawczyk; denn eigentlich steht ihre Tür – wenn es nicht gerade friert – immer offen. Besucher sind stets willkommen, der ausgebildeten Töpferin bei ihrem traditionellen Handwerk zuzuschauen oder einfach nur den Blick durch das Atelier schweifen zu lassen.

Frühstücksteller oder Schalen

Viel zu entdecken gibt es dort, denn bei Heidi Krawczyk ist noch alles echte Handarbeit. Egal ob sie nun gerade eine Serie Frühstücksteller dreht oder einfach ihrer Fantasie für eine Schale freien Lauf lässt: Vom Tonklumpen bis zum Glasurbrand – jedes Teil wird handgefertigt. Heidi Krawczyk arbeitet mit zwei verschiedenen Tonsorten, von denen eine mehr Schamottanteile enthält: „Man darf aber nie zwei Tonsorten in einem Produkt verarbeiten, weil sie unterschiedliche Schwindungen beim Trocknen haben“, erklärt sie.

Dann teilt sie mit einem Ziehdraht aus einem Zehn-Kilo-Block Ton einen kleinen Klumpen ab und setzt sich an eine Töpferscheibe. Mit dem Fußpedal bringt sie die Scheibe in Bewegung, schließlich formen ihre Hände, die sie zwischendurch immer wieder in Wasser taucht, aus dem Klumpen Ton ein längliches, kerzenähnliches Gebilde. Sekunden später lässt sich erkennen, dass da gerade ein Krug entsteht. Werkzeuge wie Abdreheisen, Drehschienen, Modellierhölzer und ein Kamm zum Ankratzen liegen stets griffbereit, wenn Heidi Krawczyk an der Töpferscheibe sitzt. Dabei sind die wichtigsten Werkzeuge ihre eigenen Hände. „Dass man aus einem Klumpen etwas entstehen lassen kann“, das ist für Heidi Krawczyk immer wieder faszinierend.

Der Krug ist gedreht. Nun bekommt er noch eine kleine Tülle zum Ausgießen, bevor er zu den anderen Gefäßen und Objekten zum Trocknen aufgestellt wird. „Einen Tag nach dem Drehen ist das getöpferte Produkt schon lederhart. Dann wird abgedreht“, erklärt die Expertin. Das heißt: Die Form wird überarbeitet, eventuell werden Henkel angesetzt, und das Gefäß bekommt seinen sogenannten Standring. „Das ist der Fuß, den alle Gefäße und Objekte haben, egal ob Tasse oder Untertasse. Denn nach dem Drehen sind alle unten plan. Der Fuß wird mit dem Abdreheisen bzw. mit Abdrehschlingen in die Unterseite gearbeitet“, so Heidi Krawczyk, die ihre Produkte in der Regel eine Woche trocknen lässt. Erst dann kommen sie in den Ofen, der zuvor auf 900 bis 950 Grad erhitzt wurde. „Diese Hitze hält der Ofen eine halbe Stunde und kühlt dann automatisch ab.“ Zwei Tage später, der Ofen hat noch 70 Grad, holt sie die Produkte heraus.

Viel Zeit, viel Arbeit

Nach dem ersten Brand, auch Schrühbrand genannt, wird der Staub von den geschrühten Produkten mit Wasser abgespült, bevor es einen Tag später ans Glasieren geht. Tassen werden zunächst innen, dann außen glasiert. Erst dann steht der letzte Arbeitsgang an: Das Produkt bekommt seinen Glasurbrand bei 1250 Grad. Viele Arbeitsschritte und viel Zeit braucht es vom kleinen Tonklumpen zum fertigen Keramikkrug. Nur: Bezahlen möchte diese aufwendige Arbeit kaum noch jemand. Dabei ist sie durchaus erschwinglich: Ein handgemachtes Gedeck aus Tasse, Untertasse und Frühstücksteller kostet 37 Euro.

Aufträge bekommt Heidi Krawczyk bei Ausstellungen und Märkten, die sie das ganze Jahr über besucht. Auch beim Kunst- und Töpfermarkt während der Herdecker Maiwoche war sie mit von der Partie. Und siehe da: „Hinterher sind sogar noch Leute in meine Werkstatt gekommen.“