Barrieren stoppen nicht nur Behinderte

Die Treppe am Aldi-Parkplatz in Herdecke. Auch Wolfgang Gamp hat Probleme. Immerhin gibt es einen Handlauf.
Die Treppe am Aldi-Parkplatz in Herdecke. Auch Wolfgang Gamp hat Probleme. Immerhin gibt es einen Handlauf.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Behindertenkommission in Herdecke will mit neuem Namen Hindernisse aus dem Weg räumen. Teilhabe soll für alle gelten.

Herdecke..  Etwa jeder siebte Herdecker hat einen Schwerbehindertenausweis. Mit dieser Zahl war Kerstin Jakob vom städtischen Sozialamt in die jüngste Sitzung der Behindertenkommission gekommen. Nicht nur ihr war klar, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt. Auch die Kommissionsmitglieder wussten, dass da noch andere Menschen sind, die sich in der Stadt nur beschränkt fortbewegen können: Senioren etwa oder auch Eltern mit Kinderwagen. Und weil das so ist, wird die Behindertenkommission wohl zum letzten Mal unter diesem Namen zusammen gekommen sein. Tagen will sie künftig sogar öfter. Dann aber mit einer zeitgemäßeren Blickrichtung im Namen.

Einigkeit in der Sache

Noch ist nicht ganz klar, ob sie als „Kommission für die Belange von Menschen mit Behinderungen“ an den Start geht, wie es der Kommissionsvorsitzende Heinz-Willy Barteldrees ins Gespräch gebracht hat. Zumindest der politischen Korrektheit wäre mit dieser Änderung Rechnung getragen. Für Andreas Disselnkötter wäre es dagegen folgerichtig, künftig als „Kommission für Inklusion und Demografie“ zusammen zu kommen. Ein Streit wurde daraus nicht, denn entscheiden muss sowieso der Sozialausschuss. Aber wichtiger noch: In der Sache waren sich die Kommissionsmitglieder einig. Sie möchten sich in einer Stadt, deren Bürger im Schnitt immer älter werden, um Barrierefreiheit für viele Gruppen einsetzen, für die ausgewiesen Schwerbehinderten ebenso wie etwa für Senioren.

An tausend Enden in der Stadt könnte man ansetzen, um Hindernisse abzubauen, wie die Diskussion über zukünftige Arbeitsschwerpunkte der Kommission zeigte. Da sind allein die vielen Treppen, die schon für sich genommen ein Problem sind. Rollatorfahrer müssen sie meiden, Menschen mit Gehstock vermissen oft so etwas eigentlich Selbstverständliches wie einen Handlauf, wusste Werner Wichert. Immerhin. Die Treppen in der Stadt und eine Abfolge für ihre Sanierung sollen Thema im nächsten Bauausschuss sein, nahmen die Kommissionsmitglieder mit auf den Weg.

City kommt auf den Prüfstand

Viele Bewohner kommen vom Altenheim an der Goethestraße nicht mehr runter in die Stadt, sagte Gundula Conjaerts wie zur Bestätigung. Der Anteil der Senioren mit Beeinträchtigungen beim Gehen sei hoch. Um mit dem Rollator zurück zu kommen, sei der Berg zu steil. Und die Fahrt mit dem Bus sei doch reichlich umständlich.

Drei Mal hat die Behindertenkommission in den letzten fünf Jahren getagt. Heinz-Willy-Barteldrees ist das entschieden zu wenig. Zweimal im Jahr sollten die Mitglieder schon zusammenkommen, so seine Vorstellung. Noch 2015 wird nun eine Begehung in Kirch­ende zeigen, wo Barrieren aus dem Weg zu räumen sind. Und dann will sich die Kommission endlich die modernisierte Innenstadt ansehen. Vielleicht ist ja bis dahin ein Problem gelöst, das Werner Wichert ansprach: der durchgehende Bordstein auf dem Parkplatz im Quartier Ruhraue ausgerechnet vor dem Altenheim. Die Hürde ist seit Monaten bekannt. Abgebaut worden ist sie noch nicht.