Barmherzigkeit leben

Der erste Sonntag nach Ostern (Weißer Sonntag) wird seit dem Jahr 2000 in der Katholischen Kirche auch als Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit gefeiert. Papst Johannes Paul II hat diesen Sonntag „Barmherzigkeitssonntag“ genannt. Dieser Sonntag hat mit der polnischen Ordensschwester Maria Faustina Kowalska zu tun. In den 1930er Jahren soll die junge Ordensfrau Visionen von Jesus Christus gehabt haben.


Diese Visionen hielt sie in einem Gemälde fest. Darin geht Jesus in einem weißen Gewandt auf den Betrachter zu, von seinem Herzen gehen zwei Strahlen aus. In Faustinas Visionen soll Jesus ihr den Auftrag gegeben haben, Künderin der Barmherzigkeit Gottes zu werden.

Das Wort Jesu: „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist“ (Lk 6,36) unterstreicht die Barmherzigkeit Gottes und zugleich ruft uns zur Barmherzigkeit gegenüber den Menschen auf. Die Barmherzigkeit ist ein anderer Name für die Liebe. Die Bedeutung der Eigenschaft der Barmherzigkeit ist: sich um jedwede Not zu sorgen. Und insbesondere in ihrer grenzenlosen Fähigkeit zur Vergebung bereit sein.


Gott schenkt uns seine Barmherzigkeit, seine unendliche Liebe. Diese Barmherzigkeit macht den Menschen erst fähig, Gott zu erkennen, auf ihn zuzugehen und selbst barmherzig zu sein gegenüber den Mitmenschen. Die Barmherzigkeit ist die Menschlichkeit Gottes. Sie ist auch die göttliche Zukunft des Menschen.

Unsere zerrissene Welt braucht dringend die Liebe im Sinne der Barmherzigkeit. Nur so können wir Hass und Terror überwinden. „Durch die Barmherzigkeit für den Nächsten bist du Gott ähnlich“ sagte Basilius der Große. Barmherzig zu sein kann jeder Mensch, unabhängig von der Religion und dem persönlichem Glauben. Auch Atheisten sind hier angesprochen. Barmherzigkeit ist nichts anders als unsere gelebte Freundlichkeit und Menschlichkeit. Sie zu leben kostet nichts!