Bäckerei Homann unter neuer Regie

Der Name Homann für die Traditionsbäckerei bleibt, die Inhaber wechseln: David und Mojca Reisberg übernehmen den Familienbetrieb. Dirk und Karin Homann ziehen nach Norddeutschland, Karins Mutter Dirkje Wegner bleibt in Wetter.
Der Name Homann für die Traditionsbäckerei bleibt, die Inhaber wechseln: David und Mojca Reisberg übernehmen den Familienbetrieb. Dirk und Karin Homann ziehen nach Norddeutschland, Karins Mutter Dirkje Wegner bleibt in Wetter.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Dirk und Karin Homann haben ihre Backstube verkauft. Jetzt steigt David Reisberg als Chef ein

Wetter..  Berlin war schön. Als David Reisberg aber das Gefühl hatte, dass in der Hauptstadt nur noch Billig-Bäckereien eine Zukunft haben, ist er nach Wetter gekommen. Aus Liebe zum Handwerk. Zehn Jahre war er bei Homann angestellt. Ab heute ist er der Chef.

Der Wechsel ist vollständiger kaum vorstellbar, und doch soll alles beim Alten bleiben: Karin und Dirk Homann geben die Bäckerei ab, räumen das Haus und ziehen nach Norddeutschland. Bei den Backwaren aber setzt David Reisberg auf die Tradition. Und beim Namen auch.

„Die Rezepte bleiben die gleichen“, wirbt er und hat jetzt zum Wechsel noch einmal in der Rezeptsammlung von Bäckerei-Gründer Günther Homann geblättert. Das Ergebnis ist der „Homann-Urtyp“, ein rundes Brot, aus Natursauerteig gebacken und voll vegan. Keine tierischen Fette. Ganz so wie früher.

Tradition heißt für David Reisberg aber auch: Alle 40 Beschäftigten werden übernommen. „Homann ist ein Stück Geschichte von Wetter“, sagt er. Das will er bewahren, als mittlerweile letzter Bäcker mit eigener Backstube in Wetter, das will er aber auch weiter entwickeln, so wie sich das Geschäft in den letzten viereinhalb Jahrzehnten ja auch weiter entwickelt hat.

Arbeitstag beginnt in der Nacht

Angefangen hat bei David Reisberg alles mit Plätzchenbacken in der Weihnachtszeit. Längst ist daraus sein Brotberuf geworden. Der fordert den 37-Jährigen künftig noch härter, als Handwerker und als Geschäftsmann. Auch wenn Ehefrau Mojca sich ums Kaufmännische kümmern wird. Bäcker stehen früh auf. Wie früh? „Um ein Uhr“, gibt er zur Antwort, bei Homann in Grundschöttel an sieben Tagen in der Woche. Da ist es gut, wenn der Weg zur Arbeit nicht weiter ist als die paar Treppenstufen aus der Wohnung runter in die Backstube.

„Die leben unser Leben weiter“, stellt Karin Homann fest. Und nimmt es von der leichten Seite. Wie ihr Mann Dirk ist sie 58 Jahre alt. Seit 1983 haben die beiden seinen elterlichen Betrieb geführt. „Wir brauchen den Abstand“, erklärt sie den Wegzug nach Norddeutschland. Und sie weiß: „Man muss auch abgeben können.“

Das fällt leichter, weil keines der drei Kinder in Vaters Fußstapfen als Bäcker treten wollte. Eine Tochter ist Biologin, die andere setzt auf Medien-Wissenschaften, der Sohn ist Informatiker. „Die konnten frei entscheiden“, sagt die Mama, und haben damit den Weg frei gemacht für David Reisberg.

Als er nach Wetter gekommen ist, haben es Homanns auch einmal mit Splitterbrötchen probiert, einer Spezialität aus der Hauptstadt. „Die konnten wir hier aber nicht an den Mann bringen“, musste Karin Homann zur Kenntnis nehmen. „Dabei waren die lecker“, schwärmt sie, und hat sich jüngst bei einem Besuch in Berlin gleich diese leicht süße Brötchenspezialität bestellt.

Bäcker aus Leidenschaft

„Man sollte am besten backen, was in dem jeweiligen Landstrich gebacken wird“, gibt Dirk Homann seinem Nachfolger mit auf den Weg. In zehn Jahren hat dieser gründlich gelernt, was die Wetteraner wünschen. Die Freude am Beruf, an einem echten Handwerk, ist ihm anzumerken. „Man muss mit Leidenschaft Bäcker sein“, sagt er, „dann hast du auch in der heutigen Zeit eine Chance.“

Ganz so einfach ist es nicht, mit 37 Jahren sein eigener Chef und der von einer so großen Mitarbeiterschar zu werden. Zumal die Billigbäcker-Konkurrenz nicht nur in der Bundeshauptstadt zwackt. „Aber ein kluger, gut geführter Betrieb ist wie ein Fünf-Sterne-Restaurant“, macht ihm Karin Homann Mut.