Aus dem Wohnzimmer in die Kirche

Der Herdecker Wohnzimmerchor probt für sein Konzert in der Ender Dorfkirche
Der Herdecker Wohnzimmerchor probt für sein Konzert in der Ender Dorfkirche
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Herdecker Wohnzimmerchor wechselt am Sonntag seine Wirkungsstätte. Statt in der guten Stube von Pianist Matthias Guhling zu singen, stellen die neun Musiker ihr Programm in der Ender Dorfkirche vor.

Herdecke..  Eigentlich singen sie zwischen Sofa und Bücherregal, sinken nach dem Singen noch ins Polster, um bei einem Glas Wein zu klönen. Doch an diesem Abend erklingen die Stimmen des Wohnzimmerchores in der Ender Dorfkirche. Probe für den großen Auftritt am 22. Februar. Und das Wohnzimmer im Titel ist dabei keineswegs despektierlich gemeint. Die acht Sängerinnen und Sänger und ihr Mann am Piano nennen sicht tatsächlich „Wohnzimmerchor“. „Es war ein Arbeitstitel“, sagt Astrid Büker. Und weil man für einen ersten Auftritt einen Namen brauchte, ist es dabei geblieben.

2011 haben sich die Sänger – zunächst zu fünft – zusammengefunden, um zu singen. Oder besser gesagt: Um neben anderen Proben auch noch im Wohnzimmer von Matthias Guhling zu singen. „Wir sind alle in großen Chören aktiv“, sagt Guhling, der neben Couch und Bücherregalen auch noch ein Klavier in seiner guten Stube zu bieten hat.

Sommerpause überbrücken

Zunächst wollte man die lange Sommerpause der anderen Chöre überbrücken, doch daraus ist mehr geworden. Denn der zusätzliche Probenabend hat für die inzwischen neun Chormitglieder einen ganz besonderen Reiz. „Wir haben uns alle auch persönlich weiterentwickelt“, sagt Andrea Schmidt. „In einem großen Chor kann man sich leicht hinter einer anderen Stimme verstecken, hier geht es um jeden Ton.“

Ist der falsch, hört es Matthias Guhling sofort. Dabei ist der Mann, der vom E-Piano aus den Einsatz für das nächste Lied gibt, kein Profi, sondern eigentlich Finanzchef in einem Handelsunternehmen. Die Passage in Mozarts „Luci care, luci belle“ wird also wiederholt, bis auch die Damen die richtige Höhe gefunden haben. „Luci care, luci belle“ ist ein so genanntes Abendlied, das Mozart fürs gemeinsame Musizieren bei Freunden komponiert haben soll. Also quasi fürs Wohnzimmer.

Schumann, Brahms, Händel oder eben Mozart – das klassische Repertoire der Wohnzimmer-Sänger ist vielfältig. Dabei sind es gerade die kleinen Formen, die die Sänger reizen. „Mit weniger Stimmen zu singen, ist intimer“, sagt Ulla Lehmkühler. Und nennt gleich noch einen weiteren Grund, warum der kleine Chor für sie eine willkommenen Ergänzung zum Gesang im großen klassischen Ensemble ist. „Hier können wir auch mal etwas Beschwingtes singen.“

Zum Beispiel „Ding-a-Dong“ von Dick Bakker, das die Sänger gleich nach dem Mozart-Lied anstimmen. Ein Stück, mit dem eine niederländische Gruppe 1975 den Grand Prix d’Eurovision gewonnen hat und das als Ode an den Optimismus verstanden werden kann. Beschwingt eben. Und gerade noch passend für das Konzert in der Kirche. „Wir haben schon ausgewählt, was wir hier singen“, sagt Matthias Guhling. Nicht nur musikalisch, um dem so gar nicht wohnzimmermäßigen Klang in der Kirche entgegen zu kommen, sondern auch inhaltlich. Auf die Comedian Harmonists verzichten die Sänger zwar nicht ganz, ihr etwas schlüpfriges Lied „In der Bar zum Krokodil“, das sie im Wohnzimmer gerne singen, stimmen sie in der Kirche aber lieber nicht an. Eine letzte Probe in der Kirche gibt es in der kommenden Woche noch, davor steht ein intensives Proben-Wochenende an der Nordsee an. „Das ist schließlich unser erstes abendfüllendes Konzert“, sagt Astrid Büker, die schon jetzt ein wenig mit dem Lampenfieber kämpft.

Regelmäßiges Coaching

Doch eigentlich können sich die Sänger alle entspannt zurücklehnen, denn sie sind bestens vorbereitet. „Einige nehmen parallel Gesangsunterricht und wir lassen uns regelmäßig coachen“, sagt Matthias Guhling. Wer immer nur im eigenen Saft schmore, entwickele sich schließlich nicht weiter. Also geht es von Zeit zu Zeit raus aus dem Wohnzimmer. Und nun rein in die Kirche. „Thank you for the music“ heißt es am Sonntag. Ein Abba-Titel, den die Männer und Frauen des Wohnzimmerchores, wörtlich nehmen können. „Danke für die Musik, für die Lieder, die ich singe. Danke für all die Freude, die sie bringen.“