Auf Stiftungsgelände nur Kinder und Jugendliche betreuen

Interview in der Evangelischen Stiftung Volmarstein mit dem Vorstand Markus Bachmann (links) und Jürgen Dittrich
Interview in der Evangelischen Stiftung Volmarstein mit dem Vorstand Markus Bachmann (links) und Jürgen Dittrich
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Laut Pfarrer Dittrich und Vorstandskollege Bachmann will die Ev. Stiftung auf ihrem Gelände in Volmarstein bald nur noch Kinder und Jugendliche betreuen.

Volmarstein..  „2020 wird kein erwachsender Behinderter im stationären Bereich der Behindertenhilfe mehr hier leben.“ Was Pfarrer Jürgen Dittrich so radikal umschreibt, ist das Ziel eines längst begonnenen Prozesses. Die Evangelische Stiftung Volmarstein (ESV) nimmt das Thema Inklusion ernst und treibt dezentrale und alternative Wohnformen für behinderte Menschen voran. „Wir wollen uns auf dem Gelände der Stiftung auf die Betreuung von Kindern und Jugendlichen konzentrieren“, so Dittrichs Vorstandskollege Markus Bachmann. Einzig die Senioren- und Pflegeheime sollen Erwachsenen in Zukunft auf dem Berg eine Heimat bieten.

Sicherheit für Eltern und Kinder

Zwei Kinderheime sollen auf dem Stiftungsgelände zusätzlich entstehen, Verhandlungen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dem Geldgeber in der Behindertenhilfe, laufen bereits. Was Dittrich und Bachmann vorschwebt, ist ein Zentrum, das alle Belange von der behinderten Kindern und Jugendlichen berücksichtigt. Angefangen von der medizinischen und therapeutischen Versorgung über die Betreuung bis zur Bildung. „Wir haben uns auch ganz bewusst dafür entschieden, die Oberlinschule auf dem Gelände zu belassen“, so Dittrich. Auch wenn die Bemühungen um Inklusion einen anderen Weg, also näher an andere Schulen heran, vorgezeichnet hätten. „Es gibt keine Schule, die so vernetzt mit Therapie und Krankenhaus ist, wie die Oberlinschule“, sagt Dittrich. „Das gibt Eltern und Kindern Sicherheit.“

Wie sehr diese Sicherheit gerade für die meist schwer mehrfach behinderten Kinder gewünscht ist, zeigen die Schülerzahlen. Für 230 Kinder gebaut, beherbergt die Oberlinschule zurzeit 280 Kinder. „Und wenn es mit der Inklusion 50 weniger werden, schadet das nicht“, sagt der Pfarrer.

Die Verpflichtung von Regelschulen, nun auch behinderte Kinder aufzunehmen, berührt die Oberlinschule auch nur wenig. „Viele unserer Schüler haben einen so hohen Pflegebedarf, dass ihre Betreuung an einer Regelschule nicht geleistet werden kann.“

Inklusion soll aber dennoch nicht nur für die Kinder möglich sein, die an einer Regelschule unterrichtet werden können. Die Oberlinschule setze das Thema Inklusion bereits seit Jahren vorbildlich um, in dem behinderte und nicht behinderte Schüler in Projekten gemeinsam lernen. Eine Kooperation mit der Hauptschule Vorhalle besteht weiterhin, und auch über das Thema Kultur werden Kontakte nach „außen“ geknüpft.

Mehr autistische Behinderungen

Die Kompetenzen der Schule und der therapeutischen Einrichtungen will die Stiftung mit der Gründung eines Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) weiter ausbauen. „Bildungseinrichtungen sind zunehmend mit Formen autistischer Behinderungen konfrontiert und überfordert“, so Bachmann. Mit dem Zentrum will man Behandlung, Beratung und Begleitung bieten, um Kindern, Eltern und Lehrer zu helfen. Und es gibt noch einen Aspekt, den die Stiftung im Blick hat: „Wir müssen jetzt schon mit den Überlegungen beginnen, wo und wie diese Kinder in Zukunft leben“, sagt Dittrich.