Auf direktem Weg zum Ohr

Ein kleiner Schalter aktiviert den direkten Empfänger im Hörgerät.
Ein kleiner Schalter aktiviert den direkten Empfänger im Hörgerät.
Foto: WR Schmettkamp

Wetter.. Vorne steht jemand am Mikrofon und spricht. An der Wand hängen Lautsprecher und verstärken die Rede. Für Menschen mit Hörproblemen ist das schon eine ziemliche Hilfe. Aber es geht noch besser. Und dabei hilft ein kleiner Schalter und der Buchstabe „T“.

Das T steht für Telespule. Und der Schalter findet sich an fast allen Hörgeräten. Wer ihn Richtung T verstellt, macht das Hörgerät zu einem Empfangsgerät. Der Redner redet dann nicht nur über die Lautsprecher im Saal. Die Hörgeräte werden direkt angesteuert. Und ohne Umweg und große Störungen landen die Worte im Ohr des Hörers.

„Die Raumdistanz ist das große Problem bei Menschen mit Hörschwierigkeiten“, weiß Markus Stein. Er arbeitet bei der Firma Hörgeräte Steneberg. Sie hat Niederlassungen in Wetter und Herdecke. Die Sache mit der Telespule hat er schon oft verkauft. Die Telespule ist nicht im Hörgerät, sie liegt im Raum. Das kann ein Vortragssaal, eine Kirche, aber auch das eigene Wohnzimmer sein. Das Mikrofon oder der Fernseher geben das Tonsignal an ein Gerät, das ein Magnetfeld erzeugt. Und eben dieses Magnetfeld wird von den Hörgeräten erspürt und wieder in Töne umgewandelt.

Ringschleifen nennt man diese Anlagen. Und es gibt sie bereits nicht nur in Wohnzimmern in Wetter. Für die Lutherkirche wurde eine Ringschleifenanlage angeschafft. Jetzt können die Worte des Pastors direkt in die Hörgeräte vieler älterer Gottesdienstbesucher dringen. Auch im Forschungsinstitut Technologie und Behinderung der ESV (FTB) an der Grundschötteler Straße liegt eine Ringschleife aus.

Mini-Anlagen sollten bei jedem Arzt stehen

Daheim lässt sich das Kabel mit der magnetischen Ausstrahlung leicht hinter einer Fußleiste verstecken. In öffentlichen Sälen liegt sie meist unter einer Stuhlreihe. Wenn es denn in öffentlichen Räumen eine Ringschleife gibt. Die Stadt Wetter hat jetzt für 2000 Euro eine mobile Ringschleifenanlage angeschafft. Ein ganzer Koffer voller Gerät. „Die Reichweite der Anlage liegt bei 150 Quadratmetern, weiß Axel Fiedler. Er ist der Behindertenbeauftragte und zugleich der Seniorenbeauftragte in Wetter. Auf 15 mal 10 Meter ausgelegt, lassen sich damit ganz schön viele Stuhlreihen beschallen. Im Stadtsaal soll der Ringschleifen-Koffer zum Einsatz kommen oder auch im Veranstaltungszentrum der Sparkasse.

Ein Logo verrät, dass es die Mikrofon-Ansagen auch direkt aufs Hörgerät gibt. Das Logo zeigt eine Ohrmuschel und ein kleines „T“ am Rand. Das Logo ist auch auf kleinere, tragbare Anlagen gedruckt. Von diesen Mini-Anlagen sollte es bald ganz viele in Wetter geben, sagt Rainer Zott vom FTB. „Eigentlich müsste bei jedem Arzt eins stehen“, findet Zott. Patienten mit Hörproblemen gebe es zur Genüge.

Ein unauffälliges Kratzen hinterm Ohr - und schon ist das Hörgerät für Durchsagen aller Art auf Empfang. Wer will, kann beim nächsten Treffen des Runden Tisches fürs Projekt „Eine Stadt für alle“ näher hinsehen. Dann hat Zott den neuen großen Ringschleifenkoffer dabei und die Telespulen ausgelegt.