Auf die Bremse treten für ein achtsameres Leben

Atemlos“ tanzt Helene durch die Nacht. Outfit und Show Helene Fischers lassen vermuten, dass dies ein erstrebenswertes Ziel ist. Ist es aber nicht!


„Atemlos“ stehen wir an der Kasse des Discounters und versuchen beim Einpacken der Waren das Tempo des geübten Kassierers zu halten. „Atemlos“ hetzen wir von einer Verabredung zum nächsten Termin. Auf der Autobahn wagen wir uns schon kaum noch auf die Überholspur. Meist rauscht dann von hinten eine dieser SUV heran, die unser Stoßstange gefährlich nah kommen. Und wer hat nicht schon einmal „atemlos“ im Auto nach dem Handy gegriffen, weil für ein ordentliches Telefonat einfach keine Zeit mehr war. Bei Jugendlichen ist es noch dramatischer: Sie laufen und schreiben gleichzeitig eine SMS: Zum Umschauen und zum Wahrnehmen anderer Menschen bleibt da gar keine Zeit mehr!


Nach meinem Eindruck droht unsere ganze Gesellschaft immer „atemloser“ zu werden. Schon Kinder klagen über Schulstress; Erwachsene reden vom Burnout. Manchmal klingt das für mich so, als wäre es eine Auszeichnung, wenn einer „schon einen Burnout“ hat: Offenbar heißt das auch „der (oder die) tut was!“ In Wahrheit ist ein Burnout eine Stresserscheinung. Der Mensch reagiert auf die Überforderungen des Alltags mit Angstgefühlen und mit Depressionen. Und der Zeitdruck, also die „Atemlosigkeit“ spielt dabei die Hauptrolle!


„Gott gab uns Atem damit wir leben“: So lautet der Titel eines evangelischen Kirchenliedes. Gottes Atem belebt die ganze Schöpfung. Aus ihm hat die Natur den Rhythmus aus Frühling, Sommer, Herbst, und Winter. Aus ihm kommt das ruhige Fließen aller Prozesse in der Natur. Meist reicht uns ein längerer Spaziergang bis unser Atem wieder in diesen von Gott gegebenen Rhythmus einstimmen kann. Es tut gut, sich mal an einen Baum anzulehnen, und seine Ruhe zu genießen. Spaziergänge sind eben gut gegen Burnout!


Noch besser wäre es aber, auch auf die Bremse zu treten: Jeden Tag einen Termin weniger einplanen; Bewusst mal auf der Straße stehen bleiben und aufmerksam und zugewandt zuhören; Dem Handy einmal in der Woche freigeben: Das alles können Schritte in die richtige Richtung sein. Modern würden wir sagen: Achtsamer leben!


Geistlich möchte ich lieber vom Pfingstgeschehen her sagen: Auf das Wirken des Geistes Gottes achten und dabei in das von Gott gegebene Tempo einstimmen. Gott gab uns Atem damit wir leben – nicht damit wir hetzen! Ich wünsche uns allen ein geruhsames und gesegnetes Wochenende.