Anwohner fordert Baustopp am Schraberg-Hallenbad

Die Baustelle am Schrabergbad dauert länger und wird teurer als anvisiert. Zudem will ein Anwohner die Arbeiten stoppen.
Die Baustelle am Schrabergbad dauert länger und wird teurer als anvisiert. Zudem will ein Anwohner die Arbeiten stoppen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Anwohner und Architekt Oliver Wolter will wegen Fehlern für einen Baustopp am Schrabergbad sorgen. Die Stadt Herdecke weist die Vorwürfe zurück.

Herdecke..  Als ob es wegen zusätzlicher Kosten und verzögerter Fertigstellung nicht schon genug Ärger rund um das Schrageberbad gibt, hat nun auch ein fachkundiger Anwohner massive Vorwürfe gegen die zuständige Stelle bei der Stadt Herdecke erhoben. Der Architekt Oliver Wolter fordert, dass das Amt für Hochbau und Bauunterhaltung die Arbeiten am Hallenbad aussetzen und neue Planungen einholen soll. Er führt vor allem Sicherheitsbedenken und das Ignorieren gesetzlicher Vorgaben an. Die Verwaltung weist die Anschuldigungen zurück.

Die Vorwürfe des Anwohners

Der Diplom-Ingenieur Oliver Wolter ist seit 15 Jahren selbstständig und kennt sich nach eigenen Angaben auch mit Schwimmbadtechnik aus. Seit 2002 werde er als direkter Nachbar am Schraberg durch „unnötige Sanierungen gerade das Dach am Hallenbad betreffend belästigt.“ Er beklagt, dass Anwohner über die aktuellen Bauarbeiten nicht informiert worden seien, es keine Genehmigung dafür gegeben habe und die Örtlichkeit mangelhaft gesichert sei. Zunächst hätten Schilder gefehlt, auch die Ausweisung eines Sicherheits- und Gesundheitskoordinators (SiGeKo) sei zu spät erfolgt. An seinen Vorwürfen halte er auch nach Einsicht in die Bauakte bei der Stadt fest.

Bei den Planungen verweist er auf die Grundlage, wonach öffentlichen Gebäuden laut Erneuerbarem Energie-Wärmegesetz eine Vorbildfunktion zukomme und weder die Lüftung noch die Beheizung des Schrabergbades korrekt angegangen würden. „Warum wird keine Solarthermie angebracht, die 40 Prozent der Energiekosten im Jahr reduzieren würde?“, fragt sich Wolter auch mit Blick auf Förderungsmöglichkeiten der KfW-Bank. Zudem zweifelt er auch die zweite Kostenberechnung der Stadt an. Zur Vorbereitung und Planung geht die Verwaltung etwa von 26 500 Euro aus, der Herdecker Architekt sieht diesbezüglich eine sechsstellige Summe. „Nach meinen Berechnungen kommt man insgesamt auf Sanierungskosten von 1,4 Millionen Euro, das wären fast so viel wie die angegebenen 1,5 Millionen für den Totalabriss und Neubau.“ Ihm gehe es darum, dass hier kein Millionengrab entstehe und Kinder sowie Vereine zeitnah wieder schwimmen könnten.

Die Antworten der Stadt

Die Verwaltung verweist darauf, dass die Baustelle durch einen Bauzaun gesichert sei. Alle beteiligten Firmen seien u.a. durch Vertragstexte und SiGeKo-Einweisungen auf die besondere Situation „Bauen im Schulumfeld“ hingewiesen. Das dafür zuständige Ingenieurbüro Körner aus Witten sei allen Sicherheits-Verpflichtungen nachgekommen, der SiGeKo betreue die Baustelle in einem wöchentlichen Rhythmus. Die zuständige Bezirksregierung habe am 19. Juni die Baustelle, die ordnungsgemäß angemeldet worden sei und wo es bis dato keine genehmigungspflichtigen Arbeiten gegeben habe, besichtigt und „keine Missstände oder nennenswerten Mängel festgestellt.“

Mit Blick auf die Energieeinsparverordnung hätten Berechnungen ergeben, dass die energiereiche Abwärme der Schwimmbadluft durch eine sehr gute Wärmerückgewinnung (über 75 Prozent) nutzbar sei. Das Dach der Schwimmhalle werde statisch so ertüchtigt, dass es auch nachträglich mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden könnte. Da durch Eigenleistungen bei der Planung Geld gespart werde, heißt es weiterhin: „Ein Neubau wäre unterm Strich deutlich teurer als die angestrebte Sanierung.“

In der jüngsten Ratssitzung betonte Finanzdezernent Frank Zagler, dass die Verwaltung Wolters Vorwürfe systematisch abarbeite und bisher keine Verstöße festgestellt habe, was auch auf die externen Berater zutreffe. Es gebe in den eigenen Reihen genügend Fachkompetenz. „Wir handeln sehr sorgfältig und verantwortungsbewusst. Falls es eklatante Mängel geben sollte, würden wir das in einer Sondersitzung im Fachausschuss mitteilen.“ Im Herbst soll es einen Zwischenbericht für die Politik geben.

Die Reaktionen der Politik

Aus den Reihen der Fraktionen gab es Zustimmung für dieses Vorgehen. Einzig Klaus Faeskorn (FDP) beklagte, dass die Verwaltung „zum x-ten Mal mit erheblichen Beträgen nachbessern muss.“ Vielleicht wäre eine externe Vergabe sinnvoller.