Angst vor einer Burg an der Ruhr
07.12.2010 | 17:39 Uhr 2010-12-07T17:39:00+0100
Herdecke.Das geplante „Quartier Ruhraue“ schafft nicht ausreichend neue Arbeitsplätze. Es bindet nicht genügend Kaufkraft in Herdecke. Und es trägt nicht zur Rettung der Innenstadt bei. Das sind nur drei der Vorwürfe der Aktion Westfalia gegen das geplante Einkaufszentrum auf dem früheren Firmengelände.
Im Sommer, nachdem Investor Rudolf Kräling seine Pläne vorgestellt hatte, wurde die Initiative gegründet. Seitdem sucht sie neue Mitstreiter. 50 waren es vor wenigen Tagen bei einem Treffen im Onikon. Eine beachtliche Zahl, findet Frank Boberg. Er wohnt in der Innenstadt, ist von Beruf Stadtplaner und Immobilienökonom, und für ihn ist klar: Die Pläne von Kräling seien „immer noch zu groß für Herdecke“. Selbst wenn frühere Planungen noch größere Einzelhandelsflächen vorgesehen haben sollten.
Seit ein paar Tagen finden sich ausführlich auch verworfene Planungen aus den letzten Jahren auf den Internet-Seiten der Stadt Herdecke. „Uns waren diese Dimensionen vorher nicht bekannt“, erklärt Willi Creutzenberg, warum sich nicht schon früher Widerstand gegen gewaltigere Pläne geregt hat. Nun fürchtet Manuela Stolz, die unweit der Westfaliafläche wohnt, eine regelrechte „Festung“. Und Frank Boberg spricht angesichts der klaren Außenkante, die das geplante Gebäudeensemble zur Ruhr hin zeigt, von einer „Burgwirkung“.
„Kein Handlungsdruck“
Das vom Investor so genannte Quartier Ruhraue ist der Aktion Westfalia nicht nur zu groß geraten. Es liege auch wie ein Riegel zwischen Fluss und Altstadt, so der Vorwurf. Und ob die bisher genannten Mietinteressenten wirklich in der Lage sind, Kaufkraft in Herdecke zu binden, stellt Manuela Stolz in Frage. Selbst wenn ein Elektrofachmarkt käme - viele Artikel müssten weiter außerhalb von Herdecke gekauft werden. Eine Belebung des Einzelhandels im gewachsenen Geschäftsviertel der Stadt sieht sie nicht.
Frank Boberg möchte erst einmal sehen, wie das Mühlencenter im früheren Hertie bei den Kunden ankommt. Im nächsten Frühjahr sollen hier ein Lebensmittelmarkt, ein Discounter und ein Drogerie-Markt aufmachen. Aus seiner Sicht gibt es auch keinen Handlungsdruck. „Man kann mit Grundstückseignern eigentlich immer über vernünftigere Ideen reden.“ Und für die Umgestaltung früherer Industrieflächen gebe es sogar Förderprogramme vom Land.
Das Westfalia-Gelände ist in privatem Besitz. Die Stadt hat nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. Dieser Spielraum soll genutzt werden, sagt die Ratsmehrheit von CDU, Grüne und FDP, stellt das gesamte Projekt aber nicht in Frage. Das will die Aktion Westfalia ändern. Bei der FDP war sie bereits zu Gast. Und auch für die übrigen Fraktionen seien schon Termine gemacht.
00:25
Zugang zur Ruhr über die romantisch enge Lieferantenstraße zwischen Mühlencenter und Quartier? Links und rechts gerahmt von hohen, schattenspendenden Wänden. Oder mit dem Kinderwagen oder Fahrrad gemütlich über den Parkplatz schlendern, vorbei an rücksichtsvollen, einkaufenden Verkehrsteilnehmern bei einem kurzen Hallo? Die Skyline der geschmackvollen Betonromantik fügt sich harmonisch in die Landschaft der Ruhraue ein und ist schon von der Altstadt kommend zu bewundern. Verglichen damit, dass hier ganz früher einmal schmutziges Gewerbe angesiedelt war, ist das doch eine ganz klare Verbesserung. Wenn man sieht, wie in Wetter das Ruhrtalcenter zahlreiche Läden und Gastronomien im weiteren Umfeld angezogen hat und immer noch anzieht, sollte das doch Argument genug sein. Ja, wir schaffen das. Positiv denken, bitte.
18:59
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23:32
liebe jungmitglieder meiner partei, diskutiert lieber im politischen raum, als hier behauptungen in den raum zu stellen und schlecht über andere zu reden. sporen könnt ihr vielleicht auch woanders verdienen. es ist zwar schwirig bei uns aber hoffentlich nicht unmöglich.
11:03
#22
Die angesprochenen stadtplanerischen Argumente werden ja auch bei der Bürgermeisterin vermisst. Das ist eigentlich noch merkwürdiger.
08:35
Die in den letzten Wochen eingesetze Diskussion um die Bebauung auf dem Westfalia-Gelände empfinde ich als sehr positiv und belebend. Denn schließlich lebt die Meinungsbildung in unserer demokratischen Gesellschaft vom Abwägen der widerstreitenden Argumente.
Was diese Argumente angeht, musste ich heute etwas schmunzeln.
Die bereits in einem Leserbrief angekündigte Wunderkerzenaktion der Pro Westfalia-Aktion, durch die angezeigt werden soll, dass man für die vorgestellte Westfalia-Entwicklung ist, war der Auslöser meines Schmunzelns.
Doch neben dem Schmunzeln gab sie mir auch Anlass dazu, wieder einmal über die derzeit vorgebrachten Argumente zu reflektieren.
Dabei fiel mir auf, dass auf Seiten der Contra-Bewegung (Aktion-Westfalia Herdecke) fundierte fachmännische Argumente vorgebracht werden, die als Argumentationsgrundlage überaus tauglich sind, während man auf Seiten der Pro-Bewegung (Pro-Westfalia) lieber auf Wunderkerzen zu setzen scheint.
Im Vorschulalter hätten mir die Wunderkerzen wahrscheinlich mehr imponiert. Da ich aus dem Alter aber raus bin, muss ich mich fragen, ob die Pro-Bewegung keine vernünftigen stadtplanerischen Argumente für die angestrebte Bebauung hervorbringen kann und daher auf funkelnde (aber leider auch sehr schnell vergängliche) Pyrotechnik als Argument setzen muss!?
22:51
Super, Herr Müller!
Schön, dass Sie das mal so auf den Punkt gebracht haben. Spricht mir voll und ganz aus der Seele.
15:32
Ich persönlich plädiere für einen Vergnügungspark oder zumindest einen groß angelegten Stadtpark. Wer brauch den schon noch einen Konsumtempel, als ob nicht sowieso jeder zweite seine Wunschartikel im Internet bestellt. Zum Flanieren ist Herdecke ja ganz nett, aber mal ehrlich, da kommt doch keiner mit vollen Einkaufstaschen nach Hause. Nochn Discounter? Na, Prost Mahlzeit! Wir müssen den Joker Naherholungsgebiet ausspielen, um Herdecke attraktiver zu machen. Vielleicht kommen dann ja die versnobbten Ahlenberger auch mal in die Innenstadt und lassen am besten noch ihre Kohle da, beim Kinderkarussel im We
estfalia-Park zum Beispiel, aber bestimmt nicht für die brandneue Kollektion bei Deichmann! Beim Café Wening brummt der Bär, weil sich da die Rentner die Zeit vertreiben können aber sicher nicht an der Tiefkühltruhe im ALDI. Also bitte, liebe Herdecker, schmeißt die Pläne dieses geldgeilen Investors in die Mülltonne. Wer sehen will, wie sowas aussieht, der reise bitte nach Amerika oder schaue in die Nachbarstadt Wetter, wo das neu errichtete Einkaufszentrum den Blick auf das wunderschöne alte Bahnhofsgebäude verdeckt - alerdings muss man zugestehen, dass die Wetteraner es nötiger hatten, als wir Herdecker. Ganz im Gegenteil! Wir brauchen sowas nicht, deshalb macht den Weg frei für einen Erholungspark und Herdecke wird zur Oase des Potts!
RoMü
01:17
Der Druck, der auf die Kritiker via Presse ausgeübt wird, ist enorm. Sollte die Art der Diskussion und der Umgang der Antagonisten untereinander nicht ein gutes und demokratisches Beispiel für die Generation nach uns sein? Bei aller Härte... Fairness bewahren!
17:05
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15:27
Heute in der Ratsitzung besteht die Möglichkeit all die offenen Fragen in der Fragestunde für Einwohner zu stellen.
Westfalia steht nicht auf der Tagesordnung, somit können zu dem Thema fragen gestellt werden.