Altes Schätzchen findet noch ein neues Zuhause

Geschafft: Andreas Vogt (links) und Matthias Schwarz haben mit dem Lampenhaus das letzte Einzelteil des analogen Projektors abmontiert.
Geschafft: Andreas Vogt (links) und Matthias Schwarz haben mit dem Lampenhaus das letzte Einzelteil des analogen Projektors abmontiert.
Foto: WP
Die beiden Kinotechnik-Fans Andreas Vogt und Matthias Schwarz haben den analogen Filmprojektor Ernemann IX im Herdecker Onikon abgebaut.

Herdecke..  Knapp zwei Stunden hat es gedauert, dann war der alte analoge Filmprojektor aus dem Onikon in seine Hauptbestandteile zerlegt und zum Abtransport bereit. „Jetzt bekommt er ein neues Zuhause bei einem Freund in Gelsenkirchen, der das gleich Hobby hat wie wir“, sagt Andreas Vogt aus Hagen, der gemeinsam mit Matthias Schwarz aus Bochum angerückt ist, um das 200 Kilo schwere Gerät abzubauen. Die beiden sind Fans analoger Kinotechnik, jeder von ihnen hat zuhause sein eigenes kleine Kino und jeder hat schon als Vorführer in einem kommerziellen Kino gearbeitet.

Aus Nostalgie behalten

„Andreas Vogt war eine zeitlang auch Mitglied der Filminitiative und hat uns technisch oft unterstützt. Er ist ein richtiger Sammler und Freak, und wir freuen uns, dass der alte Projektor nun noch in solche Hände gerät. Es hätte uns weh getan, ihn auf den Schrott zu schmeißen“, sagt Hatto Greiser von der Filminitiative Herdecke. 1984, als das kleine Programmkino in Herdecke ins Leben gerufen wurde, hatte der damalige erste Vorsitzende Meinhard Zumfelde den „Ernemann IX“ gebraucht gekauft. Als schließlich vor zwei Jahren die digitale Technik auch im Onikon Einzug hielt, blieb der alte Projektor an seinem angestammten Platz. Aus nostalgischen Gründen. Aber seitdem gab es gerade mal drei Vorstellungen, bei denen der „Ernemann IX“ noch im Vorführraum surrte, die Filme vorher noch geschnitten, geklebt und aufgespult werden mussten.

Zum allerletzten Mal im Einsatz war das über 50 Jahre alte Schätzchen im Mai: „Da haben wir in Kooperation mit dem Segelverein Herdecke den Film Todesstille gezeigt. Diesen Film gibt es nicht digitalisiert“, berichtet der Vorsitzende der Filminitiative, Friedhelm Schürmann. Im selben Monat stiegen Einbrecher ins Onikon ein und stahlen das komplette elektronische Equipment. Nachdem vorübergehend ein Leih-Projektor eingesetzt wurde, haben die Kinomacher nun entschieden, einen größeren digitalen Projektor und Kino-Server in einem Gerät anzuschaffen. „Der Vorteil liegt darin, dass wir bei der Filmauswahl nicht mehr eingeschränkt sind“, erklärt Friedhelm Schürmann. „Der zwei Jahre alte digitale Projektor erfüllte die sogenannte DCI-Norm nicht, so dass wir nicht für alle Verleihe als Geschäftspartner in Frage kamen“, so Schürmann weiter. Und: Die neue Anlage, die bereits am Donnerstag installiert wird, lasse sich auch komfortabler bedienen.

Echte Kinoleinwand fürs Onikon

Während Friedhelm Schürmann und Hatto Greiser weiter berichten, dass nun auch eine echte Kinoleinwand die vorherige „einfache gekälkte Wand“ im Onikon ersetzen werde, hat Andreas Vogt im Vorführraum ganze Arbeit geleistet. Gemeinsam mit Matthias Schwarz hat er bereits den Projektionskopf und den Antriebsmotor vom alten Projektor abgeschraubt. Um das Lampenhaus kümmert sich Matthias Schwarz allein; zur Sicherheit trägt er eine Schutzmaske für den Ausbau der Xenon-Lampe, die unter hohem Druck steht und leicht zerbersten kann. Minuten später ist auch das geschafft; das Lampenhaus ist abmontiert. Alle Einzelteile stehen zum Abtransport bereit.

„Irgendwie demütigend für die Maschine, oder?“ fragt Andreas Vogt in die Runde. Doch dann korrigiert er sich und meint: „Nein, wir sind ja froh, dass sie wieder in vernünftige Hände kommt. Denn viele dieser analogen Projektoren sind mit der Digitalisierung der Kinos sozusagen betriebswarm auf dem Schrott gelandet.“ Dabei seien das noch Maschinen, die nie kaputt gehen. „Die verzeihen auch Misshandlungen durch unkundiges Personal“, sagt Andreas Vogt und schmunzelt.