Alte Schätze und frisches Grün

Herdecke..  Im Brunnen stehen Blumentöpfe, darum herum eine Reihe Bäumchen. Wenige Schritte weiter lockt eine verschnörkelte Bank unter einem Rosenbogen, sich kurz hinzusetzen. Zum 20. Mal haben Händler in der Herdecker Fußgängerzone den Blumen- und Gartenmarkt aufgebaut. Auch auf dem benachbarten Flohmarkt drängen sich Stände und Besucher.

Die Innenstadt ist voller Menschen, die bei Sonnenschein über den Gartenmarkt schlendern. Kakteengärtnerin Edith Hellwag ist zum ersten Mal dabei. „Es macht Spaß“, findet sie. „Die Besucher stellen viele Fragen. Vor allem: Wie oft gießt man diese Pflanzen?“ Außer Kakteen in verschiedenen Formen und Farben bietet sie auch Sukkulenten an. Diese Pflanzen brauchen ebenfalls wenig Wasser – und werden immer beliebter. „Früher haben wir vor allem große Kakteen verkauft. Bis zu fünf Schiffscontainer haben wir von den Kanarischen Inseln importiert. Heute ist es kein einziger mehr.“

Dafür wollen die Kunden kleine Kakteen und auch Pflanzen ohne Stacheln. Der Kakteengärtnerin ist das ganz recht. „Bei den Kakteen hat man dauernd Stacheln in den Fingern. Aber man gewöhnt sich daran. Und man weiß, wie die Stacheln wieder raus gehen.“ Die meisten ihrer Pflanzen müssen trotz des Sonnenscheins noch eine Weile in der Wohnung stehen. „Kakteen sind Sonnenkinder. Sie sind im Sommer gerne draußen. Nur wenige sind winterhart. Die brauchen dann einen trockenen Platz, denn zu viel Wasser schadet ihnen.“

Blumen aus Omas Zeiten

Blumen, die auch schon jetzt im Garten gedeihen, hat Thorsten Jahn von der Firma Blumenzwiebel Schmutzler im Angebot. Er verkauft Blumenzwiebeln, Stauden, Saatgut und Kräuter. Seine Kunden greifen oft spontan zu: „Nach Blumenzwiebeln suchen die Leute nicht gezielt. Das ist ein Mitnahme-Artikel.“ Große Kisten voller brauner Wurzeln und Knollen stehen vor ihm auf der Erde. Auf den Tischen daneben finden sich Kräuter in meterlangen Reihen.

Auch ausgefallene Pflanzen finden die Kunden hier. Zum Beispiel die Krötenlilie, rosafarbene Blüten mit braunen Punkten. Etwas bekannter ist die Montbretie. „Das ist etwas Klassisches, wo viele Leute sagen: Ach, die hatte meine Oma im Garten.“ Viele seiner Kunden suchen auch nach Pflanzen, die im Schatten gedeihen. „Pflanzen, die in der Sonne wachsen, gibt es jede Menge. Aber für den schattigen Bereich habe ich auch einige.“

Deutlich spezieller ist das Angebot von Dieter Born. Er verkauft Bonsais, kleine Bäume, die im Blumentopf wachsen. „Bonsais sind eher ein Nischenprodukt“, erklärt der Blumenhändler, der nun schon zum vierten Mal dabei ist. Seit 25 Jahren verkauft er die Mini-Bäume. Aber schon vorher hat er sich mit den winzigen Gewächsen beschäftigt, damals allerdings noch als Hobby. Eines Tages wollte er mehr wissen und es besser machen als sein Blumenhändler. Inzwischen fährt er nach Holland, um dort seine Ware auszusuchen.

Das älteste Exemplar, das er mit nach Herdecke gebracht hat, ist ein 15 Jahre alter Apfelbaum, der trotzdem nur rund 40 Zentimeter misst. Zuhause hat er aber auch noch ältere Bäumchen.

Außer Pflanzen finden die Besucher auf dem Herdecker Blumenmarkt auch Dekorationen: zum Beispiel pastellfarbene Herzen und bunte Teelichthalter. Auch farbenfrohe Kinderkleider bieten einige Händler an.

Auf dem Trödelmarkt zieht vor allem Geschirr die Besucher an. Aber auch Sonnenschirme und Fächer werden dort – passend zum Wetter - verkauft.

Die längste Warteschlange steht aber vor dem Stand der Waldgaststätte Café Halle. Dort knetet Bäckermeister Frank Springorum Brotteig und backt die Laibe vor den Augen der Besucher. „Ich hoffe, wir verkaufen heute 600 Brote. Das sind etwa 300 Kilogramm Teig, je nachdem, wie viel hier zu tun ist.“

Sechs Kisten voller Holz stehen bereit, um den drei Tonnen schweren Ofen zu befeuern. Die noch heißen Brote landen sofort im Verkauf und werden von den Besuchern gerne genommen.

„Es ist nicht nur der Verkauf, es ist vor allem die Präsentation unseres Handwerks. Das Brot wird noch mit Sauerteig gemacht – und ohne Fertigprodukte.“ Während er das sagt, knetet Springorum mit jeder Hand einen Teigklumpen und formt ihn zu einem Laib. Es duftet nach Broten aus dem Holzofen.

Z Unser Bonsai-Handel ist aus unserem Hobby heraus entstanden. Seit 25 Jahren machen wir das jetzt professionell und verkaufen Bonsais.

Z Wir haben Kakteen und Sukkulenten. Seit einiger Zeit sind Sukkulenten mehr gefragt als Kakteen. Das ist uns ganz lieb, wegen der Stacheln.

Z Bisher hat das Wetter immer mitgespielt, wenn wir hier waren. Ein bisschen Sonne, nicht zu warm – dann sind die Leute in Gartenlaune.

Z Es ist eine Präsentation unseres Handwerks. Die Leute sehen, dass hier mit Mehl gearbeitet wird. Das ist kein Fertigprodukt.