Ab in den OP – aber gesund und munter

Dr. Helge Bast, Leitender Arzt der Orthopädie, Ina Höfinghoff, OP-Schwester und stellvertretende OP-Leitung, sowie Christof Heitmann, Leitender Anästhesiepfleger, an der Schleuse zum OP (von links).
Dr. Helge Bast, Leitender Arzt der Orthopädie, Ina Höfinghoff, OP-Schwester und stellvertretende OP-Leitung, sowie Christof Heitmann, Leitender Anästhesiepfleger, an der Schleuse zum OP (von links).
Foto: WP
Die erste Sommertour der Redaktion führt am 1. Juli in den Operationssaal. In der Orthopädischen Klinik Volmarstein dreht sich alles um eine Knieoperation. Aber keine Angst: es fließt kein Blut.

Volmarstein..  Geht es im Fernsehen ans Operieren, sieht man den Arzt, wie er sich die Arme seift und von der Schwester einen Kittel gereicht bekommt. Danach wird es kurz blutig und in der nächsten Szene hält der Mann in Weiß schon wieder eine Visite beim schnell genesenden Patienten ab. TV-Realität halt. Das echte Leben sieht anders aus. Wie, das zeigen die Chirurgen und OP-Pfleger der Orthopädischen Klinik Volmarstein bei der ersten Sommertour der Redaktion am 1. Juli. Unter dem nicht ganz ernst gemeinten Arbeitstitel „Wir operieren dem Opa sein Knie“ können die Sommertour-Teilnehmer den Weg des Patienten in den Operationssaal verfolgen, alles Wichtige über die Arbeit am OP-Tisch erfahren und den Raum erleben, den Patienten nur im Dämmerzustand zu sehen bekommen.

Der Weg bis in den OP-Saal ist für Menschen mit Knie- oder Hüftproblemen oft lang. Denn die Ärzte in der Volmarsteiner Klinik sind nicht die ersten Ansprechpartner. Zunächst seien die niedergelassenen Orthopäden an der Reihe, sagt Helge Bast, Leitender Arzt der Orthopädie. „Und auch wer schließlich zu uns kommt, wird nicht sofort unters Messer gelegt“, betont er. „Manchmal fällt uns auch noch etwas anderes ein.“

Kurzfristig streichen

Ist eine OP angesagt, beginnt in der Klinik eine Routine, die den Patienten optimal auf die Operation und die folgende Rehabilitation vorbereiten soll, für die Ärzte aber nie zur bloßen Routine werden darf. „Wir müssen unsere Arbeit immer wieder überprüfen“, sagt Bast und erklärt, dass eine geplante Operation auch kurzfristig wieder gestrichen werden kann, wenn die Beschwerden verschwinden.

Ist eine Operation terminiert, werden die Patienten bereits zwei Wochen vorher zur Schulung eingeladen. An einem Vormittag „in netter Atmosphäre“ erfahren die Betroffenen, was sie bei der Narkose erwartet, wie die OP verläuft und welche Übungen der Therapeut nach der Operation mit ihnen macht. „Zu diesem Zeitpunkt sind Patienten aufnahmefähiger, als kurz vor der OP“, weiß Helge Bast. Am besten ist auch noch ein Angehöriger mit von der Partie, „denn so ein Eingriff betrifft die ganze Familie“.

Für die Klinik hat der lange Vorlauf nicht nur den Vorteil, kurz vor der OP entspannte Patienten aufnehmen zu können. Es bleibt auch genug Zeit, um das so genannte MRSA-Screening durchzuführen und so eine Infektion mit einem für Patienten gefährlichen Keim zu vermeiden. „Es wird niemand operiert, der nicht getestet ist“, betont Bast. Wird der Keim gefunden, bleibt vor der OP genug Zeit, eine spätere Infektion zu vermeiden.

Neue Röntgenbilder

Die Tür zum OP-Saal öffnet sich nun aber noch immer nicht. Denn auch wenn der Name des Patienten schon auf der Liste für die geplanten Operationen steht, klopfen die Chirurgen am Tag zuvor noch einmal die unbedingte Notwendigkeit des Eingriffs ab. Neue Röntgenbilder werden gemacht, Arzt und Anästhesist klären die Patienten über die Risiken einer Operation auf. Und im riesigen Prothesenlager wird geschaut, ob die passenden Größen für diesen Patienten auch wirklich vorhanden sind.

Tag X beginnt für den Patienten mit einem Beruhigungsmittel, für das Team dagegen geht es um viele Details, die vor der Operation abgeklärt werden müssen. Nicht zuletzt werden im Operationssaal noch einmal die üblichen Abläufe gestoppt, um nicht vor lauter Routine einen Fehler zu machen. „Team-Time-Out“ nennen die Ärzte und Pfleger das, ein kurzer Moment für alle, um sich auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Hilfe bietet dabei eine Checkliste, die die Weltgesundheitsorganisation entwickelt hat und die in Volmarstein vor der Operation abgearbeitet wird. „Dabei müssen die Fragen so gestellt werden, dass eindeutige Antworten gegeben werden müssen“, betont Helge Bast.

Gefragt wird zu allererst, wer dort auf dem Tisch liegt. Aber auch die erwartete Dauer der OP, oder die Verfügbarkeit der notwendigen Geräte wird abgefragt. Und mit Unterschriften bestätigt. „Dabei geht es nicht um ein stumpfes Abfragen, weil der Arbeitgeber das so will“, ist der leitende Anästhesiepfleger Christof Heitmann vom Wert dieser Routine überzeugt. Es sei vielmehr ein Innehalten in dem Bewusstsein, dass es bei der Arbeit im OP-Saal um Menschen geht. Und da will niemand einen Fehler machen.

Kein Blut

Inzwischen hat sich auch der Operateur die Arme geschrubbt und den sterilen Kittel angezogen. Nun wird es blutig. Und wie im Fernsehen blenden wir aus. Nicht ganz, denn bei der Sommertour gibt es noch mehr zu sehen. Aber keine Sorge, Blut gehört nicht dazu.