Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Hamminkeln..  Die CDU hat einen Plan: „Wir wollen ein weiteres Gewerbegebiet nördlich der Autobahn“, das sei zukünftig Wunsch, Wille und Vision der Partei in Hamminkeln, sagte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Norbert Neß gestern. Dass dem Wunsch aber besonders die politische Wirklichkeit dabei gerne im Weg steht, dass wissen Neß und seine Parteifreunde Udo Bovenkerk, Dieter Genterzewsky, Wilhelm Kloppert, Anneliese Große-Holtforth und Bürgermeisterkandidatin Roswitha Bannert-Schlabes zu gut. Zu diesem Zweck hatten sie gestern CDU-Landtagsmitglied Josef Hovenjürgen zu Gast, um über die Perspektiven eines neuen Landesentwicklungsplans sowie eines neuen Regionalplans Ruhr zu sprechen.

Beide Pläne werden neu aufgestellt, befinden sich derzeit in der Vorbereitung und sollen frühestens im kommenden Jahr den jeweiligen Gremien zur Beratung vorgelegt werden. Nicht zuletzt deshalb, weil es zum Beispiel gegen den Landesentwicklungsplan mehr als 1000 Einwendungen gegeben habe, so Hovenjürgen.

„Die Regionen müssen sich räuspern“

Den frühen Stand der Planungen möchte die CDU nutzen und ihre Vorstellungen darin zementiert sehen, um aus ihrer Sicht handlungsfähiger bei der Stärkung und Neuansiedlung von Unternehmen zu sein. Zum Beispiel durch die Etablierung von Gewerbeflächen direkt an der Autobahn. Hier allerdings habe man Tabuzonen, auch hinter den Autobahnen, sagte Udo Bovenkerk, „hinter Elten sieht das dann aber schon wieder anders aus“.

In den Benelux-Staaten sei die Ansiedlung von Firmen an der Autobahn bereits gang und gäbe, weil es weniger Belastung für die Bevölkerung und kürzere Wege für die Unternehmen bedeute, sagte Josef Hovenjürgen. „Gleichzeitig müssen sich Firmen auch an Ort und Stelle noch weiterentwickeln können“, so der Politiker weiter, der seit September 2014 Verbandsversammlungsvorsitzender des Regionalverbandes Ruhr ist und damit für die Hamminkelner der kurze Draht nach Essen und Düsseldorf sein soll.

„Man muss seine Interessen so früh wie möglich anbringen und durchsetzen“, sagte Roswitha Bannert-Schlabes. Eine Vernetzung im Kreis sei dazu wichtig. „Die Regionen müssen sich räuspern“, fordert auch Hovenjürgen, der vor allem auf kleinere Kommunen schielt. So müssten die Städte im Kreis Wesel zusammenarbeiten, „auch um gegen größere zu bestehen“.

Hovenjürgen spricht sich außerdem für eine Neuberechnung von Abständen sowie neuen Messungen von Lautstärken und Emissionswerten aus, um wieder eine „Versöhnung zwischen Arbeiten und Wohnen“ zu schaffen. Im Ruhrgebiet gebe es zum Beispiel derzeit 12 000 Flächen, die deswegen nicht besiedelt werden dürften.