Zwillingsbruder erhält noch eine Chance

Wesel..  Ziemlich ruppig ging es am 2. Dezember 2013 in einem Schnellrestaurant am Weseler Hauptbahnhof zu. Da legte sich ein 23-jähriges Zwillingsbruderpaar mit einer Gruppe an, die vorwiegend aus Menschen mit Migrationshintergrund bestand. Es flogen Beleidigungen, die beiden Deutschen zogen Messer. Gestern musste sich das Landgericht Duisburg in zweiter Instanz noch einmal mit dem Fall befassen.

„Scheiß Kanake, Scheiß Ausländer“, hatte einer der Brüder gerufen. Dann zog er ein Messer, versuchte damit in Richtung des Kopfes eines Gastes zu stechen. Der konnte allerdings ausweichen. Mit dem Messerknauf schlug der Angreifer schließlich auf den Kopf des Zeugen ein, verletzte den Mann leicht.

Keine günstige Prognose

Ursprünglich war wegen Volksverhetzung ermittelt worden. Doch schon das Amtsgericht in Wesel hatte deutlich gemacht, dass die unschönen Begriffe zwar Beleidigungen sind, aber keine Aufstachelung zu Hass oder Straftaten darstellen. Während es einen der Zwillinge freisprach, wurde der andere wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Man könne dem vielfach vorbestraften Alkoholiker, der immer dann das Gesetz übertrete, wenn er zu viel getrunken habe, keine günstige Sozialprognose ausstellen, so die Begründung.

Genau darum ging es gestern in der Berufungsverhandlung. Denn inzwischen hat sich der Mann in eine Therapie begeben. Seit zweieinhalb Monaten wird er in einer Suchtklinik im Duisburger Norden behandelt.

Auf Anregung des Verteidigers und mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft setzte die Berufungskammer das Verfahren zunächst einmal aus. Einen neuen Termin wird es im Oktober geben. Bis dahin lasse sich mit einiger Sicherheit sagen, ob die Therapie Erfolg habe, könne die Strafe dann möglicherweise doch zur Bewährung ausgesetzt werden.

„Er weiß, was ihm blüht“

„Die paar Monate tun uns nicht weh“, so der Vorsitzende. Aber auf die Weise werde ausreichender Motivationsdruck auf den 23-Jährigen ausgeübt. „Wenn es schief geht, weiß der Angeklagte genau, was ihm blüht.“