Zwei Schulen laufen ab 2016 aus

Beifall von Eltern und Lehrern für die Ausführungen von Ulrike Freund (Stadtelternrat). Davor die SPD-Fraktion.
Beifall von Eltern und Lehrern für die Ausführungen von Ulrike Freund (Stadtelternrat). Davor die SPD-Fraktion.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Der Ordner mit 1600 Unterschriften für eine Elternbefragung in Sachen Schulen, den CDU und FDP zusammen mit dem Stadtelternrat der Bürgermeisterin übergaben, nutzte auch nichts mehr.

Wesel..  Beim Verlassen des Sitzungssaals entlud sich bei einigen der Zuhörer und Zuhörerinnen nach der Ratsentscheidung zur Veränderung der Weseler Schullandschaft jede Menge Wut. Wut auf die Entscheidung des so genannten Bildungsbündnisses von SPD, Grünen, Linken und WWW-Piratenfraktion, das soeben das Auslaufen der Martini-Hauptschule und der Städtischen Realschule Wesel-Mitte beschlossen hatte. „Schämen sollten Sie sich“, rief eine Frau Richtung SPD-Bank. „Sie wissen doch gar nicht, was Sie da machen.“

Zuvor hatten die unterschiedlichen Lager im brechend vollen Ratssaal noch einmal ihre Positionen dargelegt. Doch während die CDU mit Unterstützung der FDP immer wieder darauf drängte, sich mit der Entscheidung mehr Zeit zu lassen, blieben die Befürworter trotz des vielen Gegenwinds hart. Bernd Reuther (FDP) warf der SPD nicht nur Ignoranz und Arroganz vor, sondern machte sie auch für noch mehr Politikverdrossenheit zum Schaden der Stadt Wesel verantwortlich.

Ulrike Freund vom Stadtelternrat betonte in ihrer engagierten Rede unter anderem, dass man der AG Zukunftsdialog Schule mit einer solchen Entscheidung in den Rücken falle. Die Anmeldezahlen an der Hauptschule und den Realschulen sprächen für sich. Mittlerweile gebe es viele Eltern, die vor dem Riesensystem, das die nun vorgesehene Gesamtschul-Zweigstelle in der Innenstadt mit sich bringe, Angst hätten. Schließlich gehe es um 1700 Schüler, nahezu doppelt so viele, wie derzeit an den beiden Gymnasien unterrichtet würden. Derweil könne sich die Martini-Hauptschule vor Anrufen von Eltern momentan kaum retten.

SPD-Fraktionsvorsitzender Ludger Hovest betonte erneut, dass die Eltern von Viertklässlern abstimmten, indem sie die für ihr Kind passende Schulform wählten. Das sei bereits wie eine Elternbefragung. Der Hauptschulabschluss sei an der Gesamtschule ja nach wie vor möglich. Und: In anderen Bundesländern gebe es teils nur noch Gymnasien und Gesamtschulen. Hauptschulen hätten in Deutschland keine gesellschaftliche Relevanz mehr.

Ulrich Gorris (Grüne) verwies auf die Gesamtschule in Wuppertal-Barmen, die „nicht umsonst“ zur besten Schule Deutschlands gekürt worden sei. Hier werde Inklusion gelebt und allen der Bildungserfolg ermöglicht. Norbert Segerath (Linke) sprach von einer tragfähigen Lösung und Manfred Schramm (WWW-Piratenfraktion) bedauerte es, dass es zu derartigen Konfrontationen gekommen sei. Er habe in zahlreichen Gesprächen eine größere Anzahl an Backpfeifen kassiert.