Zum Schulschluss muss alles raus

Florian, Andrea, Maurice, Kai und Hendrik mit einigen der alten Schulutensilien, die sie auf dem Trödelmarkt verkaufen.
Florian, Andrea, Maurice, Kai und Hendrik mit einigen der alten Schulutensilien, die sie auf dem Trödelmarkt verkaufen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Ellen-Key-Schule wird aufgelöst. Ihre Schülerinnen und Schüler verkaufen alte Schätzchen, die nicht mehr gebraucht werden.

Wesel..  Wenn die Schule aus ist, wird oft gejubelt. Wenn das für immer ist, sieht das schon anders aus. Die Tage der Ellen-Key-Schule sind gezählt: Mit Beginn der Sommerferien wird es sie nicht mehr geben. Jubeln wollen ihre Schülerinnen und Schüler noch einmal - bei einem glanzvollen Abschiedsball. Und es wird etwas bleiben, auch Materielles: Viele Schätze haben sie und ihre Lehrerinnen und Lehrer in den Ecken und Winkeln des Schulgebäudes am Brüner-Tor-Platz entdeckt, die sie auf einem Trödelmarkt anbieten. Schnäppchen, die Schulgeschichte lebendig werden lassen.

Seit 1907 gibt es die nach einer schwedischen Reformpädagogin benannte Ellen-Key-Schule. Weil die Zahl der Förderschulen reduziert wird, wechseln von ihren 62 Schülerinnen und Schülern nach den Ferien 35 nach Voerde - die der Klassen acht bis zehn, die zwecks fließendem Übergang bereits zum „Schnuppern“ dort waren. Die jüngeren besuchen nach individuellen Laufbahn-Beratungen mit Eltern und Kindern andere Schulen.

Schüler und Lehrer zufrieden

Sie habe „das Gefühl, dass alle zufrieden sind“, sagt Schulleiterin Kerstin Gelbke-Motte, der wichtig ist, dass bei der Veränderung der Schullandschaft „die sonderpädagogische Ressource erhalten“ bleibt. Auch sie und ihre 24 Kolleginnen und Kollegen seien „versorgt“ - viele von ihnen im Bereich des gemeinsamen Lernens, das Bestandteil aller Schulformen sei. Neue spannende Aufgabe für sie selbst ist der Aufbau der Gesamtschule in Voerde.

In den 60er-Jahren, aus denen ein Gutteil der Ausstattung stammt, wurde den Kindern die Welt wortwörtlich begreiflich gemacht. Das Skelett etwa oder der armlose Günter, dem man erst die Rippen und dann die Organe entnehmen kann, sind alles andere als virtuell. Man lernte mit Mechanik-Baukästen und, als der Computer in den Schulen noch nicht verbreitet war, anhand vieler großformatiger Wandkarten. Dies alles gibt es in den Schulräumen zu bestaunen und käuflich zu erwerben. Die Schüler taxieren die Preise - und dabei hilft heute - natürlich - das Internet.

Schreib- und Nähmaschinen

Wer alte Technik sucht, entdeckt die seinerzeit revolutionäre Polaroid-Sofortbildkamera wieder, den Kassettenrekorder, Telefonapparate mit Drehwählscheibe. Schreib- und Nähmaschinen gibt es, nebst vielen Stoff- und Garnresten, zudem Mikroskope, Waagen mit Gewichten, Handpuppen und Figuren, Video- und Ton-Kassetten und Schallplatten - mit Märchen, aber auch mit der Antrittsrede des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Manches, wie die alten Bauklötze oder die Schmetterlinge hinter Glas sind nun Wohnzimmer-Schmuck von besonderem Wert.

Am Samstag, 30. Mai, von 10 bis 14 Uhr kann man zwischen den Zeitzeugen der Schulgeschichte stöbern.Es gibt Speisen und Getränke und einen Kinderflohmarkt. Der Erlös dient der Abschlussfahrt der Schülerinnen und Schüler im Juni nach Winterberg. Dort feiern sie in schicker Garderobe einen großen Ball. Bevor die Ellen-Key-Schule Geschichte sein wird.