„Zum Ende kommt die Wehmut“

Der Schulhof der Gesamtschule Schermbeck – hier treffen sich die Schüler jeden Tag.
Der Schulhof der Gesamtschule Schermbeck – hier treffen sich die Schüler jeden Tag.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Vier Zehntklässler lassen ein Stück Schulgeschichte hinter sich. Chiara und Jannik beginnen eine Berufsausbildung, Marie und Joe gehen weiter zur Schule – in Schermbeck oder in den USA.

Schermbeck..  Die Stimmung auf dem Schulhof der Gesamtschule Schermbeck ist ausgelassen. Die Klausuren sind geschrieben, die Noten stehen fest und für die meisten auch die Zukunft. Nein, nicht nur für die Abiturienten, auch die Zehntklässler lassen ein erstes Stück Schulgeschichte hinter sich. Für die einen geht es weiter, nach den Sommerferien beginnt die Oberstufe. Das Ziel: Abitur. Andere beenden ihre schulische Laufbahn und wagen den Schritt ins Berufsleben – aufregend, und auch ein bisschen traurig, finden Chiara, Marie, Joe und Jannik.

„Einerseits ist es echt schön, andererseits habe ich Angst, dass man sich aus den Augen verliert“, die 16-jährige Chiara hat ihren Abschluss in der Tasche, die Fachoberschulreife. Sie verlässt die Gesamtschule und besucht nach den Ferien das Berufskolleg in Dorsten, Abteilung Sozial- und Gesundheitswesen. „Ich würde gerne mit Menschen mit Behinderung arbeiten, weil ich ganz gut mit Leuten umgehen kann.“ Das habe ihr eine Freundin bescheinigt, die selbst einen Bruder mit einer geistigen Behinderung hat. Aber auch das Friedensdorf in Oberhausen würde sie reizen; die Arbeit mit kranken Kindern, die aus Krisengebieten eingeflogen und behandelt werden.

Das letzte Pausenklingeln

Gestern sind sie zum letzten Mal der Pausenklingel gefolgt, haben sich auf dem steinernen Schulhof vor der bunten Graffitiwand zwischen den grünen Bäumen mit ihren Freunden getroffen und Pläne fürs Wochenende geschmiedet – 15 Minuten Ruhe vom stressigen Schulalltag. „Aber die Zeit auf dem Schulhof bedeutet auch Erinnerung“, sagt Jannik. Zum Beispiel daran, wie er im Laufe der letzten Jahre die typische Schulhofwanderung mitgemacht hat. „Erst sitzt man an den Bänken. Irgendwann trifft man sich auf dem hinteren Schulhof. Zum Schluss standen wir immer am Rasenplatz“ – so läuft das eben.

Auch Jannik geht ab, verlässt die Schule und beginnt eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker im Fachbereich Nutzfahrzeugtechnik. „Ich war gerne hier, aber ich würde jetzt auch nicht mehr weitermachen wollen.“ Der 16-Jährige hat die FORQ, die Fachoberschulreife mit der Qualifikation zur Oberstufe und damit zum Abitur. „Für mich stand immer fest, ich möchte einen Realschulabschluss. Ich hatte nach der Grundschule auch ‘nur’ eine Empfehlung für die Hauptschule.“ Aber nach der achten Klasse stand fest: Jannik schafft die Qualifikation.

Ab ins Ausland

Sein Ziel verlor er dennoch nicht aus den Augen. Nach den Sommerferien geht es in der MAN Werkstatt für ihn weiter, mit guten Aussichten anschließend auch eine Meisterprüfung ablegen zu können. Ob er das will? Jannik zuckt mit den Schultern. „Vielleicht.“

Joe hat noch ein paar Wochen, bevor die Schule für ihn endet. Der 15-Jährige geht in die Oberstufe – mit Verspätung. Denn erst einmal zieht es ihn ins Ausland, in die USA nach Virginia. Ein Jahr ohne Familie und Freunde. Für Joe kein Problem. „Ich schaff’ das schon“, sagt der Schüler zuversichtlich. „Ich war bereits ein paar mal in den USA. Ich mag die Kultur – und das Essen.“ Urlaub ist es dieses Mal jedoch nicht, Joe besucht die Junior Class.

Latein auf Lehramt

Mit etwas Glück und Überredungskunst schafft er es vielleicht in die Senior Class. „Dann könnte ich einen Abschluss machen mit allem, was dazu gehört.“ Mit Talar und Absolventenkappe. Nach einem Jahr Auslandsaufenhalt ruft dann wieder der Schulalltag, sein Ziel ist das Abitur.

Ebenso wie für Marie. Die 16-Jährige möchte später studieren, was genau? Die Schülerin denkt kurz nach. „Latein auf Lehramt.“ Beim zweiten Fach, dass sie belegen müsste, ist sie sich allerdings noch unschlüssig. „Das entwickelt sich noch.“ Wehmütig ist sie nicht, die meisten ihrer Mitschüler machen weiter. Aber komisch wird es nach den Ferien schon. Die Klassen splitten sich auf, neue Schüler anderer Schulen kommen hinzu – die Karten werden sprichwörtlich neu gemischt. „Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, mit wem ich nach den Sommerferien so zusammensitze.“

Aber bis dahin ist es noch ein bisschen hin. Heute steht ihr Abschlussball an. Ein Grund zu feiern? Chiara schaut in die Runde. „Es wird bestimmt auch ein trauriger Abend. Zum Ende kommt die Wehmut, dann werden einige Tränen fließen.“