Zu Kaisers Zeiten üppig erbaut

Schmucke Türen und Fenster zieren das Empfangsgebäude des Bahnhofs Peddenberg.
Schmucke Türen und Fenster zieren das Empfangsgebäude des Bahnhofs Peddenberg.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Drevenacker und Krudenburger hatten sich mit Schermbecker Hilfe den Bahnhof Peddenberg erkämpft. Das alte Gemäuer steht zum Verkauf – ein Haus mit viel Geschichte und charmanten Details

Hünxe..  Diese Mauern haben schon viel gesehen, mancher alte Drevenacker verbindet Erinnerungen mit ihnen. Sie stehen unter Denkmalschutz und sie stehen auch zum Verkauf: Der alte Bahnhof Peddenberg war eine Station auf der Strecke von Haltern nach Venlo, am 1. März 1874 von der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (CME) eröffnet, 1974 von der Bundesbahn stillgelegt.100 Jahre war er Teil der Eisenbahn- und der Ortsgeschichte.

400 Quadratmeter Wohnfläche, elf Zimmer und ein Bauwerk mit viel Liebe zum Detail, errichtet in einer Zeit, als Geld zumindest für die Eisenbahn keine Rolle spielte: Zierfriese, ins Mauerwerk eingelassene Rosetten. Heute ist der liebenswerte Bahnhof Peddenberg ein wenig in die Jahre gekommen. Johannes Hoves (59) lebt seit 28 Jahren in dem Denkmal. Er hat das Haus und dazu ein Riesengrundstück 1988 gekauft, hier gewohnt und seiner Arbeit nachgegangen. Jetzt will er sich zur Ruhe setzen, den Bahnhof verkaufen.

Es musste Eiche sein

Vieles im Inneren ist so geblieben, wie es immer schon war. Schwere Eichenfußböden schienen für die Bahn zu Kaisers Zeiten gerade gut genug, selbst im Güterschuppen, der späteren Holzwerkstatt von Johannes Hoves, der hier eine Zimmerei und Holzdeckerei betrieb, liegen die Bohlen. Klar, auch die alten Originalfenster sind aus Eiche, noch einfach verglast, das wollte der Denkmalschutz seinerzeit so. „Heute ist das anders“, sagt Hoves. So lange die Fenster aus Holz seien und die alte Form behielten, darf die Verglasung besser werden. Holzvertäfelungen, die alten Fliesen, das Wasserklo mit dem Spülkasten und einer Kette, die Dachbalken. Zwar steht das Innere des Hauses nicht unter Denkmalschutz. Dennoch sind es die Details, die den Charakter ausmachen. Hoves hat sie dem Bahnhof gelassen.

„Diese dicken Mauern sind für Jahrhunderte gebaut“, sagt er. Ein wenig weh tue es ihm schon, sich von dem Gebäude mit Geschichte zu trennen. Seine Wohnung im Obergeschoss ist riesig und die Fensterformen machen sie ausgesprochen ungewöhnlich: So etwas bekommt man nicht von der Stange.

Einmal, vor Jahren, stand eine betagte Dame in der Auffahrt, die zwar nicht mehr öffentlich ist, doch noch immer den Namen Bahnhofstraße trägt. „Ihr Vater war in Kriegszeiten hier Bahnhofsvorsteher gewesen“, sagt Hoves. Sie erinnerte sich und sie erzählte aus den guten, auch aus den sehr bösen Zeiten. Auch eingefleischte Eisenbahnfans schauen immer wieder mal vorbei. „Unter der Wiese liegen noch die Schienen.“ Die sind ein Bodendenkmal und müssen bleiben. 1988, als er kaufte, war ein Gleis noch in Betrieb. Eine einzige Diesellok gab es, die täglich vorbeikam und einen Holzhandel belieferte.

Alles Geschichte. Geblieben ist ein massives Haus mit Charme - der Bierkeller für die Kneipe ist noch da ,auch ein weiterer mit Kappendecken. Eigentlich hatte es ja an der Strecke der Hamburg-Venloer Bahn gar keinen Bahnhof in Drevenack geben sollen. Doch Krudenburger, Drevenacker und Schermbecker kämpften gemeinsam jahrelang dafür. Mit Erfolg: Rund 16000 verkaufte Fahrkarten zählte man in den Anfangsjahren im Bahnhof Peddenberg. Seit 1974 gibt es hier keine Tickets mehr zu kaufen. Das Gelände ist entwidmet – die Bahn kann die Strecke nicht wiederbeleben. Dieses Kapitel Dorfgeschichte ist abgeschlossen.